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Interview wirSiegen.de – Dennis  Böhm/dolce vita-gastro-kreuztal

wirSiegen.de: Herr Böhm, Sie haben mich zu einem Interview eingeladen.

Dennis  Böhm: Es geht mir im Wesentlichen darum, unsere Gäste und auch die Gäste unserer Kollegen Zu sensibilisieren, was es bedeutet, zur heutigen Zeit ein Gastronomie-Unternehmen Erfolgreich zu führen. Eines der größten Probleme der Gastronomie in Deutschland liegt darin, dass dem Gast (noch) nicht bewusst ist, dass es auch im Restaurant nicht „nur“ um die „Warenkosten“ Geht. Es geht in der Preisberechnung hauptsächlich nicht mehr um das, was auf dem Teller und im Glas ist. Es geht heute vor allem – wie in anderen Branchen auch – um die Lohn-, Produktions- und Fixkosten. Im Prinzip gleich wie in einer Autowerkstatt. Die defekte Motorensicherung selber ist Nicht teuer. Die Mitarbeiterkosten und der Stellplatz/Technik um den Fehler zu finden Jedoch schon. Bei uns in der Gastronomie ist es leider auch immer noch so, dass der Gast denkt, das Eine Rösti mit Spiegelei viel billiger sein muss als ein Rinderfilet mit Kräuterbutter. Dabei ist in der Kalkulation eigentlich nur der Wareneinstandspreis anders. Die Arbeit, der Service und die Fixkosten sind genau die Selben. Rösti mit Spiegelei „wäre“ also im Verhältnis zum Rinderfilet gar nicht so viel günstiger. Im Gegenteil, eine gute, frische Rösti zu machen ist viel aufwendiger als ein Steak zu braten. Oder, haben Sie sich schon mal überlegt, wann Sie in ein Restaurant gehen? Meistens gehen Sie ja dann, wenn alle anderen Geschäfte bereits geschlossen sind. Am Abend, am Wochenende, an Feiertagen etc. Bestellen Sie doch einmal einen Handwerker an einem Samstag und schauen dann, ob er gleich viel kostet wie am Mittwoch. Bei uns in der Gastronomie ist es jedoch völlig normal, dass ein Kaffee morgens um 9:00 Uhr gleich viel  wie Abends um 23:00 Uhr und das natürlich 7 Tage in der Woche.

wirSiegen.de: Ihre Branche leidet momentan unter „Massensterben“.

Dennis  Böhm: Kein Wunder, dass die Restaurantbranche in den Medien im Bezug auf Löhne und sozialen Status immer als Schlusslicht der Wirtschaft dargestellt wird, wenn es ein Großteil unserer Branche versäumt hat, marktgerechte Preise einzuführen um ihren Mitarbeitern auch anständige Löhne bezahlen zu können, um die stetig steigenden Unkosten wie Energie und Verwaltungskosten eines Unternehmens tragen zu können und nötige Investitionen decken zu können. Wir leben in einer sehr „schnelllebigen“ Zeit, wir müssen uns ständig am Markt anpassen, auf Wünsche und Bedürfnisse unserer Kunden eingehen, Trends am Markt erkennen und darauf reagieren. Die Gäste erwarten von uns saubere, gepflegte und intakte Räumlichkeiten. Wenn beispielsweise ein Stuhl abgenutzt ist muss dieser umgehend ersetzt respektive repariert werden. Es ist aber unbestritten wahr, dass es sehr schwierig ist, in der Gastronomie über die Runden zu kommen. Und glauben Sie mir, ich gehöre nun wirklich nicht zu den „Jammerern“ der Branche.

wirSiegen.de: Was unterscheidet Ihrer Meinung nach die Gastronomie von der Hotellerie?

Dennis  Böhm: Die Hotelbranche ist uns in vielen voraus. Obwohl die mit besseren Renditen kalkulieren können. (Hotelzimmer bringen immer eine bessere Rendite als ein Restaurant). Diese Branche und deren Verbände haben es geschafft, dem Gast unterschiedliche Preise im Bezug auf Saison, Aussicht, Grösse und Ausstattung der Zimmer zu Verkaufen. Wie wäre es wohl bei uns, wenn die besten Plätze zu teueren Preisen und der Kaffee oder das Menü je nach Saison oder Wochentag mehr oder weniger kosten würde?

wirSiegen.de: Wo ist da der Nachholbedarf?

Dennis  Böhm: Heute gibt es meiner Meinung nach zu viele „Unterlasser“. Dies liegt wohl daran, das es diesen Kollegen entweder „noch“ zu gut geht, es zu wenige gute Konkurrenz gibt oder man sich gegenseitig missgünstig und neidig ist. Bei den Treffen unseres Orts-Verbandes wird nicht auf die wesentlichen Punkte eingegangen. Man möchte auch nichts ändern „das war schon immer so“ – ist die Standard-Aussage. Obwohl es im Kreis Siegen/Wittgenstein sehr gute Gastronomie gibt, hätten wir in der Branche wahrlich sehr viele „Gastro-Themen“ welche zu diskutieren wären.

wirSiegen.de:  Zum Beispiel?

Dennis  Böhm: Oh da gibt es viele. Warum zum Beispiel gibt es immer weniger „Ausgehgäste“, billige Plastikstühle mitten in bester Verkaufslage in der Innenstadt? Immer noch zu viele Schlechte oder mittelmässige Gastronomie-Qualität in der Region, schmuddelige Terrassen und Lokale, zu wenig geschulte Mitarbeiter, teilweise bedenkliche hygienische Zustände etc. Man sollte miteinander reden um für alle bessere Bedingungen zu erwirken und nicht Gegeneinander arbeiten. Das wäre meiner Meinung nach der richtige Weg für eine aktive, vorbildliche Und zukunftsorientierte Gastronomie.

wirSiegen.de: Herr Böhm, danke Ihnen für das Gespräch und viel Erfolg!

Dolce Vita Gastrosophie
Bahnhofstr. 11
57223 Kreuztal

T. 02732 7689 980

Homepage:  http://www.dolcevita-kreuztal.de/