Wehmütig klang das Posthorn…

(wS/red) Hilchenbach – Heute erreichte die wirSiegen.de-Redaktion erneut ein sehr schöner Beitrag des Dahlbrucher Heimatforschers Heinz Bensberg. Diesen Bericht wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten…

2015-05-07_Heinz_Bensberg

Wehmütig klang das Posthorn auf der letzten Tour

Wenn auch in vielen Gegenden Deutschlands die Postkutscher schon unterwegs waren, um Nachrichten und Waren zu befördern, gab es sie bei uns im Siegerland noch nicht. Wir lagen damals und heute an keiner wichtigen Verkehrsader bzw. Route. All dies und auch die schlechten Wege und Straßen ließen bei uns die Postkutschen erst etwas später fahren.

Die letzte Postkutsche in Hilchenbach 1884 vor der Gastwirtschaft Wolschendorf. Mit dem                          Erndtebrücker  Postillion Johann Debus.

Die letzte Postkutsche in Hilchenbach 1884 vor der Gastwirtschaft Wolschendorf. Mit dem Erndtebrücker Postillion Johann Debus.

Um 1700 wurde das Siegerland aber gleich von drei Routen durchkreuzt. Es waren die Linien Siegen-Köln, Frankfurt a. M.-Siegen und Siegen–Attendorn. Heftig wurde sich nach dem siebenjährigen Krieg um diese Linien zwischen Kurpfalz, Kurköln, Preußen sowie Thurn und Taxis gestritten. Dies war natürlich für die Entwicklung der Post keinerlei Vorteil. Durch die Kurpfalz bekam das Siegerland endlich im Jahre 1782 an die wichtige Strecke Memel–Berlin–Cleve Anschluss. Bei der französischen Besatzung traten 1809 neue Ungereimtheiten auf, als die ,,Marie“ Hilchenbach zum Departement Dillenburg kam. Sie wurde seinerzeit dem Großherzogtum Berg angeschlossen.

Eine Briefsammlung gab es ab 1824 in Hilchenbach. Dienstags und samstags brachten besondere Boten Pakete und Briefe zum preußischen Postamt nach Siegen. Zwei Jahre später gab es die erste Postexpedition in Hilchenbach. Für Stadt und Landbezirk war der erste Expeditor Bürgermeister Johan Henrich Reifenrath, der dieses Amt bis 1851 begleitete. Im Hause W. G. Weiß Bruchstraße 12, später Walter Freudenberg, war die erste Posthalterei, wo auch der Pferdewechsel stattfand.

Kaiserliches Postamt Hilchenbach 1901. Auf dem Bild Postverwalter Strünkelnberg                            mit seiner Mannschaft und seiner Tochter Elly.

Kaiserliches Postamt Hilchenbach 1901. Auf dem Bild Postverwalter Strünkelnberg
mit seiner Mannschaft und seiner Tochter Elly.

Dreimal wöchentlich wurde zum Beispiel um 1850 in Hilchenbach die Post verteilt. Zu diesem sehr großen Landbestellgebiet gehörte Altenteich, Lützel, Hof Ginsberg, Buchhelle mit Grube Irene, Helberhausen, Oberndorf, Hof Schreiberg, Vormwald, Grund, Öchelhausen, Ruckersfeld, Buchen, Hillnhütten, Stift Keppel, Allenbach, Hof Stöcken, Haarhausen, Sterzenbach, Hadem und Hilchenbach selbst.

Außer der Personenpost, es war die Postkutsche, wurde auf den wichtigen Strecken auch eine Bodenpost eingerichtet. Der Hilchenbacher Postschaffner Haardt, der für die Beförderung von Hilchenbach nach Erndtebrück zuständig war, ging jeden Morgen, bei jedem Wetter, nachts um 4 Uhr los. Er legte auch zur Winterzeit täglich etwa 30 km zurück.

Landbriefkasten der Deutschen Reichspost 1910.

Landbriefkasten der Deutschen Reichspost 1910.

Der Hilchenbacher Postschaffner Hoppe erzählte seinerzeit, dass er als 15jähriger 1882 nachts eingehende Eilbriefe, die entsprechend frankiert waren, sofort bei jedem Wetter bis nach Altenteich und überall im Bezirk bestellt hätte. Ab 1880 war ein Herr Langenbach Postverwalter in Hilchenbach. Bei Revisionen musste er manchmal von seiner geliebten Jagd heim geholt werden und wurde deswegen 1885 abgelöst.

An das Telegraphennetz im Morsebetrieb wurde Hilchenbach am 1. Dezember 1873 mit der Nummer 882 angeschlossen. In den Jahren von 1877 bis 1881 gingen in Hilchenbach jährlich etwa 15 000 Briefe mehr ein als abgeschickt wurden sind. So wurden 1881 immerhin 67 734 Briefe nach Hilchenbach geschickt und nur 51 660 Briefe Verliesen das Postamt. Erwähnenswert ist noch, dass Anno 1900 in Hilchenbach das erste Fernsprechamt eröffnet wurde. Es bekam in diesem Jahre schon 34 Anschlüsse. Die Nummern 1 bis 5 waren folgende Teilnehmer: Ruf-Nr. 1 Weiss, Leimfabrik; Ruf-Nr. 2 Vogtmann & Co.; Ruf-Nr. 3 Lederwerke; Ruf-Nr.4 Vollpracht und Weiss, Chem. Fabrik; Ruf-Nr. 5 Hüttenhain, Eduard.

Öfters blieben die Postkutschen bei den schlechten Wegverhältnissen im Morast stecken. Es mussten dann Ochsen, die stärker waren als Pferde, vorgespannt werden, um die Karre aus dem Dreck zu ziehen. Aus dieser Zeit stammte auch das Sprichwort: ,,Man muss die Karre wieder aus dem Dreck ziehen.“ Dies war oft sehr zeitaufwendig und so mussten Postillion und Reisende oft in Hilchenbach übernachten. Hierüber freuten sich die Reisenden nicht, allerdings die hiesigen Gastwirte. Es war schon ein Wagnis seinerzeit mit der Postkutsche zu reisen. Vorsorgliche Personen bestellten vor Antritt einer langen Reise ihr Haus und ließen sich vorher in der Kirche die Sakramente reichen.

Nach Fertigstellung der Wittgensteiner Straße, der heutigen B 508 im Jahre 1835, wurde der Postverkehr Kreuztal–Hilchenbach und zurück aufgenommen. Zuerst fuhr wöchentlich ein Einspanner die Post. Später wurde täglich gefahren und man nahm auch Personen mit. 1838 kam die Strecke Laasphe–Hilchenbach–Kreuztal und retour hinzu. 8 Silbergroschen pro Meile betrug das Fahrgeld. Hierbei waren noch 30 Pfund Gepäck frei. Anno 1842 kam die Personenpost Hilchenbach-Siegen und natürlich wieder zurück mit 6sitzigen Wagen dazu.

Die Route Siegen–Marburg, die über Kreuztal, Hilchenbach, Erndtebrück, Laasphe und zurück galoppierte, wurde 1846 in den Postverkehr aufgenommen. Die tägliche 2spannige Fahrpost verließ Siegen um 6 Uhr und erreichte Marburg abends um 19 Uhr. Ab 1851 kam noch die Strecke Siegen–Hilchenbach–Plettenberg und retour, die täglich gefahren wurde, hinzu. Am 1. Januar 1852 wurde noch eine tägliche viersitzige Personenpost von Hilchenbach nach Laasphe eingerichtet. Man dachte überall noch nicht fortschrittlich. So waren 1852 die Gemeinden Allenbach und Lützel nicht an dem Vorzug interessiert auf Gemeindekosten Briefkästen aufzustellen. Die letzte eingerichtete Strecke war von Hilchenbach nach Altenhundem. Da diese nicht wirtschaftlich war, bestand sie nicht lange.

Diese sehr rege Personenpost in Hilchenbach endete mit Eröffnung der Eisenbahnlinie Kreuztal–Hilchenbach, in denen auch zwei Bahnpostwagen mit Postschaffnern mitfuhren, am 1. März 1884. Die letzte offizielle Fahrt einer Postkutsche im Ferndorftal war am 29.Februar 1884 und wurde ein wahres Fest. Die Postillione bliesen ganz wunderbar und länger als üblich. Der Ferndorfer Apotheker ließ bei der Durchfahrt ein brillantes Feuerwerk abbrennen. Der Fahrplan wurde nicht eingehalten, denn in den Wirtshäusern tränkten Postillione und Fahrgäste tüchtig. Die Hilchenbacher berichteten über die Ankunft der letzten Postkutsche: Am Vorabend der Eröffnungsfeier hörten wir zum letzten Male die lang gewohnten meistens melancholisch klingenden Töne des Posthorns. Sie klangen besonders wehmütig auf dieser letzten Tour.“

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