150 Jahre Ruhr-Sieg-Strecke: Ausbauen statt Stilllegen

wS/ksw   Siegen Wittgenstein  –   „A railroad is 95 percent man and 5 percent iron – Eisenbahn ist 95 Prozent Mensch und 5 Prozent Eisen“ mit diesen Worten des Nationalökonomen Adam Smith begrüßte Landrat Paul Breuer jetzt die Gäste im Kreishaus zur Eröffnung der Ausstellung „150 Jahre Ruhr-Sieg-Strecke“, die sich der Entwicklung der Eisenbahn in Südwestfalen widmet. Unter anderem waren der heimische Bundestagsabgeordnete Willi Brase, Vertreter der Kreistagsfraktionen, die ZWS- und Kreisbahngeschäftsführer Günter Padt und Martin Lauffer, Vertreter der Heimatarbeit sowie zahlreiche interessierte Besucher der Einladung gefolgt.

Dem Kurator der Ausstellung, Harald R. Schlechter, bescheinigte Breuer „Eisenbahn im Blut“ zu haben. Denn sein Urgroßvater war bereits Wachsoldat in Köln-Deutz am Anfang bzw. Ende der Sieg-Strecke, sein Großonkel Peter war Bediensteter im Paketpostwagen, der zwischen Deutz und Gießen verkehrte, und sein Vater arbeitete nach seiner Entlassung aus dem Militärdienst als Übersetzer bei der Französischen Besatzungstruppe im Reichsbahn-Ausbesserungswerk Betzdorf. So wundert es nicht, dass Schlechter sich als Heimatforscher bereits seit etlichen Jahren mit der Geschichte und der Entwicklung der regionalen Eisenbahnlinien beschäftigt. Die Ergebnisse seiner langjährigen Arbeit hat er u.a. nun in einer Ausstellung zum Jubiläum der Ruhr-Sieg-Strecke zusammengetragen. Auf 130 Schautafeln, die auch alte Eisenbahnfotografien aus dem frühen 20. Jahrhundert beinhalten, stellt Schlechter den Wandel dar, den die Bahn und mit ihr die Region in den vergangenen 150 Jahren durchlaufen hat.

Breuer würdigte sowohl Schlechters persönliches Engagement, dass diese Ausstellung erst möglich gemacht hat, als auch die besondere Wichtigkeit der Eisenbahn für Südwestfalen. Er betonte, dass die Bahnstrecke sowohl den überregionalen Güter- als auch den Personentransport maßgeblich vereinfacht habe und somit die Anbindung des Siegerlandes an Wirtschaftsstandorte im ganzen Land ermöglichte. Zunächst sei das mit harten Umbrüchen verbunden gewesen. Zahlreiche tradierte Berufe und Handwerke, wie etwa die Wagner, Pferdefuhrleute oder Stellmacher seien verdrängt worden und in Vergessenheit geraten. Gleichzeitig entstanden neue Unternehmen, die bis heute von der Infrastruktur, die die Bahnstrecke bietet, profitieren. Deshalb sei die Ruhr-Sieg-Strecke eine zentrale „Lebensader“ des wirtschaftlichen Wohlstandes in der Region und müsse auch zum Wohle nachfolgender Generationen erhalten bleiben.

„Die Bahn erschließt den Menschen neue Räume, sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich“, betonte Landrat Paul Breuer. Dies gelte nicht nur für die Vergangenheit, sondern müsse auch bei der künftigen Verkehrspolitik berücksichtigt werden. Seine konkrete Forderung an die Bundesregierung: Die Ruhr-Sieg-Strecke muss im Bundesverkehrswegeplan bleiben und gleichzeitig durch gezielte Ausbaumaßnahmen modernisiert werden. Dies sei vor allem deshalb wichtig, weil sich nach aktuellen Prognosen die Verkehrsbelastung durch LKWs auf den ohnehin schon überlasteten Autobahnen in den kommenden Jahren noch verdoppeln soll.

Die Ausstellung „150 Jahre Ruhr-Sieg-Strecke“ ist bis zum 2. Dezember 2011 zu den üblichen Öffnungszeiten im Foyer auf der Empore in der 1. Etage des Kreishauses zu sehen.

Landrat Paul Breuer (links) und der Kurator der Ausstellung „150 Jahre Ruhr-Sieg-Strecke“ Harald R. Schlechter.

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