Mit 78 Jahren wieder Rasenmähen

wS/dsw Siegen Wittgenstein – 28.12.2012 – Wenn Maria Beyer im Haus Höhwäldchen in Wilnsdorf aus dem Fenster schaut, dann wünscht sie sich für das kommende Jahr eines ganz fest: Dass es endlich wieder Frühling wird. Wie die Bewohnerin des Diakonie-Seniorenheims haben viele ältere Menschen im Siegerland Wünsche, die aber oft unausgesprochen bleiben. Im Folgenden erzählen vier Senioren von dem, was sie sich von 2013 versprechen. Sobald Schnee und Eis von den Straßen weichen, kann Maria Beyer spazieren gehen – ohne Angst, auf den glatten Wegen auszurutschen.

Für die rüstige Dame ist die tägliche Runde durch den angrenzenden Wald etwas ganz Besonderes. Hier trifft sie Wanderer mit ihren Hunden, Jogger und spielende Kinder. Was Maria Beyer in jungen Jahren nicht so wichtig war, genießt sie während ihrer Spaziergänge heute umso mehr: „Ich freue mich, wenn mich Menschen grüßen oder Kinder mir ein ‚Hallo’ zurufen.“ Selbstredend wünscht sich die 93-Jährige deshalb auch im kommenden Jahr weitere dieser „netten Begegnungen“. „Es ist schön, auch als alter Mensch wahrgenommen und akzeptiert zu werden“, erzählt sie. Für ihr Zuhause, das Haus Höhwäldchen, wünscht sich Maria Beyer aber noch etwas: „Alle Mitarbeiter sollen so freundlich bleiben.“

Ein Zuhause hat auch Sigrid Käuser gefunden. Sie lebt im August-Hermann-Francke-Haus in Bad Laasphe und wünscht sich Gesundheit und Wohlbefinden. Ein Wunsch, den sicherlich auch viele andere Menschen haben. Für Sigrid Käuser ist er aber von besonderer Bedeutung, denn sie leidet an einer psychischen Erkrankung – wie alle Bewohner des August-Hermann-Francke-Hauses. „Ich habe das Gefühl, dass es mir jetzt gut geht und das soll so bleiben“, beschreibt die 61-Jährige. Gerade im Alter erlebe man, wie schnell sich das eigene Befinden ändern könne.

Vor allem ihre Arbeit im und außerhalb des August-Hermann-Francke-Hauses ist Sigrid Käuser ein Anliegen. Deshalb wünscht sie sich, weiterhin arbeiten gehen zu können und möchte den Bewohnerbeirat der Einrichtung unterstützen. „Früher waren mir viele Dinge nicht so bewusst – was ich habe, schätze ich heute viel mehr“, erklärt Sigrid Käuser. Darüber hinaus legt sie ihre Wünsche jetzt nicht mehr auf einen langen Zeitraum aus, sondern setzt sich naheliegende Ziele. Und das aus gutem Grund, wie sie erzählt: „Ich weiß, dass die Lebenszeit begrenzt ist und möchte meine Wünsche deshalb direkt umsetzen.“

Wünsche hat auch Georg Kurschus aus Freudenberg. Mit 82 Jahren erhofft sich der Pfarrer im Ruhestand heute aber ebenfalls andere Dinge als in jüngeren Jahren. „Ich wollte immer meine Cousine in Amerika besuchen“, erzählt er. Und auch Reisen nach Griechenland oder Italien standen stets ganz oben auf seiner Wunschliste. Wie er berichtet, seien diese Wünsche nicht zu erfüllen gewesen, hätten ihm aber immer wieder „Schwung“ gegeben. Heute wünscht sich Georg Kurschus insbesondere Zeit mit seiner Familie. Seine drei Kinder wohnen weit weg.

„Sich spontan auf einen Kaffee zu treffen, ist nicht möglich“, sagt Georg Kurschus. Umso mehr freue er sich, wenn die Familie zusammen ist. Im Januar haben Georg Kurschus und sein Enkel Geburtstag – und das an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Der Wunsch für Anfang 2013 steht deshalb schon lange fest: „Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam einen schönen Geburtstag mit viel Musik feiern.“ Die Musik begleitet Georg Kurschus schon lange: Als Student sang er in Universitätschören, später in der Kantorei Siegen. „Zu besonderen Festen haben wir in der Familie früher oft vierstimmig gesungen“, erinnert er sich. „Das würde ich mir auch für die Zukunft wünschen.“ Bedeutend sind für Georg Kurschus aber nicht nur seine Wünsche. Oft denkt er auch über das nach, was sein Leben im Augenblick schön macht: „Ich habe ein Haus, nette Kinder, viele Freunde, eine Aufgabe in der Gemeinde und ich kann noch Autofahren“, freut er sich. Darüber hinaus würden sich jeden Tag die „netten Mitarbeiter“ der Diakonie-Station Freudenberg um ihn kümmern.

Und das gilt nicht nur für Georg Kurschus. Auch Jürgen Klein (Name von der Redaktion geändert) wird zurzeit von Mitarbeitern der Diakonie betreut. Der 78-Jährige ist Patient in der Akut-Geriatrie des Ev. Krankenhauses Kredenbach und hat für das kommende Jahr viele Wünsche. Einer davon liegt ihm ganz besonders am Herzen: „Ich wünsche mir, dass ich nach der Behandlung in der Geriatrie wieder an mein altes Leben anknüpfen kann.

“ Dies bedeutet für Jürgen Klein, zurück in sein eigenes Haus kehren zu können, selbstständig und unabhängig zu leben. „Mein Wunsch ist, im nächsten Jahr wieder Schnee zu schieben und im Sommer den Rasen zu mähen“, erzählt er. Diese Tätigkeiten würde man wohl eher bei einem Mann vermuten, der halb so alt ist wie Jürgen Klein. Für den Rentner spielen seine 78 Jahre aber keine Rolle. Im Gegenteil: Er hat seinen Vorsatz für 2013 fest vor Augen und kaufte bereits vor seinem Krankenhausaufenthalt eine neue Schneefräse und einen Rasenmäher. Für das kommende Jahr wünscht sich Jürgen Klein jedoch nicht nur, im Garten wieder aktiv werden zu können: „Ich wünsche mir auch, dass ich bald wieder an meinem Computer arbeiten kann.“ Computer seien seine große Leidenschaft.

Mit 78 Jahren hat Jürgen Klein sogar eine eigene Homepage, auf der er von seinen Reisen berichtet. Griechenland, Spanien oder Island besuchen zu können – auch das war ein lang gehegter Wunsch, den Jürgen Klein vor einigen Jahren in die Tat umsetzte. Zufrieden blickt er nun auf sein Leben zurück: „Ich bin froh, dass ich mir viele meiner Wünsche erfüllen konnte und einiges von der Welt gesehen habe.“ Wie Jürgen Klein, Maria Beyer, Sigrid Käuser und Georg Kurschus haben wahrscheinlich auch viele andere Senioren noch Wünsche und Vorsätze für das kommende Jahr.

Die Erfahrung der Berichterstatterin zeigt: Man muss sich nur die Zeit nehmen, sie einmal danach zu fragen. Viele Senioren sind dankbar, dass sie auch ihn hohem Alter noch nach ihren Wünschen gefragt werden. Denn eines unterscheidet die älteren Bewohner des Siegerlandes ganz klar von der jüngeren Generation: Ihre Lebenserfahrung macht sie bescheiden. Deshalb bekommen gerade alltägliche Dinge im Alter eine ganz besondere Bedeutung und werden zu Wünschen für das Jahr 2013.

Um sich etwas zu wünschen, ist man nie zu alt: Im Diakonie-Seniorenheim Haus Höhwäldchen in Wilnsdorf hängen Maria Beyer (93 Jahre) und Erna Hubrich (91 Jahre) ihre Wünsche für das kommende Jahr an einen Wunschbaum.

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