Gleicher Lohn für gleiche Arbeit: „Gute und faire Bedingungen für Leiharbeitnehmer sind möglich“

wS/oo Siegen – Der Personaldienstleister QuatroTransFair GmbH aus Siegen und die Gewerkschaft IG Metall haben sich auf den Abschluss eines neuen Tarifvertrag mit Vorbildcharakter für Leiharbeitnehmer verständigt. Dies hat Paul Breuer, Landrat des Kreises Siegen-Wittgenstein und Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der QuatroTransFair, jetzt gemeinsam mit Geschäftsführer Arno Wied, Hartwig Durt, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Siegen, und Dr. Torsten Doublet, stellv. Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes VdSM, im Rahmen eines Pressegesprächs bekanntgegeben.

„Die Entgeltregelungen des neuen Tarifvertrags, der unter Einbindung des Arbeitgeberverbandes der Siegerländer Metallindustriellen e.V. (VdSM) entwickelt wurde, sehen grundsätzlich eine sogenannte ‚Equal-Pay-Regelung‘ vor“, erläutert Breuer, entsprechend der gewerkschaftlichen Forderung „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Sie lassen nur dann Gehaltsminderungen zu, wenn eine dauerhafte Übernahme in ein normales Beschäftigungsverhältnis beim Entleihbetrieb angestrebt wird oder wenn zunächst eine längere Einarbeitungsphase erforderlich ist.

Diese Regelungen sind für die IG Metall im ansonsten umstrittenen Feld der Leiharbeit akzeptabel, macht Hartwig Durt deutlich: „Wir haben Verständnis dafür, dass Unternehmen vorübergehende personelle Engpässe mit Leiharbeitnehmern bewältigen. Die müssen dann aber zu fairen Konditionen beschäftigt werden und dürfen nicht als Arbeitnehmer 2. Klasse behandelt werden“, so Durt: „Was wir als IG Metall entschieden ablehnen, das ist die Verlagerung von Dauerarbeitsplätzen in Leiharbeit oder tarifungebundene Betriebe, weil damit unsoziale und prekäre Beschäftigung gefördert wird.“

Dr. Torsten Doublet, stellv. Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes VdSM, sieht in dem neuen Vertragswerk einen gelungenen Beitrag, um das Miteinander von Unternehmen und Betriebsräten zum schwierigen Thema Leiharbeit zu fördern. „Für Unternehmen in der Region ist es wichtig, zu wirtschaftlich vertretbaren Bedingungen externe Arbeitskräfte beschäftigen zu können. Oftmals werden Leiharbeitnehmer aber auch in feste Beschäftigung übernommen. Ein Tarifvertrag, wie der von QuatroTransFair, der diesen Prozess fördert und die Integration von Neu- oder Wiedereinsteigern erleichtert, hat deswegen auch für uns Vorbildcharakter.“

Auch aus Sicht des Kreises und der Städte und Gemeinden als Sozialleistungsträger hebt Landrat Paul Breuer den integrativen Charakter des neuen Tarifvertrages hervor. „Hiermit sind auch positive Effekte für Langzeitarbeitslose oder Berufsrückkehrer, z.B. nach Erziehungszeiten, verbunden. Das ist auch unter dem Gesichtspunkt des demographischen Wandels und der damit einhergehenden, teilweise schon spürbaren geringeren Verfügbarkeit von Arbeitskräften von Bedeutung.“ Für Breuer ist zudem wichtig, dass sich am Beispiel QuatroTransFair wieder die besondere Fähigkeit der Region Siegen-Wittgenstein zeigt, in Fragen der Arbeitsmarktpolitik gemeinsam an einem Strang zu ziehen und Lösungen zu entwickeln, die Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichermaßen helfen.

QuatroTransFair – im Schwerpunkt als Träger von Maßnahmen des Beschäftigtentransfers in der Region bekannt und etabliert – beschäftigte zurzeit rd. 65 Personen als Leiharbeitnehmer in Siegerländer und Wittgensteiner Unternehmen. Dies sind – auch wenn es keine aktuellen verlässlichen Zahlen gibt – weniger als 10 % der in der Region als Leiharbeitnehmer beschäftigten Frauen und Männer.

„Viele andere Leiharbeiter sind unter weit schlechteren Rahmenbedingungen und zu Dumping-Löhnen beschäftigt“, weiß Hartwig Durt. Viele der Verleihunternehmen in der Region nähmen es z.B. in Fragen der Gehaltsabrechnung, der Gewährung von vereinbarten Zulagen, der pünktlichen Auszahlung der Löhne oder in Fragen der Arbeitssicherheit nicht so genau. „Solche Praktiken sind auf das Schärfste zu verurteilen“, sagt Durt und appellierte an die Unternehmen in der Region, bevorzugt mit den wenigen Verleihern zusammen zu arbeiten, mit denen die IG Metall – wie mit QuatroTransFair – eigene tarifliche Regelungen vereinbart hat.

 

Haben heute in Anwesenheit von Landrat Paul Breuer (hinten) eine neuen Haustarifvertrag für die Überlassung von Arbeitnehmern durch QuatroTransFair unterzeichnet (v.l.): Hartwig Durt (IG Metall), Arno Wied (Geschäftsführer QuatroTransFair) und Dr. Torsten Doublet (stv. Geschäftsführer VdSM).

 
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