Netphen: Verkehrstauglichkeitsprüfung für ältere Personen

(wS/red) Netphen 28.08.2019 | Mit fast 85 Jahre noch Neues lernen – Verkehrstauglichkeit ist keine Frage des Alters

Qualmende Reifen, quietschende Bremsen- wer beim Stichwort „Fahrsicherheitstraining“ an solche Schlagworte denkt, der war seit Einführung des Antiblockiersystems (ABS) noch nicht bei einem solchen anwesend. Durchaus flott gefahren wird zwar schon, aber wer in einem modernen Auto die Bremse mit voller Kraft durchtritt, der wird außer eventuellem Rattern nichts hören, weil besagtes ABS ja eben verhindert, dass der Reifen blockiert und daher auch kein Gummi quietschend auf Asphalt zerrieben wird.

Die Senioren-Service-Stelle der Stadt Netphen lud jüngst Seniorinnen und Senioren zum Fahrsicherheitstraining ein. 25 Teilnehmer, überwiegend aus Netphen, verbringen diesen Tag im ADAC-Verkehrssicherheitszentrum auf der Griesemert bei Olpe. 59 die jüngste Teilnehmerin und fast 85 Jahre der älteste Teilnehmer. Einige von ihnen blicken, wie die Autschbachs, auf fünf Jahrzehnte Fahrpraxis zurück. „Ich will die Fehler ausmerzen, die sich mit den Jahren und aus Gewohnheit eingeschlichen haben“, äußert der Dreis-Tiefenbacher Artur Rohleder. So hatten Henning Brombach und Josef Coroly, Instruktoren des Olper Automobilclubs, den Lernwilligen viel Neues zu erzählen.

Die Gleitfläche auf dem Trainingsgelände ist so glatt wie eine festgefahrene Schneedecke. Hier übten die Teilnehmer das Ausweichen vor Hindernissen, die durch Pylone und Wasserfontänen simuliert wurden. Fotos: Stadt Netphen

Das fing beim richtigen Gurtanlegen an, ging über die korrekte Sitzeinstellung bis zum Anpassen des in modernen Autos meist höhenverstellbaren Lenkrads – all diese Dinge, die viele entweder verlernt hatten oder die ihnen nie detailliert gezeigt worden waren.

Eva Vitt von der Senioren-Service-Stelle der Stadt Netphen hat sich den Erhalt der Fahrsicherheit bei älteren Menschen auf die Fahne geschrieben. „Jeder Mensch hat ein Recht auf Mobilität. Man bekommt diese allerdings nicht geschenkt. Im Alter muss man etwas dafür tun“. Bereits zum vierten Mal organisierte sie ein solches Fahrsicherheitstraining. Die insgesamt dreiteilige Veranstaltungsreihe zu „Mobil und sicher Autofahren im Alter“ beinhaltet einen Erste-Hilfe-Kurs sowie einen theoretischer Kurs, bei dem ein Fahrlehrer und ein Referent der Verkehrswacht Siegerland-Wittgenstein über Neuerungen in Sachen Straßenverkehrsordnung, Fahrassistenzsysteme und Veränderungen im Alter referierten. Und nun war die Praxis an der Reihe. „Die Veranstaltung ist ausgebucht, das zeigt mir, dass die Senioren das Thema ernst nehmen.“

Und so üben die älteren Fahrerinnen und Fahrer in zwei Gruppen den Umgang mit ihrem Fahrzeug in ungewohnten Situationen. Der Übungsplatz bietet etwa die Möglichkeit, durch Wasserfontänen plötzlich auftauchende, aber bei einer Kollision folgenlos bleibende Hindernisse zu demonstrieren, das Ausbrechen der Hinterräder durch einen Reifenplatzer zu demonstrieren oder mit einer Fahrzeugseite auf trockener, mit anderer auf nasser Fahrbahn zu bremsen.

Die Gleitfläche auf dem Trainingsgelände ist so glatt wie eine festgefahrene Schneedecke. Hier übten die Teilnehmer das Ausweichen vor Hindernissen, die durch Pylone und Wasserfontänen simuliert wurden. Fotos: Stadt Netphen

„Ich will mehr Sicherheit haben, wenn ein Auto ins Schleudern kommt“ – so hat der Eckmannshäuser Wolfgang Boldt seine Beweggründe zur Teilnahme an dem Training beschrieben. Und Joachim Pohler aus Netphen findet: „Wenn ich nur ein einziges Mal in eine solche Situation komme, die ich heute üben konnte, hat sich die Teilnahme gelohnt.“
Eva Vitt resümiert am Ende der erfolgreichen Veranstaltung: „ Wenn ältere Autofahrerinnen und Autofahrer heute gelernt haben in problematischen Situationen richtig zu handeln und die Technik ihres Autos richtig einzusetzen, werden sie Mut und Sicherheit bekommen haben, länger sicher mobil zu bleiben.

verantwortlich: Eva Vitt – Senioren-Service-Stelle
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