Fachleute informierten sich: Gewässerqualität in Siegen-Wittgenstein

wS/ksw   Siegen – Wittgenstein   –  Wie steht es um die Bäche und Flüsse in Siegen-Wittgenstein? Was wurde in den letzten Jahren unternommen, um die ökologische Qualität der heimischen Gewässer zu verbessern? Wo gibt es dafür ganz besonders gelungene Beispiele? Was muss in den nächsten Jahren getan werden, um die heimischen Gewässer als Lebensräume für Pflanzen, Tiere und Menschen weiter zu optimieren? Um all diese Fragen ging es jetzt bei einer Fachtagung im Waldinformationszentrum Hohenroth. Dabei standen die Ederquelle und ihr Einzugsgebiet ganz besonders im Blickpunkt der Teilnehmer.

Eingeladen hatten die Biologische Station Siegen-Wittgenstein, das Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein, die Untere Wasserbehörde des Kreises Siegen-Wittgenstein sowie die Natur- und Umweltschutz-Akademie NRW (NUA). Waldbesitzer, Forstbeamte sowie Mitarbeiter von Planungsbüros, Umweltämtern und Gemeinden nahmen an der Fachtagung teil.

In der überaus niederschlags- und waldreichen Mittelgebirgslandschaft des Rothaargebirges haben Quellen als Teil der Gewässerlandschaft eine herausragende Bedeutung. So sind z.B. Sieg-, Lahn- und Ederquelle nicht nur mystische Orte oder Anziehungspunkte für Wanderer am Rothaarsteig, sondern werden auch zur Trinkwassergewinnung genutzt oder durch Verbauung, Entwässerung, Verrohrung oder Fichtenaufforstungen beeinträchtigt. Kommunen und Wasserverbände sind nun dabei, Fahrpläne für die ökologische Aufwertung ihrer Gewässer aufzustellen. Das Thema betrifft daher auch viele Grund- und Waldeigentümer.

Dr. Gerhard Laukötter (NUA) erläuterte die Bedeutung des Artenreichtums und der Naturnähe für die ökologische Leistungsfähigkeit eines Gewässers bzw. den organischen Stoffabbau, den ein Gewässer erbringen kann. Ulrich Krumm von der Unteren Wasserbehörde zeigte im Überblick und an ausgewählten Beispielen Aufwertungsmaßnahmen aus den Gewässereinzugsgebieten von Sieg, Lahn und Eder, die mit Fördermitteln verwirklicht werden konnten. Er informierte über Maßnahmen, die zur Absicherung der bereits guten Gewässerzustände in den Gewässeroberläufen noch erforderlich sind und stellte dazu erste Planungsideen für die strukturelle Verbesserung der Quellgebiete von Sieg, Lahn und Ferndorf vor.

Peter Fasel von der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein erläuterte Untersuchungen über den Viehtritt an Oberläufen sowie über die Säureeinträge in Gewässer. Ulrich Banken (BUND) gab Einblicke in die Untersuchung von 160 Quellen auf dem Gebiet der Stadt Siegen, die er zum Teil mit Schülern eines Siegener Gymnasiums angefertigt hat und die in ein Quellenkataster für Siegen eingeflossen sind.

Praktische Beispiele alternativer Gewässerdurchlässe unter Waldwegen waren Schwerpunkt eines Referates von Alfred Büdenbender, Revierförster im Regionalforstamt und Mitarbeiter in der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). Anschließend stellte Forstdirektor Diethard Altrogge in seinem Vortrag Maßnahmen zu Quell- und Gewässerrenaturierung, sowie Bepflanzungen an Fließgewässern vor, die im Staatswald bereits Ende der 80er Jahre erfolgreich durchgeführt wurden.

Am Nachmittag führten Altrogge und die Revierförster Matthias Mennekes und Oliver Schmitt die Tagungsteilnehmer ins obere Edertal, das Bestandteil eines großflächigen europäischen FFH-Gebietes ist. Praktische Maßnahmen aus 20 Jahren Wald- und Gewässerentwicklung konnten hier an der oberen Eder anschaulich vorgestellt und diskutiert werden. So wurden etwa die Ederquelle und der Birkenbruchwald darunter als „best-practise“-Beispiel bewertet.

Typisch für die obere Eder sind weiterhin die vielen Quellmoore in den Talauen, die zumindest im Staatsforst oder unterhalb durch die Untere Landschaftsbehörde von Fichten freigestellt und vielfach der natürlichen Entwicklung zugeführt werden. Entstanden sind heute bereits bedeutsame Lebensräume EU-weit geschützter Arten wie etwa der Koppe oder des Bachneunauges, sowie in Mooren das Purpur-Reitgras oder Quelljungfer und Kleine Moosjungfer in Moortümpeln. Auch ausgelöst durch Windwürfe wie Wiebke oder Kyrill haben sich ganz ohne Pflanzung auf reinen Moor- und Gleyböden der Karpatenbirken-Moorwald mit eingestreuten Fichten eingestellt. Weiter unterhalb entwickelten sich gewässerbegleitend Eisenhut-Hochstaudenfluren und erste birkenreiche Bach-Erlen-Eschenwälder.

2009 hat das Land NRW mit „Lebendige Gewässer“ ein langfristiges Programm für die ökologische Entwicklung von Bächen, Flüssen und Seen beschlossen. Es dient in erster Linie zur Umsetzung der ambitionierten Ziele der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie. Diese regelt erstmals und verbindlich in allen EU-Mitgliedsstaaten Mindestvoraussetzungen für die Erreichung von guten Gewässerzuständen. Sie bezieht sich auf Flußeinzugsgebiete, Gewässertypen, Schadstoffgruppen und auf eine Verbesserung des Zustandes.

Die Veranstaltung konnte in den Vorträgen wie auch bei der anschließenden Gewässerschau mehrere gelungene Gewässerentwicklungen im Bereich von Quellen und Gewässeroberläufen an der Eder vorstellen. Viele Maßnahmen erfolgten im Staatsforst Hilchenbach oder im Zuständigkeitsbereich des Regionalforstamtes Siegen-Wittgenstein bzw. durch die Untere Landschafts- und Wasserbehörde des Kreises.

Bildunterschrift:  Austausch und Exkursion: Fachleute beschäftigten sich in Hohenroth mit der Gewässerqualität in Siegen-Wittgenstein.

 

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