Vernissage zur Kunstausstellung „Inklusiv – exklusiv – kreativ“

wS/ksw  –  Siegen-Wittgenstein  –  27.08.2012  –  Zum ersten Mal auch getöpferte Kunstwerke des jungen Künstlers Sascha mit dabei  –  Sascha ist ein wahrer Autofan: Wenn er lebhaft von den verschiedenen Fahrzeugtypen erzählt, leuchten seine Augen. Beim Erzählen beweist er auch ein großes technisches Verständnis. Besonders begeistert ist er von den großen Lkws, die Australiens Weiten durchfahren. Am Computer durchfährt der 19-Jährige mit diesen riesigen Trucks das Outback des fünften Kontinents oder rast mit Rennautos um die Wette, immer auf der Jagd nach neuen Rekorden. Doch das alles ist ihm nicht genug. Vor einigen Jahren hat er den Ton für sich entdeckt. Inzwischen hat er schon sechs oder sieben große Kunstwerke geschaffen und es werden immer mehr. Sogar auf Bestellung und nur nach Fotos entstehen die tönernen Gefährte. Glasiert und gebrannt begeistern sie jeden, der sie sieht. Wer sich selbst einen Eindruck über das Können von Sascha verschaffen möchte, ist bei der Kunstausstellung „Inklusiv – exklusiv – kreativ“, die vom 3. bis 30. September im KrönchenCenter in Siegen zu sehen ist, genau richtig. Bei der Vernissage am Montag, 3. September, um 15:00 Uhr, sind einige der ausstellenden Künstler anwesend, unter ihnen auch Sascha. Der Eintritt ist frei, jeder Interessierte ist herzlich eingeladen. Die Ausstellung ist dann bis Sonntag, 30. September, im KrönchenCenter zu besichtigen (Montag bis Freitag von 8:00 bis 22:0 Uhr und samstags von 9:00 bis 18:00 Uhr).

Aber nicht nur die Autos, Schiffe und Lkws aus Ton sind erstaunlich. Auch Sascha selbst ist ein beeindruckender junger Mann. Er ist 19 Jahre alt, lebt seit einiger Zeit in der Kinderinsel der DRK-Kinderklinik in Siegen, sitzt im Rollstuhl und wird dauerbeatmet. Die Kinderinsel ist eine spezielle Intensivstation mit Wohncharakter mit 12 Intensivplätzen für dauerbeatmete Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in der DRK-Kinderklinik Siegen. Durch seine Erkrankung hat Sascha mit seinen Händen nur etwa eine Reichweite von 30 cm. Daher schafft er seine Kunstwerke aus Ton mit Hilfe von Kunstpädagogin Jutta Willwacher, die er schelmisch „meine dritte Hand“ nennt. Wenn schwierige Arbeiten anstehen, die er nicht selbst übernehmen kann, „bin ich der Ausführer“, lacht Jutta Willwacher. „So zum Beispiel das Auswalzen von Platten, verschiedene Vorbereitungen und natürlich das abschließende Brennen der Tonwerke. Sascha sagt mir dann ganz genau, was er möchte und ich mache das.“

Man spürt, dass die beiden sich mögen und schätzen. Seit einigen Jahren schon arbeiten Sascha und Jutta Willwacher gemeinsam im Werkraum der Tagesklinik – pro Woche etwa 3,5 Stunden. Bis eines der Tonkunstwerke fertig ist, dauert es schon mal vier bis sechs Monate. Jutta Willwacher berichtet von den Besonderheiten, die nötig sind, wenn man so lange an einem Werkstück arbeitet: „Ganz wichtig ist es für uns, dass der Tonrohling feucht gehalten wird, damit man noch einzelne Details aufsetzen kann. Ich habe jetzt ganz günstig eine alte Tupperware-Dose bekommen, die auch einen Einsatz hat, sodass man das Werkstück gut raus und rein bekommt. Wir sind schon ganz gespannt, wie es damit klappt!“ Sascha ist zuversichtlich. Das ist er eigentlich fast immer. „Er probiert Sachen aus, die ich als Töpferin und erfahrene Kunstpädagogin nie versuchen würde. Ich denke oft, dass das nicht klappt und dann bekommt Sascha es doch hin! Das begeistert mich immer wieder aufs Neue.“

Weil Sascha auch ganz filigrane Details einarbeiten möchte, arbeitet er am liebsten mit einem Skalpell. Stolz berichtet er, dass er der Einzige ist, der hier im Werkraum mit dem scharfen Messerchen arbeiten darf. Ursprünglich wollte Sascha hier malen, aber dann entdeckte er den Ton für sich. Angefangen hat alles mit einem kleinen Tellerchen, dann aber kam er auch die Idee, dass man aus dem Ton nicht nur Teller, Tassen und Schalen, sondern auch Autos und andere Fahrzeuge modellieren könnte. Sein erstes großes Werk war ein Segelschiff, das 30 cm lang und 34 hoch war. Die komplette Konstruktion mit allen Zwischenwänden, kleinen Stützbalken und den vielen liebevollen Details hat er sich selbst ausgedacht. Wenn eine Planung zu kompliziert wird, als dass sie sofort mit Ton umgesetzt werden kann, dann kommen auch Hilfsmittel wie Skizzen und Brücken aus Papier zum Einsatz. Diese werden dann auf den Ton gelegt und umrandet, sodass er die passende Form erhält und von Sascha weiter verbaut werden kann. Auf diese Weise entstanden auch ein Volvo-LKW aus dem Jahr 1930, dessen Vorderachse über bewegliche Räder verfügt, eine Lok, ein VW-Bulli, ein Trabi und ein Jeep, dessen Motorhaube aufgeklappt werden kann. Dass die Fahrzeuge detailgetreu nachgebaut werden, ist für Sascha eine Selbstverständlichkeit. Seit er anlässlich seines Geburtstages eine kleine Ausstellung seiner Werke in der Kinderinsel hatte, fertigt Sascha auch Autos und vieles mehr auf Bestellung. Die Ausstellung begeisterte die Besucher und auch das Personal dermaßen, dass viele eines der Tonkunstwerke von Sascha ihr Eigen nennen möchten. So ist zum Beispiel der VW-Bulli als Auftragswerk entstanden. Und ein großer australischer LKW mit Zugmaschine und zwei Anhängern mit einer Gesamtlänge von über einem Meter ist heute ein wunderschöner Blumentopf auf dem heimischen Fensterbrett einer Mitarbeiterin der Kinderklinik. Dass es bis zu einem halben Jahr dauern kann, bis die Werke fertig sind und bestaunt werden können, stört dabei keinen. Das aktuelle Werk ist ein BMW, der unter Saschas Händen langsam an Form gewinnt. Schon im Rohzustand und ohne Dach ist das kleine Kunstwerk aus Ton wunderschön und lässt den BMW erkennen. Sascha arbeitet konzentriert weiter und freut sich schon auf die Vernissage am 3. September.

Die Kunstausstellung war zehn Jahre lang unter dem Titel „Gesund-krank / krank-Gesund“ bekannt. Menschen mit einer psychischen Erkrankung hatten diesen Titel geprägt, um damit aufzuzeigen, dass man als Gesunder krank werden, aber als Kranker auch wieder gesund werden kann. In den letzten Jahren haben zunehmend Menschen mit und ohne Behinderung auch den Wunsch geäußert, sich an dieser Ausstellung beteiligen zu können. Diesem Wunsch hat der Veranstalter, das Bündnis gegen Depression Olpe-Siegen-Wittgenstein gerne entsprochen, denn dies ist für die Ausstellung eine große Bereicherung. Allerdings erforderte diese Erweiterung auch eine Änderung des Titels, sodass die Ausstellung nun „Kunstausstellung Inklusiv – exklusiv – kreativ“ heißt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, sich die Ausstellung anzusehen. Auch in diesem Jahr bietet die Ausstellung wieder viele Besonderheiten.

Die Eröffnung der Ausstellung ist gleichzeitig auch der Start einer Veranstaltungsreihe des Bündnisses gegen Depression Olpe-Siegen-Wittgenstein. Weitere Infos zur Veranstaltungsreihe finden Interessierte auf der Homepage des Kreises Siegen-Wittgenstein unter www.siegen-wittgenstein.de (Aktuelles), auf der Homepage des Bündnisses gegen Depression unter www.osw-gegen-depression.de oder bei Bärbel Müller-Späth, Telefon 0271 333-2808.

Bildunterzeilen:

VW Bulli: Den VW Bulli fertigte Sascha als Auftragswerk.

Jeep und Jeep offen: Beim Jeep aus Ton kann man sogar die Motorhaube öffnen.

Sascha: Sascha arbeitet am liebsten mit dem Skalpell, um auch kleine Details originalgetreu nacharbeiten zu können.

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