Gefahr: Zwillingseiche muss gefällt werden

wS/wi  – Wilnsdorf – Erneut steht Martin Jünger unter der Eiche. Der Ingenieur ist im Wilnsdorfer Rathaus im Fachbereich Umwelt und Bauen tätig, und der hoch gewachsene Baum am Rande eines Wilnsdorfer Grundstückes gehört zu seinen grünen Sorgenkindern. Denn der auf den ersten Blick recht stattliche Kamerad ist in Wirklichkeit schwach auf der Brust.

Im Stamm bilden sich oft Wassertaschen

Als Nachbarn vor einiger Zeit meldeten, dass die Eiche im letzten schweren Sturm zwei starke Äste verloren hatte, stattete Martin Jünger dem Baum seinen ersten Besuch ab. „Damals wollte ich kontrollieren, ob von dem Baum eine Gefahr für die Verkehrssicherheit ausgeht“, erklärt der Ingenieur. Vor Ort erlebte er dann eine kleine Überraschung: Die Eiche erwies sich als sogenannter Zwillingsbaum, bei dem zwei Stämme aus einer gemeinsamen Wurzel wachsen. „Leider sind solche Zwiesel stärker bruch- und umsturzgefährdet als normal wachsende Bäume“, weiß Jünger, „die Verbindungsstelle der beiden Stämme ist nicht so stabil wie ein unverzweigter Stamm“. Außerdem bilden sich im Bereich der Zwillingsstellen oft Wassertaschen. Steht in ihnen dauerhaft Regenwasser, kann das den Baum bis ins Innere hinein faulen lassen.

Die Sicherheit geht vor „Wehmut“

Weil dieses Gefahrenpotential der Zwiesel bekannt ist, werden diese Bäume stets näher in Augenschein genommen. Über die Substanz der Zwillingseiche verschaffte sich der erfahrene Ingenieur einen ersten Eindruck, indem er den Stamm abklopfte. „Der Klang bot Anhaltspunkte dafür, dass der Stamm tatsächlich schon in nicht unerheblichem Umfang von innerer Fäule befallen war“, erinnert sich Martin Jünger. Weil die Eiche äußerlich aber einen noch recht vitalen Eindruck machte, veranlasste er eine Resistographenuntersuchung. Bei diesem Verfahren wird an mehreren Stellen ein dünner Bohrer in den Baum getrieben, um anhand des protokollierten Eindringwiderstands die Reststammdicke des Baumes zu messen.

Inwieweit die Fäule schon die Statik des Baumes beeinflusst, ist ausschlaggebend dafür, ob ein Baum noch gesichert werden kann oder ob er gefällt werden muss. Fachbereichsleiter Martin Klöckner erklärt: „Wir prüfen sehr sorgfältig, ob nach Abwägung aller Belange ein Baum oder Gehölz wirklich beseitigt werden sollte oder ob, gegebenenfalls nach Rückschnitt oder Sicherungsmaßnahmen, ein Erhalt möglich und auch verhältnismäßig ist“. Der Entscheidung gingen oft mehrere Untersuchungsschritte, Ortsbesichtigungen und Gespräche voraus, ergänzt Klöckner.

Unternehmen wird dem Baum zu Leibe rücken

Doch im Fall der Wilnsdorfer Zwillingseiche ermittelte der Resistograph eine so geringe Reststammdicke, dass gehandelt werden muss. „Weil einer der Stämme jederzeit und ohne Vorwarnung umstürzen könnte, müssen wir den Baum fällen“, sagt Martin Jünger. Eine ebenfalls erwogene Kronensicherung wäre hier nicht mehr sinnvoll. Und so wird in Kürze ein Unternehmer an- und dem Baum zu Leibe rücken, um die von ihm ausgehende Gefahr zu bannen. „Wir leben zwar in einer waldreichen Region, aber es ist trotzdem schade, wenn Bäume im öffentlichen Raum nicht erhalten werden können“, sagt Martin Jünger etwas wehmütig.

Zwillingseiche1

Bauingenieur Martin Jünger nahm die Zwillingseiche sorgfältig in Augenschein. Sein Votum und das eines Sachverständigen fallen deutlich aus: Von dem instabilen Baum geht Gefahr aus. Foto: Gemeinde Wilnsdorf.

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