Siegens ungeliebter Film: Die Stadt in den 60ern

wS/red – Siegen – Knapp ein halbes Jahrhundert galt er als verschollen. Siegens unbequemster Film mit dem Titel „Siegen – Notizen zu einer Stadt“. Am 17. Juni 1966 erstmals im WDR Fernsehen ausgestrahlt löste er seinerzeit eine Welle der Empörung bei Lokalpolitik und Bevölkerung aus und verschwand für viele Jahrzehnte in den Tiefen des WDR Filmarchivs. Die in Siegen ansässige Industriefilmproduktion mundus.tv hat sich in den vergangen Jahren für den Erhalt wertvoller historischer Filmproduktionen aus der Region eingesetzt. So wurden seit 2005 bereits die bekannten Produktionen wie „Der Eisenwald“, „Der Siegerländer Hauberg“ sowie „Siegen 1924“ und einige Produktionen mehr aufwendig restauriert und für die Nachwelt erhalten.

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„Es ist uns gelungen den seit einem halben Jahrhundert verschollenen kulturhistorisch wertvollen Film ausfindig zu machen. Nach einer umfangreichen Rechteklärung und Restauration können wir den einmaligen Film nun der Bevölkerung auf DVD zugänglich machen“, so Alexander Fischbach – Inhaber von mundus.tv.

„Siegen – Notizen zu einer Stadt“ entstand im Jahr 1966 als Fernsehessay. Regie führte der aus Siegen stammenden Journalist und Feuilletonisten Heinrich Vormweg. Hergestellt von der Cineropa Filmgesellschaft beschäftigt sich der zeitkritische Film unter anderem mit der Mentalität der Menschen im Siegerland, welche stark geprägt wurde von calvinistisch-pietistisch ausgelegter Religiosität.

In 45 Minuten schonungsloserer Offenheit hält der Film von Filmemacher Walter Krüttner bei seiner Erstausstrahlung im Jahr 1966 dem Siegerland und speziell der Stadt Siegen den Spiegel vor. Er geht der Frage nach, warum die Siegerländer so sind wie sie sind. Aber auch auf die infrastrukturellen Probleme der Region – die A45 gab es damals noch nicht – geht der Film ein. So blieb das Siegerland lange Zeit das abgelegene Land hinter den Bergen.

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Bei aller Kritik, die der Film aufgreift versöhnt er jedoch mit einmaligen und unwiederbringlichen Bewegtbildern der Stadt Siegen wie es Sie heute nicht mehr zu sehen gibt. Die Stadt in den 60ern. Das noch geschäftiges Treiben in der Oberstadt. Mit dem Auto durch die Kölner Straße, vorbei am heutigen Karstadt-Gebäude. Sogar Busse bahnten sich den Weg hinauf zum Kornmarkt. Und auch die Bahnhofstraße war für den Autoverkehr freigegeben. Hier war der Begriff Fußgängerzone noch lange nicht erfunden.

Der Blick über den Kornmarkt zeigt unter anderem die noch unverputzte Nikolaikirche mit ihrer ansehnlichen Bruchsteinfassade. Im Oberen Schloss war schon damals das Siegerlandmuseum untergebracht. Im Film erläutert der Siegener Heimatforscher Dr. Bernd Roedig im Stollen des Schaubergwerks unter dem Schloss die Geschichte der Eisenverhüttung im Siegerland, während Dr. Wilhelm Güthling auf die Mentalität der Menschen im Siegerland eingeht.

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Der Wochenmarkt spielte sich seinerzeit noch in der Poststraße ab und gibt den Blick frei auf ein beliebtes Vergnügen. Zu jener Zeit zog auch noch der „Feurige Elias“ – so nannten die Siegener die Kleinbahn der Siegener Kreisbahn – seine Runden. Sie beförderte insbesondere Güter die die Siegerländer Industrie aus Ihren Werken hervorbrachte. So verwundert es nicht, dass der Film auch Impressionen zum Beispiel aus der Hainer Hütte und verschieden Gießereibetrieben zeigt. Die Siegplatte, welche 2013 abgerissen wurde, gab zur Entstehungszeit des Filmes noch nicht.

„Siegen – Notizen zu einer Stadt“ ist der wohl ehrlichste und aufschlussreichste Film über das Siegerland,die Stadt Siegen und seine Bevölkerung. Die DVD ist ab sofort im gut sortierten Buchhandel und unter der Bestelltelefonnummer 0271-6819606 erhältlich. (Fotos: Firma)

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