Mundartpflege muss im Kindergarten beginnen

Heimatbund Siegerland-Wittgenstein und DRK-Kreisverband schließen Dielfener-Modell-Vereinbarung

Foto: Heimatschutzbund

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Siegen (wS/pm) | „Sprache ist zum Sterben verurteilt, wenn es nicht mindestens zwei Kinder gibt, die sie miteinander sprechen können – und auch den Mut dazu haben.“ An diese Aussage von Prof. Dr. Heinrich Dingeldein von der Uni Marburg erinnerte jetzt Paul Breuer, der Vorsitzende des Heimatbundes Siegerland-Wittgenstein. Dingeldein hatte dies im Rahmen des Mundartforums des Heimatbundes im vergangenen Jahr gesagt.

Wenn Mundart erhalten werden solle, sei es also wichtig, Kinder zu erreichen. Das will der Heimatbund künftig ganz konkret fördern – z.B. im Kindergarten „Dielfer Mühlenkinder“ in Niederdielfen. Der Träger des Kindergartens, der DRK-Kreisverband, und der Heimatbund Siegerland-Wittgenstein haben jetzt eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet.
Ziel der Kooperation ist „eine verbesserte Zusammenarbeit zur Förderung von Mundart, Bewusstsein für die eigene Heimat und ihr Brauchtum und somit eine Verwurzelung zu schaffen, die Zugehörigkeit und Rückhalt gibt, und das Miteinander der Generationen zu beleben und zu fördern“, heißt es in dem Text.

Eine der Initiatorinnen der Kooperation ist Kindergartenleiterin Gaby Oster. Sie möchte der Mundart wieder mehr Raum und Bedeutung geben: „Wir sind ganz glücklich, dass unsere Kinder die Sprache der Region lernen können“. Ihr Beobachtung: „Die Kleinen lernen extrem schnell, freuen sich an der Sprachmelodie und gewinnen so ein besonderes Verständnis zu ihrer Heimat.“
„Wir sammeln jetzt ganz gezielt Siegerländer und Wittgensteiner Kinderreime und Verse, die leicht erlernbar sind und an die sich Jungen und Mädchen gerne erinnern“, erläuterte Dirk Niesel, der den Arbeitskreis „Mundart und Brauchtum“ des Heimatbundes leitet. Mit solchen Reimen sei es möglich, die regionale Sprache kindgerecht am Leben zu erhalten.
Dirk Niesel selbst war als Schüler und Gewinner des Mundartwettbewerbs zu seiner Liebe, zum „platt schwätzen“, gekommen. Die Vereinbarung sei ein Modell und er hoffe auf viele Nachahmer. „Bombardieren Sie uns mit vielen guten Ideen“, ermunterte er. Der Heimatbund werde alles dafür tun, dass dieses gute Beispiel weite Kreise ziehe.

Auf die drängende Aufgabe, sich gerade um das „Siegerländer Platt“ zu kümmern, wies Kreisheimatpfleger Dieter Tröps hin: „Wir befinden uns mit unserem mosel-fränkischen Dialekt in einer Insellage“. Diese typische Mundart werde anders als das „Niederdeutsche“ nur im Altkreis Siegen gesprochen. Es gebe also quasi keine Nachbarn, bei denen Teile der Sprache weitergelebt werden könne. „Wenn wir aufhören, unser Platt hier zu pflegen und zu sprechen, dann wird dieses Sprachbild von der Bildfläche verschwinden“. Umso wichtiger sei es, junge Menschen für die ausdrucksstarke und ausdrucksreiche Mundart zu begeistern. „Wer zugleich platt und hochdeutsch sprechen kann, ist geistig einfach fitter.“

Die Vereinbarung zwischen Heimatbund und „Dielfer Mühlenkindern“ bezieht ganz konkret auch die örtlichen Heimatvereine mit ein. Für diese waren Ulrike Sauer (Niederdielfen) und Dagmar Schulzki (Oberdielfen) bei der Vertragsunterzeichnung anwesend. Beide verwiesen auch ein wenig mit Stolz darauf, dass die Zusammenarbeit zwischen den Vereinen immer besser funktioniert.
Und auch die örtlichen Kindergärten werden noch enger zusammenrücken. Am 5. September 2015 wird das „Familienzentrum Galileo“ entstehen, aus der Oberdielfener „Rappelkiste“ und den „Mühlenkindern“ aus Niederdielfen. „Auch in der neuen Formation als Familienzentrum werden wir die Mundart kindgerecht pflegen“, bestätigte die Oberdielfener Rappelkisten-Chefin Miriam Brombach-Vitt.

„Kinder und Familien brauchen heute mehr denn je ein Umfeld, in dem sie sich aufgenommen fühlen“, unterstrich auch Heide Heinecke-Henrich, die beim DRK-Kreisverband als KITA-Fachberaterin tätig ist, die positiven Effekt der Mundart-Kooperation.
Paul Breuer griff das Wort von Don Bosco auf: „Das erste Glück eines Kindes ist das Bewusstsein, geliebt zu werden“. Nur dadurch werde es auch in die Lage versetzt, Liebe weiter zu geben, auch an seine Umgebung, in der es lebe. Diese Emotionen seien gerade heute wichtig, wo so viele Menschen auf der Flucht, ohne Heimat und in Not seien. „Wer Heimatliebe gelernt und erlebt hat, wird niemals die verachten, die auch ihre Heimat lieben“. Gerade deshalb gelte „Heimat ist Zukunft“, so der Heimatbund-Vorsitzende.
Um der abgeschlossenen Vereinbarung auch einen besonderen symbolischen Wert zu geben, hatten alle Beteiligten mit Hilfe vieler Kindergartenkinder zuvor im Spielpark des Niederdielfener Kindergartens eine von Breuer gestiftete Eiche gepflanzt. „Wir hoffen, dass die Initiative starke Wurzeln bekommt und viele Früchte trägt“. Die Vereinbarung sei ein überregional wirkendes Modell und eine Pioniertat. „Ich danke allen, die hier in den Kindergärten so begeistert daran mitwirken“, so Paul Breuer.

 

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