Philharmonie Südwestfalen fordert Gleichbehandlung

Scharfe Kritik an geplanter Förderentscheidung der Landschaftsversammlung

(wS/si) Siegen 16.01.2016 | Alle Landesorchester im Bereich des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe müssen gleich behandelt werden. Es kann nicht sein, dass die Orchester in Herford und Recklinghausen künftig 100.000 Euro pro Jahr mehr bekommen sollen, die Philharmonie Südwestfalen aber nur rund ein Viertel dieser Summe“, macht Landrat Andreas Müller, zugleich 1. Vorsitzender des Trägervereins des heimischen philharmonischen Orchesters, deutlich.

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Müller kritisiert einen Vorstoß der kulturpolitischen Wortführer von SPD und CDU in der Landschaftsversammlung. Noch bevor der Landschaftsverband eine Vorlage für die künftige Förderung der Landesorchester vorgelegt hat, preschten Dieter Gebhard und Karl Dittmar vor und setzten einen Vorschlag durch, nach dem die Nordwestdeutsche Philharmonie (Herford) und die Neue Philharmonie Westfalen (Recklinghausen) künftig jeweils 100.000 Euro pro Jahr mehr bekommen sollen, die Philharmonie Südwestfalen aber nur 26.400 Euro. Bei ihrem Vorstoß umgingen Gebhard und Dittmar bewusst den Kulturausschuss der Landschaftsversammlung, der eigentlich das zuständige Gremium für die Behandlung solcher Fragen ist.

Der Landrat kritisiert dieses ungewöhnliche Verfahren und verweist darauf, dass bei der Erhöhung von Förderungen ähnlicher Institutionen immer das Gleichheitsprinzip galt. Auch Kreiskulturreferent Wolfgang Suttner kann die geplante Verteilung der Mittel aus inhaltlichen Gründen nicht nachvollziehen – sieht aber durchaus Interessen der handelnden Personen: Dieter Gebhard ist Stadtverordneter in Gelsenkirchen und Aufsichtsratsmitglied des Musiktheaters im Revier, dem Stammhaus der Neuen Philharmonie Westfalen. Karl Dittmar wiederum ist Mitglied im Vorstand der Nordwestdeutschen Philharmonie. Als Meinungsführer der beiden großen Fraktionen und Vorsitzender bzw. stv. Vorsitzender des Kulturausschusses wollen sie nun eine deutliche Besserstellung „ihrer“ Orchester gegenüber der Philharmonie Südwestfalen erreichen. „Plus 26,5 % für Herford und 28,8 % mehr für das Orchester in Recklinghausen – das hat einen äußerst üblen Beigeschmack!“, so Suttner.

Eigentlich ist unbestritten, dass alle drei Orchester durch die regelmäßigen Tariferhöhungen mehr Mittel brauchen. Der Zuschuss des Landschaftsverbandes war vor zwölf Jahren um 110.000 Euro reduziert worden. Seitdem hat keine Erhöhung mehr stattgefunden. Nach vielen Vorstößen durch den Trägerverein der Philharmonie Südwestfalen und der Kreistagsabgeordneten im Landschaftsverband kam zuletzt Bewegung in die Diskussion. Sollte die Philharmonie Südwestfalen jetzt bei der Erhöhung der Mittel gravierend benachteiligt werden, wäre das ein massiver Rückschlag für alle Bemühungen von Kreis und Mäzenin Barbara Lambrecht-Schadeberg, die Philharmonie Südwestfalen auf Dauer finanziell solide aufzustellen.

Für Kreiskulturreferent Wolfgang Suttner ist die Lage außerordentlich ernst: „Sollte die Finanzierung der Philharmonie Südwestfalen jetzt nicht ebenfalls um 100.000 Euro erhöht werden, droht dem Orchester in 2017 ein finanzielles Debakel“, macht Suttner deutlich. Der geschäftsführende Vorstand des Trägervereins ist in großer Sorge: „Wir wissen wirklich nicht, wie wir die Enden zusammenbekommen sollen und fürchten, dass wir mit Abschluss des Haushaltsjahres 2015 insolvent werden“.

Gerade vor diesem Hintergrund hat auch Landrat Andreas Müller kein Verständnis dafür, dass die beiden Großstadtorchester auf Kosten der Philharmonie Südwestfalen massiv besser gestellt werden sollen. Zumal der Landschaftsverband besonders die Arbeit im ländlichen Raum fördern solle.

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