Hubert Multhaup bringt Arbeitgeber und Flüchtlinge zusammen

(wS/nk) Neunkirchen 02.05.2016 | Viele Neunkirchener Bürgerinnen und Bürger kennen Hubert Multhaup noch aus seiner Zeit als Geschäftsführer der DRK-Stiftung Freier Grund. 17 Jahre lang war er im Salchendorfer Seniorenheim tätig und lenkte die Geschicke der Einrichtung. Nach den Vorfällen in der Erstaufnahmeeinrichtung in Burbach wurde Multhaup vom DRK von Oktober 2014 bis Februar 2016 als Leiter des Flüchtlingsheims eingesetzt. Und mit dem Thema Flüchtlinge ist der 67-Jährige nach wie vor betraut: Aktuell kümmert er sich darum, die Flüchtlinge, die in der Gemeinde Neunkirchen leben, in Lohn und Brot zu bringen bzw. in eine Hospitation zu vermitteln.

Eine ganze Reihe verschiedener Unternehmen haben Hubert Multhaup und Bürgermeister Bernhard Baumann bereits für ihr Projekt gewinnen können. Auch die beiden Syrer Haysam Al Dokhil und Tarek Alrman sollen in eine Arbeit vermittelt werden.  Foto: Gemeinde

Eine ganze Reihe verschiedener Unternehmen haben Hubert Multhaup und Bürgermeister Bernhard Baumann bereits für ihr Projekt gewinnen können. Auch die beiden Syrer Haysam Al Dokhil und Tarek Alrman sollen in eine Arbeit vermittelt werden. Foto: Gemeinde

„Um sich in eine Gesellschaft zu integrieren, hilft den Flüchtlingen natürlich der Erwerb der Landessprache, aber auch ein enger Kontakt mit den Menschen vor Ort. Insbesondere ein Arbeitsplatz und damit die Möglichkeit, die Familie selbst zu versorgen, ist eine wichtige Voraussetzung zur Integration“, so Multhaup.

Auch den Flüchtlingen, die aus Berufsfeldern stammen, die es in Deutschland in dieser Form nicht (mehr) gibt, möchte der Wahl-Westerwälder adäquate Angebote machen. Ein Schneider gehört beispielsweise zu den Arbeitsuchenden, die es zu vermitteln gilt. „Unterschiede gibt es auch, was die Qualifizierung angeht“, weiß Multhaup. So absolvieren Köche in Deutschland eine dreijährige Ausbildung. Daran gemessen würde man den „Koch“ aus dem Iran eher als Küchenhilfe bezeichnen. „Doch darauf lässt sich aufbauen.“
Um das Know-how und die damit verbundenen Vermittlungschancen der Flüchtlinge zu eruieren, hat Mulhaup einen Fragebogen entwickelt, in dem u. a. die Sprachkenntnisse, die Ausbildung und der Berufswunsch abgefragt werden. Die Unternehmen der Region waren zuvor von Bürgermeister Bernhard Baumann angeschrieben und um Unterstützung gebeten worden. Nun liegt es an Hubert Mulhaup, beide Parteien zusammenzubringen.

Stephanie Krömer, die Leiterin des Jobcenters Siegen-Wittgenstein, möchte das Neunkirchener Projekt aktiv unterstützen. Hilfe gibt es auch von Haysam al Doukhi. Der Syrer, der vor rund einem halben Jahr nach Deutschland kam ebnet, dank seiner guten Deutschkenntnisse, viele sprachliche Barrieren.
Die Idee, die guten Kontakte und Kenntnisse von Hubert Multhaup zu nutzen, kam seinerzeit von Bürgermeister Bernhard Baumann. „Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, die Flüchtlinge schnell in Arbeit zu bringen. Das hat insbesondere einen integrativen Aspekt, aber natürlich belasten die derzeit 273 Asylanten auch unseren Haushalt“, erklärt der Verwaltungschef.

„Der Wunsch der Flüchtlinge hier arbeiten zu wollen ist nicht das Problem, es ist vielmehr die Zeit, bis eine Arbeit aufgenommen werden kann“, so Baumann. „Nach dem dreimonatigen Beschäftigungsverbot, kommt die Vorrangprüfung als nächste Hürde“, informiert der Bürgermeister. Um die Zeit sinnvoll zu nutzen, hatte sich seine Kommune bereits an dem Flüchtlingsprojekt der Industrie- und Handelskammer beteiligt. Dort war den Flüchtlingen Grundlagen in der Metallverarbeitung vermittelt worden.

Damit der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert wird, lässt Hubert Multhaup nun seine Kontakte spielen und putzt täglich die Klinken ortsansässiger Unternehmen. Auch in der Nachbarkommune Burbach, die über eine Erstaufnahmeeinrichtung verfügt, aus der nicht vermittelt werden kann, hört er sich um. Da ein mehrmonatiges Praktikum bereits unter das Mindestlohngesetz fällt, sollen Hospitationen zum Sprungbrett für die Flüchtlinge werden. Hier kann der Arbeitgeber sich zunächst selbst ein Bild über die Qualifikationen des Bewerbers machen, bevor er zum Praktikum, zur Ausbildung oder – im Idealfall – sogar zu einem Beschäftigungsverhältnis einwilligt.

„Die Flüchtlinge liegen mir am Herzen“, beteuert Multhaup, dessen Arbeit mit einer Aufwandsentschädigung vergütet wird, die zur Hälfte von einem Unternehmen gezahlt wird. Und er hofft, dass möglichst viele von ihnen die Chance auf eine dauerhafte Arbeit bekommen. „Die Zuwanderung junger Flüchtlinge kann angesichts der immer älter werdenden Erwerbsbevölkerung ein echter Gewinn für uns sein. Je früher die Menschen auf dem Arbeitsmarkt integriert werden, umso besser.“

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