Ruhestätte mit Geschichte Historisches Familiengrab wird zur zeitgemäßen Bestattungsmöglichkeit

(wS/red) Neunkirchen 18.03.2020 | Wenn ein geliebter Mensch stirbt, ist dies immer ein großer Verlust.

Noch in emotionalen Nöten, müssen sich die Hinterbliebenen mit der Art der Beisetzung beschäftigen, müssen abwägen, wo und wie der Verstorbene seine letzte Ruhe findet. Nicht selten wohnen Anverwandte andernorts oder sind körperlich nicht mehr imstande, ein klassisches Reihengrab zu pflegen. Immer häufiger werden daher alternative Bestattungsmöglichkeiten angeboten, die man als pflegevereinfacht bezeichnet.

Eine solche zeitgemäße Urnen-Gemeinschaftsgrabstätte ist im Zuge des Friedhofskonzepts auch auf dem Friedhof in Neunkirchen entstanden: Ein historisches Familiengrab und eine moderne, ausdrucksstarke Bildhauerarbeit wurden miteinander kombiniert und zu einem symbolträchtigen Kunstwerk vereint. Die mehr als 120 Jahre alte Familiengrabstätte Schneider bildet einen Teil der Grabanlage. Hier wurden einst der in Neunkirchen lebende Unternehmer Kommerzienrat Heinrich Daniel Friedrich Schneider und die Mitglieder seiner Familie beigesetzt. Ein Objekt des renommierten Bildhauers Franz Josef Vanck aus Krefeld bildet den anderen Teil.

Der Künstler Franz-Josef Vanck hat eine moderne Ergänzung zu dem Grabstein des Schneider-Grabes geschaffen. Sie versinnbildlicht den Weg vom Abschiednehmen bis zum Ankommen im Himmel.

Kommerzienrat Schneider führte ein glückliches Familienleben und weilte gerne im Kreise der Seinen. Von daher war es ihm wohl auch ein Anliegen, für seine Familie auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde Neunkirchen eine Familiengrabstätte anlegen zu lassen. Neben Schneider wurden dort seine Frau Philippine, die drei Kinder Lina, Ferdinand und Heinrich Theodor mit ihren Ehepartnern, Enkelkindern und zwei Urenkeln beigesetzt. Wie viele andere Familiengrabstätten auf den Neunkirchener Friedhof wurde auch die Familiengrabanlage Schneider vor einigen Jahren eingeebnet.

Erhalten geblieben ist der eindrucksvolle Obelisk mit dem Konterfei des Unternehmers. Mit einer modernen Komponente auf der anderen Seite hat der Künstler Franz-Josef Vanck die Anlage jetzt zu einem Gesamtkunstwerk ergänzt. „Die historische Familiengrabstätte war von jeher ein besonderer Blickpunkt des Neunkirchener Friedhofs. Sie in die Planung für eine zeitgemäße Urnengemeinschaftsgrabanlage einzubinden erschien uns als sinnvolle und vor allem nachhaltige Lösung“ erläutert Silke Strunk vom Friedhofsamt.

Die ursprüngliche Vorderseite der Familiengrabstätte zeigt das Konterfei von Kommerzienrat H.D.F. Schneider. Eine Steintafel mit einem Spruch des Arztes und Philosophen Albert Schweitzer ergänzt nun die eine Seite des Denkmals.

Drei treppenartig gestaffelte Tafeln aus belgischem Blaustein bilden die Basis. Sie symbolisieren den Aufstieg in den Himmel. Während die Bronzefigur am Fuß der Steintafeln noch alleine steht und die Situation des Abschieds darstellen soll, sind auf dem oberen Podest mehrere Figuren zu sehen. „Das Motiv soll Trost und Hoffnung spenden“, informiert Silke Strunk vom Friedhofsamt. „Das Verlassenwerden und die Einsamkeit währen nicht lange, am Ende finden alle wieder zusammen.“

Eingefasst wird die Gedenkskulptur von einem breiten Streifen aus Sandsteinplatten, auf denen die Namen der Verstorbenen mit Bronzesandgussplatten verewigt werden. Insgesamt bietet die Grabanlage Platz für 72 Urnen. Einzel- und Doppelgräber sind dabei möglich. Dekorativ bepflanzt soll die Urnengemeinschaftsgrabanlage künftig nicht nur als ein pflegevereinfachtes Bestattungsangebot attraktiv sein, sondern auch als ein besonderer Blickfang des Friedhofs in Neunkirchen werden.

Weitere Informationen zu den Bestattungsmöglichkeiten in der Urnengemeinschaftsgrabanlage erhalten Sie beim Friedhofsamt der Gemeinde Neunkirchen, Tel.: 02735 767-605

Blaustein und Bronzeguss bilden einen angenehmen Kontrast zu dem bestehenden Stein aus Granit und machen aus dem ehemaligen Familiengrab eine zeitgemäße pflegeleichte Bestattungsform.

 

 

Heinrich Daniel Friedrich, oder kurz: H.D.F. Schneider wurde am 13. März 1812 in Struthütten geboren. Nach dem Besuch der Elementarschule in Struthütten sowie der Privatschule in Neunkirchen absolvierte er die höhere Rektoratsschule in Gummersbach. Nach Beendigung einer kaufmännischen Lehre in Unterbarmen kehrte er in sein Elternhaus zurück und befasste sich mit dem Studium des heimischen Gruben- und Hüttenbetriebes. Eine Reihe von Jahren war er Hüttenschulte der Hochofenanlage Neuhütte, der Herdorfer- sowie der Seelenberger Hütte und Vorstandsmitglied vieler Gruben. 1837 siedelte H.D.F. Schneider nach Neunkirchen über und gründete am 5. April desselben Jahres hier die seinen Namen tragende Firma „H.D.F. Schneider in Neunkirchen, Bez. Arnsberg“.

Nach der Eröffnung der Eisenbahn erhielt die Montanindustrie des Siegerlandes einen großen Aufschwung. Die bisher geführten Hochofenbetriebe und Anlagen waren veraltet. Und so reifte in H.D.F. Schneider der Gedanke, ein der Neuzeit entsprechendes Hochofenwerk zu gründen. Mit dem Bau des Hochofenwerkens in Herdorf wurde 1871/72 begonnen, der Betrieb 1874 eröffnet. Unter seiner Leitung erhielt die Friedrichshütte bedeutende Neubauten und stets weitere technische Verbesserungen.

Schneider war ein Pionier seiner Zeit. Er prägte aber nicht nur die hiesige Montangeschichte, er bekleidete auch eine große Zahl Ehrenämter. Viele Jahre hindurch war er erster Beigeordneter des Amtes Burbach, Mitglied des Kreistages, der Handelskammer, der Einkommenssteuer-Einschätzungskommission, der Provinzialsynode, Vorstandsmitglied des Kultur- und Gewerbevereines, Vertrauensmann zur Auswahl der Geschworenen und Schöffen sowie Mitglied des Gemeinderates und des Kirchen- und Schulvorstandes. Am 20. Januar 1883 verlieh ihm Kaiser Wilhelm I. den Titel eines Königlichen Kommerzienrates und am 4. September 1889 wurde er mit dem Königlichen Kronenordnen IV. Klasse dekoriert.

Nach einem arbeitsreichen und aktiven Leben verstarb H.D.F. Schneider im Alter von 83 Jahren am 22. Oktober 1895. Das von ihm begründete Hochofenwerk Friedrichshütte in Herdorf wurde am 9. September 1896 in die Aktien-Gesellschaft „Bergbau- und Hütten-Aktien-Gesellschaft Friedrichshütte in Neunkirchen“ umgewandelt.

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