Corona: Deyang / Interview Dr. Grabe / Dokumentation Kreisarchiv

(wS/red) Siegen-Wittgenstein 08.04.2020 |  Neuigkeiten aus dem Kreishaus etc.

Interview mit Dr. Christoph Grabe, Leiter des Kreisgesundheitsamtes

Dr. Grabe, seit ein paar Tagen haben wir mehr genesene Corona-Patienten in Siegen-Wittgenstein als neuerkrankte. Sind wir über den Berg?

Dr. Grabe: Nein, auf keinen Fall. Die Zahlen sind nur eine Momentaufnahme, in der sich vielleicht schon erste Erfolge der Maßnahmen widerspiegeln. Aber wir stehen noch am Anfang der Pandemie und müssen jederzeit mit einem erneuten Anstieg der Fallzahlen rechnen.

Was bedeutet das für das vor uns liegende lange Osterwochenende?

Dr. Grabe: Dass wir uns alle weiter ganz strikt an die zurzeit geltenden Regeln halten müssen: Soziale Kontakte meiden, Abstand halten und Hygienestandards wie regelmäßiges Händewaschen beachten.

Was heißt das für Verwandtenbesuche an den Feiertagen?

Dr. Grabe: Die sollten auf jeden Fall unterbleiben! Personen, die nicht in einer häuslichen Gemeinschaft unter einem Dach wohnen, sollten sich im Moment nicht treffen. Denn trifft sich eine Familie und nur einer der Anwesenden ist unwissentlich infiziert, kann er alle anderen anstecken und die tragen dann das Virus in ihr Lebensumfeld. Genau das wollen wir verhindern. Das Virus akzeptiert keine Verwandtschaftsbeziehungen, sondern kennt nur enge Kontakte!

Und wie ist es mit Besuchen in Krankenhäusern und Pflegeheimen?

Dr. Grabe: Ich verstehe sehr gut, dass man gerade an Feiertagen, Angehörige in Pflegeeinrichtungen oder im Krankenhaus sehen möchte. Aber im Moment ist das einfach nicht möglich – im Gegenteil: Besuche in diesen Einrichtungen sind ausdrücklich verboten, weil dort genau die Menschen anzutreffen sind, für die Covid-19 eine besondere Bedrohung darstellt.

Sie haben zuletzt dazu aufgerufen, sich verstärkt auf das Coronavirus testen zu lassen. Warum?

Dr. Grabe: Zum einen, weil wir seit ein paar Tagen merken, dass die Zahl der Personen, die ans Kreisgesundheitsamt zur Testung überwiesen werden, zurückgeht. Dass kann zum Beispiel daran liegen, dass jetzt vor Ostern einige Praxen geschlossen haben, die dann natürlich niemanden überweisen. Zum anderen haben wir aber auch ein großes Interesse daran zu erfahren, wie weit das Virus tatsächlich verbreitet ist.

Vor kurzem hieß es doch noch, nur wer Symptome hat und aus einem Risikogebiet zurückgekommen ist oder Kontakt zu einem bestätigt Infizierten hatte, wird getestet. Das gilt jetzt nicht mehr?

Dr. Grabe: Nein, das gilt jetzt nicht mehr. Am Anfang war das vollkommen richtig. Denn das Coronavirus war in Deutschland noch kaum verbreitet. Hätte man da jeden mit Grippesymptomen getestet, hätte das alle Kapazitäten der Labore völlig überfordert. Inzwischen sind wir aber in einer anderen Situation. Zum einen haben die Labore ihre Kapazitäten ausgeweitet, zum anderen gibt es aufgrund der Reisebeschränkungen kaum noch Menschen, die aus Risikogebieten kommen. Deshalb hat das Robert Koch-Institut seine Empfehlungen zu den Testungen verändert.

Wer sollte sich jetzt testen lassen?

Dr. Grabe: Wenn jemand Atemwegserkrankungen mit Symptomen wie Husten, Niesen oder Halsschmerzen hat, sollte er sich testen lassen, auch wenn er bewusst keinen Kontakt zu einem bestätigt Infizierten hatte. Ein Test ist außerdem sinnvoll, wenn jemand mit Vorerkrankungen Grippesymptome hat oder sich seine Erkrankung verschlimmert und Atemnot oder hohes Fieber hinzukommen. Außerdem sollten sich Personen mit Grippesymptomen testen lassen, die im Krankenhaus oder in der Altenpflege arbeiten oder anderweitig mit Risikogruppen in Kontakt kommen.

Und was ist, wenn ich über die Feiertage oder wegen Urlaub meinen Hausarzt nicht erreiche und keine Überweisung zur Testung bekomme?

Dr. Grabe: Der normale Weg soll die Überweisung durch einen niedergelassenen Arzt an uns sein. Ist das nicht möglich, dann kann sich ein Erkrankter auch direkt an die Corona-Hotline des Kreises (0271 333-1120) wenden, damit eine Testung in die Wege geleitet werden kann.

Sie betonen ein „Erkrankter“ kann sich an die Hotline wenden.

Dr. Grabe: Ja, denn ein Test macht nur wirklich Sinn, wenn ein Patient zumindest leichte Symptome wie Husten, Halsschmerzen aber auch Geschmacksverlust hat. Ganz ohne Symptome ist die Virenlast im Körper oft zu gering, um ein positives Testergebnis auszulösen – selbst wenn die Person infiziert ist.

Immer wieder wird die Frage gestellt, ob es nicht sinnvoll ist, sich auf das Coronavirus testen zu lassen, damit man, wenn man erkrankt ist, auch richtig behandelt werden kann. Ist das so?

Dr. Grabe: Nein. Denn aktuell gibt es kein spezifisches Heilmittel gegen Corona, wie zum Beispiel Antibiotika bei bakteriellen Infektionen. Die Ärzte können nur die Symptome bekämpfen, wie zum Beispiel eine Lungenentzündung. Und das geschieht dann völlig unabhängig davon, ob jemand positiv, negativ oder gar nicht auf Covid-19 getestet worden ist.

Warum werden dann überhaupt Tests auf das Coronavirus gemacht?

Dr. Grabe: Im Moment geht es vordringlich darum, Infektionsketten nachvollziehen und durchbrechen zu können. Das geschieht, indem wir als Kreisgesundheitsamt Kontaktpersonen von Infizierten ausfindig machen, diese auch aufgefordert werden, zuhause zu bleiben, sich ganz genau zu beobachten und bei Symptomen dann ebenfalls getestet werden.

Wie sieht Ihr Osterwochenende und das Ihrer Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitsamt aus?

Dr. Grabe: Bei uns geht es praktisch fast normal weiter. Es gibt eine Urlaubssperre für die meisten meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir rechnen auch an den Feiertagen mit dem Eingang von positiven Testergebnissen. Dann werden wir wie üblich Kontaktpersonen ermitteln und diese ansprechen.

Dr. Grabe – Ihnen und Ihren Kolleginnen und Kollegen alles Gute, frohe Festtage und bleiben Sie gesund!

 

„Danke an unsere Freunde in Deyang!“, sagt Landrat Andreas Müller: „Wir haben dort 100.000 Stück Mund-Nasen-Schutz bestellt, die in unserer chinesischen Partnerstadt hergestellt werden. Die ersten 50.000 sind bereits verpackt und jetzt am Flughafen eingetroffen.“

 

Kreisarchivar Thomas Wolf hat über siwiarchiv.de folgenden Aufruf gestartet:

Aufruf: Dokumentation der Corona-Pandemie im Kreisgebiet Siegen-Wittgenstein

Das Corona-Virus verändert zur Zeit das Leben von uns allen. Bewohnerinnen und Bewohner des Kreisgebietes Siegen-Wittgenstein, die über ihr aktuelles Leben analog oder digital Tagebuch führen, oder die Auswirkungen der Pandemie auf andere Art und Weise dokumentieren (Film, Foto , ….) möchten wir bitten, diese dem Kreisarchiv Siegen-Wittgenstein nach der Krise zur Verfügung zu stellen. Wir würden die wertvollen Quellen zu einer Ausnahmesituation sehr gerne archivieren.

Kontakt: t.wolf@siegen-wittgenstein.de

http://www.siwiarchiv.de/dokumentation-der-corona-pandemie/

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