Schule daheim: Neue Lernformen am Pflegebildungszentrum der Diakonie in Südwestfalen

(wS/red) Siegen 04.05.2020 | Zwischen Erziehung und Examen

Lernen zuhause: Pflegebildungszentrum der Diakonie in Südwestfalen geht neue Wege

Im Pflegebildungszentrum (PBZ) der Diakonie in Südwestfalen blieben die Klassenzimmer in den vergangenen Wochen leer. In Zeiten von Corona wird überwiegend zuhause gelernt, ganz individuell. So macht es auch Yvonne Milosevic. Sie steht kurz vor dem Examen. Die Prüfungsvorbereitung läuft ganz anders ab wie geplant, entweder am mit Unterlagen vollgepackten Esszimmertisch oder im „Rückzugsort Badezimmer“.

„Am Anfang ging alles drunter und drüber“: So beschreibt Yvonne Milosevic die ersten Tage „Schule daheim“. Dieser Zustand dauert mittlerweile seit rund vier Wochen an – und bei der 43-Jährigen ist eine gewisse Routine eingekehrt. „Man gewöhnt sich doch an alles“, sagt sie und lacht. Dabei geht es in ihrem Eigenheim alles andere als ruhig zu. Die Familie zählt fünf Kinder, zwischen 14 und 21 Jahre alt. „Die sind aus dem Gröbsten raus und haben Verständnis, wenn ich meine Ruhe brauche“, lobt die Mama. Und wenn es dann doch mal zu chaotisch wird, verschwindet Yvonne Milosevic einfach im Badezimmer, breitet ihre Unterlagen auf dem Fußboden aus und vertieft sich ins Material, etwa in den Aufbau von Leber, Pankreas und Galle. „Ich komme gut mit dem Stoff voran“, sagt sie. Sechs bis acht Stunden plant sie täglich fürs Lernen ein. Dennoch: „Vor dem Examen, dass in wenigen Wochen ansteht, habe ich Respekt.“

Dass Yvonne Milosevic die Aufgaben meistern wird, davon ist PBZ-Leiter Frank Fehlauer überzeugt: „Sie ist fleißig, diszipliniert und durchsetzungsstark. Sie wird das schon machen.“ Zwei von sechs Kursen werden zurzeit am PBZ unterrichtet. Laut Erlass der Landesregierung dürfen nur die kurz vor dem Examen stehenden Schüler sowie die ganz neu gestarteten Auszubildenden zur Schule kommen. „Alle anderen befinden sich in Praktika oder eben im Homeschooling“, schlüsselt Fehlauer auf.

Rund 50 Schüler absolvieren jährlich – einmal im Frühjahr, einmal im Herbst – ihren Abschluss. Dieses Mal ist alles anders. Gut, dass das PBZ auf eine digitale Lernsoftware zurückgreifen konnte, die schon „vor Corona“ in Betrieb war. Damit wird den Schülern das Unterrichtsmaterial zur Verfügung gestellt. Zudem beinhaltet die Plattform eine Chatfunktion, mit der Schüler und Lehrer miteinander in Kontakt bleiben können. „Letzteres habe ich noch gar nicht genutzt“, sagt Yvonne Milosevic. Bei Fragen greift sie lieber direkt zum Telefonhörer: „Und die Lehrer haben alle ein offenes Ohr, auch wenn sie teilweise Sachen zigmal erklären müssen.“

Ein Beruf in der Pflege, das war schon immer ein Traum der gelernten Groß- und Außenhandelskauffrau. Viele ihrer Familienmitglieder und Freunde arbeiten im Gesundheitswesen. Vor drei Jahren nahm Yvonne Milosevic allen Mut zusammen – und packte das „Umsatteln“ an. Ihr Erfolgsrezept: „Man muss Spaß an dem haben, was man macht – und den habe ich, auch in der Praxis.“ Hospitiert hat die 43-Jährige bereits, unter anderem in der Zentralen Notaufnahme und auf der Intensivstation im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen. Ist die Prüfung in der Tasche, wartet hier auch schon die Festanstellung auf sie. „Allen, die mit dem Gedanken spielen, in der Pflege aktiv zu werden, kann ich nur Mut machen“, appelliert Yvonne Milosevic. Ihre dreijährige Ausbildung ging „wie im Flug“ vorbei: „Und ich würde es sofort noch einmal machen.“

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