Neue Auszubildende im heimischen Bauhandwerk

(wS/red) Siegen-Wittgenstein 10.09.2020 | Hervorragende Ausbildungszahlen in heimischer Bauwirtschaft 

AWZ Bau startet mit 137 jungen Menschen ins neue Ausbildungsjahr

Kreuztal. Das Aus- und Weiterbildungszentrum Bau (AWZ Bau) in Kreuztal verzeichnet einen erfreulichen Anstieg der Ausbildungszahlen um 18% zum Vorjahr und startet mit insgesamt 137 jungen Menschen in das neue Ausbildungsjahr.

131 junge Männer und sechs junge Frauen haben in den vergangenen Wochen und Tagen ihre überbetriebliche Ausbildung im AWZ Bau in Kreuztal-Fellinghausen aufgenommen. Der Corona-Pandemie zum Trotz, sind das im Vergleich zum Vorjahr 18% mehr junge Menschen, die sich für eine Ausbildung in der heimischen Bauwirtschaft entschieden haben. „Diese hohe Anzahl an Auszubildenden ist sehr erfreulich, aber – aufgrund der Corona-Pandemie und des damit verbundenen strengen Hygienekonzeptes – auch eine Herausforderung. In erster Linie sind wir aber sehr froh, dass die jungen Menschen nun wieder hier zu uns ins Ausbildungszentrum kommen können und die Zeiten von reinem Online-Unterricht vorbei sind. Denn Handwerk bedeutet einfach auch praxisbezogenes Arbeiten“, so Judith Hamers, Bildungsprojektleiterin im AWZ Bau.

Auch in der gut gelüfteten Ausbildungshalle wird an einzelnen Arbeitsplätzen gebaut und gewerkelt.

Gelungener überregionaler Ausbildungsauftakt

Im Rahmen einer abgewandelten Einführungsveranstaltung bekamen die neuen Auszubildenden und jeweils ein Elternteil auch in diesem besonderen Jahr die Möglichkeit, vorab das Zentrum sowie ihre Ausbilder kennenzulernen. Natürlich lief die Veranstaltung aufgrund der Corona-Pandemie etwas anders ab, als in den Vorjahren. Je nach Ausbildungsberuf wurde zu unterschiedlichen Zeiten ins AWZ Bau eingeladen und dann in Kleingruppen durch das Zentrum geführt. „Wir haben das Beste aus der Situation gemacht. Die Einführungsveranstaltung kam gut an und durch die Kleingruppen konnten wir auch gezielter auf einzelne Fragen eingehen. Das ist sowohl für die Azubis als auch für die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten ein besonderer und wichtiger Tag.“, findet Judith Hamers. Auch überregional wird im AWZ Bau ausgebildet: Zumindest für den ersten Grundlehrgang hat das AWZ Bau in Kreuztal acht angehende Straßenbauer aus dem bergischen Land in der überbetrieblichen Ausbildung. Hier leistet das gut aufgestellte Ausbildungszentrum in Kreuztal Unterstützung für das Bildungszentrum Butzweilerhof der Handwerkskammer zu Köln, das aufgrund der coronabedingten Bestimmungen und der räumlichen Gegebenheiten nur eine gewisse Anzahl an Auszubildenden vor Ort betreuen kann.

Allein unter Männern: Joelle Schneider (16) ist die einzige Auszubildende zur Straßenbauerin im AWZ Bau.

Regelbetrieb unter Corona-Bedingungen

Um einen reibungslosen Ablauf zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres zu gewährleisten, gab es für das Team des AWZ Bau im Vorfeld einiges zu tun: Unter Berücksichtigung der Abstandsregelungen wurde jeder einzelne Arbeitsplatz in den Ausbildungshallen markiert und mit dem Namen des jeweiligen Auszubildenden versehen. Außerdem gibt es ein ausgeklügeltes Wegekonzept und versetzte Pausenzeiten, sodass sich verschiedene Ausbildungsgruppen nicht begegnen. Für die Gruppe der Straßenbauer wurde extra ein großes Zelt aufgebaut, damit möglichst oft auf dem Außengelände gearbeitet werden kann. Außerdem wurden sowohl die Veranstaltungs- als auch die Lagerhalle zu Unterrichtsräumen umfunktioniert, um die Abstandsregelungen bei dieser Vielzahl an Auszubildenden einhalten zu können. Sollte der Abstand einmal aus arbeitstechnischen Gründen nicht eingehalten werden können, so gilt selbstverständlich eine Maskenpflicht. Auch die Kantine hat – eingeschränkt – wieder den Betrieb aufgenommen. „Durch die großen Tore in unseren Ausbildungshallen wird auch immer gut gelüftet. Insgesamt klappt bisher alles sehr gut“, berichtet Ralf Meding, Fachbereichsleitung Aus- und Weiterbildung und Duales Studium sowie Ausbilder im Zimmererhandwerk. „Die jungen Menschen sind hoch motiviert. Wir freuen uns, dass es durch Corona keinen Einbruch in den Ausbildungszahlen gegeben hat – ganz im Gegenteil. Auch die Baubranche insgesamt ist bisher mehr als gut durch die Corona-Krise gekommen“, ergänzt Klaus Achenbach, zuständig für die Ausbildung im Bereich Maurer-, Beton- und Stahlbetonbauer sowie Fliesen-, Platten-, und Mosaikleger-Handwerk.

In der großen Werkstatt der Zimmerer hat jeder Auszubildende eine eigene Werkbank und genügend Abstand kann eingehalten werden.

Hohe Nachfrage im Straßenbau – erfreuliche Entwicklung im Fliesenleger-Handwerk

Bereits Anfang Juni startete eine Gruppe von 23 Dualen Studierenden, 12 – darunter zwei junge Frauen – im gewerblichen Bereich sowie drei Bauzeichnerinnen und acht Bauzeichner, mit einem achtwöchigen Grundlehrgang im Rahmen ihres Dualen Studienganges Bauingenieurwesen. Ende August sind darüber hinaus 19 Maurer, 17 Betonbauer, 27 Zimmerer, zwei Stuckateure, zehn Fliesen-, Platten-, und Mosaikleger sowie 39 Auszubildende im Straßenbauerhandwerk gestartet. Im Vergleich zum Vorjahr ist besonders im Bereich der Fliesen-, Platten- und Mosaikleger eine erfreuliche Entwicklung zu verzeichnen: Während sich 2019 gerade einmal drei junge Menschen für eine solche Ausbildung entschieden haben, sind es in diesem Jahr zehn. Auch im Straßenbauerhandwerk ist die Nachfrage groß. 2019 gab es in diesem Bereich 17 Auszubildende, in diesem Jahr sage und schreibe 39 – darunter auch die acht angehenden Straßenbauer aus dem Bergischen Land. Auch eine Auszubildende zur Straßenbauerin ist in diesem Jahr im AWZ Bau in der überbetrieblichen Ausbildung. „Mein Vater ist in diesem Bereich tätig und auch meine beiden älteren Brüder waren schon hier im AWZ Bau. Daher habe ich viel mitbekommen. Dann habe ich ein Praktikum absolviert und gemerkt, dass es mir wirklich Spaß macht. Also habe ich nun die Ausbildung zur Straßenbauerin begonnen“, erzählt die 16-jährige Joelle Schneider, der es nichts ausmacht, die einzige Frau unter den vielen jungen Männern zu sein.

Bauwirtschaft hat Zukunft – AWZ Bau sehr gut aufgestellt

„Die erfreuliche Entwicklung der Ausbildungszahlen lässt positiv in die Zukunft blicken und macht Mut. Das AWZ Bau ist gut aufgestellt“, so Geschäftsführer Horst Grübener. Obwohl das moderne Ausbildungszentrum wirtschaftlich stark von den Auswirkungen der Corona-Pandemie und der 7-wöchtigen Zwangsschließung getroffen wurde, wird alles dafür getan, diesen Verlust aufzufangen und optimistisch zu sein. So konnte Horst Grübener auch auf die hohe Nachfrage reagieren und zwei neue Meister im Straßenbauerhandwerk einstellen. Auch im Bereich Digitalisierung hat sich in den letzten Monaten einiges bewegt im AWZ Bau. Beim Gang durch die Ausbildungshallen sieht man das Zusammenspiel von handwerklicher Praxis und modernen digitalen Gerätschaften. In der modernen Bauwirtschaft spiele die Digitalisierung eine immer größere Rolle. Nicht nur das sogenannte „Building Information Modeling“, sondern auch digitale Vermessungsgeräte mit einer Präzision von 2 Millimetern auf 300 Metern Länge oder Bagger mit digitaler Maschinensteuerung seien auf modernen Baustellen nicht mehr wegzudenken. „Die digitalen Möglichkeiten sind für die Arbeit auf der Baustelle sehr wichtig. Außerdem führt die Digitalisierung nicht nur zu neuen spannenden Herausforderungen, sondern auch zu einer höheren Attraktivität der Berufe. Hier im AWZ Bau fördern wir genau das, was auf den Baustellen gebraucht wird“, erklärt Horst Grübener. Um auch in Zukunft diesen Anforderungen gerecht zu werden, nehmen die Pläne für den Bau eines neuen Schulungs- und Verwaltungsgebäudes aktuell finale Formen an. Dieser Neubau soll 2021 planmäßig umgesetzt werden.

Text und Bilder: Rebecca Dalhoff

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