Bad Berleburg: Auszeit in Südwestfalen

(wS/BLB) Bad Berleburg 21.08.2021 | „Auszeit in Südwestfalen“ soll pflegende Angehörige stärken

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt kontinuierlich – auf bis zu 4,6 Millionen bundesweit im Jahr 2030. Rund drei Viertel aller Pflegebedürftigen werden zu Hause gepflegt. Angesichts der Personalnot in der Pflege und der demografischen Entwicklung in Deutschland wird die Bedeutung der häuslichen Versorgung weiterwachsen – auch in Bad Berleburg. Die Pflegenden – in der Regel pflegende Angehörige – sind oft hohen körperlichen und seelischen Belastungen ausgesetzt.
Das interkommunale Projekt „Auszeit in Südwestfalen – Kurangebote für pflegende Angehörige“, an dem unter anderem die Stadt Bad Berleburg beteiligt ist, will daran etwas ändern. „Unser Ziel ist es, pflegenden Angehörigen ein zukunftsorientiertes und qualitativ hochwertiges Präventions- und Reha-Angebot zu offerieren. Damit wollen wir zugleich den Gesundheitsstandort Bad Berleburg nachhaltig stärken.

Die ,Auszeit in Südwestfalen‘ soll dazu ein wesentlicher Beitrag sein“, betonte Regina Linde. Sie ist als Fachbereichsleiterin Bürgerdienste der Stadt Bad Berleburg federführend an der Umsetzung auf kommunaler Ebene beteiligt. Das südwestfälische Projekt hat sich bereits erfolgreich in den Qualifizierungsprozess der REGIONALE Südwestfalen 2025 begeben und ist auf dem Weg zum 3. Stern.
Im Rahmen der KurTour mit Vertretern des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS NRW) sowie des Projektträgers präsentierten Regina Linde und Bürgermeister Bernd Fuhrmann am Donnerstag (19. August) den Stand der Dinge in der Stadt der Dörfer. Die Stadt Bad Berleburg will das Projekt nachhaltig mit den weiteren Partnern forcieren, um vor Ort und in der Region ein vielfältiges und bedarfsgerechtes Angebot zu etablieren. „Schon aus unserer eigenen Geschichte heraus identifizieren wir uns mit unserer Rolle als zukunftsorientierter Kurort in Südwestfalen.

Bildunterschrift:
Foto PM KurTour: Der Projektleiter „Auszeit in Südwestfalen“ Lars Vornheder, die Fachbereichsleiterin Bürgerdienste Regina Linde, die Geschäftsführerin des Diakonischen Werkes Wittgenstein, Birgit Niehaus-Malytczuk, die Projektreferentin der AW Kur und Erholung, Johanna Barbosa, die Hausleiterin des Friederike-Fliedner-Hauses Bad Berleburg, Kerstin Dickel, die Landtagsabgeordnete Anke Fuchs-Dreisbach, Georg Oberkötter vom MAGS NRW, Bürgermeister Bernd Fuhrmann und der Geschäftsführer der VAMED-Rehaklinik Bad Berleburg, Florian König (v.l.), tauschten sich über das Projekt „Auszeit in Südwestfalen“ aus und analysierten die Rahmenbedingungen und bereits vorhandenen Strukturen in Bad Berleburg. Foto: Stadt Bad Berleburg

Mit diesem Projekt, aber auch mit ,Kurorte der Zukunft‘ und ,DigiKur‘ wollen wir gemeinsam mit Akteuren des Gesundheitswesens und den Touristikern den Kurorten allgemein und Bad Berleburg speziell überregional Gewicht verleihen und unsere wirtschaftliche Basis zugleich stärken“, erklärte Bernd Fuhrmann. Der Bürgermeister der Stadt Bad Berleburg hob damit noch einmal die besondere Bedeutung der Rolle als Kurort hervor. Veranschaulicht wurde diese Bedeutung unter anderem durch die Besichtigung der VAMED-Rehaklinik sowie des Friederike-Fliedner-Hauses – beide spielen wie die weiteren Einrichtungen in der Stadt der Dörfer bei den weiteren Planungen eine zentrale Rolle. So ist die VAMED-Rehaklinik bereits seit 15 Jahren im Bereich der Unterstützung pflegender Angehöriger tätig und steht mit ihrer Expertise und ihrem Reha-Angebot auch künftig als verlässlicher Partner für Angebote in diesem Bereich zur Verfügung. Ergänzend dazu steht im Sektor der Pflege eine moderne und nachhaltig funktionierende Infrastruktur zur Verfügung.

Zudem entsteht derzeit eine weitere neue Pflegeeinrichtung mit 80 stationären Betten.
Im Anschluss stand ein gemeinsamer und konstruktiver Austausch auf dem Programm. In diesem ging es ebenfalls unter anderem um die Rolle Bad Berleburgs als Kurort, das seit 1950 Gesundheitsstandort, seit 1971 Kneipp-Kurort und seit 1974 staatlich anerkanntes Heilbad ist – und sich aufgrund seines breit aufgestellten Angebotes als nachhaltige und innovative Gesundheitsstadt präsentiert. „Aus dieser Grundlage lassen sich im Zusammenspiel zwischen Kommune, Gesundheits- und Pflegedienstleistenden je nach Wunsch attraktive Angebote für die zu Pflegenden und die pflegenden Angehörigen schnüren“, wusste Regina Linde.
„Das Ziel sind mehr Kuren für pflegende Angehörige in Nordrhein-Westfalen. Angehörigen stehen inzwischen landesweit flächendeckend Kurberatungsangebote unter dem Dach des Müttergenesungswerks zur Verfügung. So steigern wir die Nachfrage. Wichtig ist, dass nun auch mehr stationäre Kur-Angebote geschaffen werden, und zwar in erreichbarer Nähe.

Das steht im Mittelpunkt des neuen Projekts und auch der gemeinsamen Sommer-Tour durch die westfälischen Kurorte. Zusammen mit den lokalen Akteuren wollen wir die Chancen für zusätzliche Angebote ausloten“, verdeutlichte Georg Oberkötter vom MAGS NRW das Engagement des Landes. Zentral für das interkommunale Projekt ist der Netzwerksgedanke. „Wir möchten mit dem Aufbau eines Netzwerks für die Gesundheitsvorsorge pflegender Angehöriger die Lücken im Angebot schließen und die Profilierung der Gesundheitsregion Südwestfalen stärken. Wir sind sehr dankbar für die Unterstützung durch das Land, ohne die das Projekt nicht umsetzbar wäre“, wusste der Leiter des südwestfälischen Projektes Lars Vornheder.

INFOBOX

Derzeit gibt es etwa 4,1 Millionen pflegebedürftige Menschen – davon fast eine Million in NRW. Laut Prognose des Bundesministeriums für Gesundheit steigt diese Zahl bis zum Jahr 2030 auf 4,6 Millionen Personen weiter an. Die Pflegenden sind oft Angehörige, deren körperliche und mentale Belastung hoch ist. In Südwestfalen haben sich deshalb im Projekt „Auszeit in Südwestfalen“ Bad Berleburg, Bad Laasphe, Bad Sassendorf, Brilon, Erwitte, Lippstadt, Olsberg, Schmallenberg und Winterberg gemeinsam auf den Weg begeben, um jeweils mit ihren örtlichen Betrieben Potenziale für die Angebotsentwicklung für pflegende Angehörige zu beleuchten und qualifizierte Angebote sowie wirtschaftlich tragfähige Konzepte zu erarbeiten, um baldmöglichst neue Angebote buchbar zu machen. Bisher gibt es bundesweit nur wenige Anbieter mit speziellen Angeboten für pflegende Angehörige – mit oder ohne pflegebedürftiger Begleitperson.

Der Bedarf wächst aber spürbar. Aufgrund körperlicher und seelischer Belastungen entsteht die Notwendigkeit, dass für Pflegepersonen ausreichend Möglichkeiten für Auszeiten mit Erholung und medizinischer Rehabilitation angeboten werden müssen und diese möglichst unbürokratisch in Anspruch genommen werden können. Dabei ist auch jeweils die Versorgung der Pflegebedürftigen während der Auszeiten sicherzustellen. Mit dem landesweiten Netz der Kurberatungsstellen stehen den pflegenden Angehörigen kompetente Ansprechpartner zur Seite.

Um die Nachfrage zukünftig abdecken zu können, sollen nun im Projekt „Auszeit in Südwestfalen“ zusätzliche Angebote entwickelt werden. Ein inhaltsgleiches Projekt wird parallel in der Region Ostwestfalen-Lippe durchgeführt. Beide Vorhaben sind auf drei Jahre angelegt und werden aus Mitteln des Landesförderplans „Alter und Pflege“ des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert. Der Heilbäderverband NRW hat den Weg dafür bereitet und ist als Partner mit an Bord. Im Fokus stehen nun die Kurorte und Heilbäder in Westfalen. Hier bietet das kurörtliche Angebot ideale Voraussetzungen, hier sind viele Reha-Kliniken und Pflegeeinrichtungen ansässig, hier gibt es eine große Fachkompetenz in Medizin und Therapie.

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