Der Heilige Gral – Neue Ausstellung im Museum Wilnsdorf

wS/wi   Wilnsdorf   – Kaum ein Gegenstand aus der Mythologie ist so oft behandelt, verfremdet und umgestrickt worden und hat dabei bis zum heutigen Tage eine derart faszinierende Wirkung auf viele Menschen wie der Heilige Gral. Im Laufe der Jahrhunderte hat er sich von einer Idee in ein Gefäß und von diesem sogar in eine Person verwandelt.

Richard Wagner hat den Gral zum Opernstar gemacht, er ist Gegenstand von Comics, Filmen und Computerspielen und neuerdings auch Teil einer Pseudowissenschaft geworden, die es geschafft hat, ihre in Romanhandlung verpackten Hypothesen sogar zu Weltbestsellern zu machen.

Die Ausstellung „Der Heilige Gral – Ursprung und Auswüchse“ im Museum Wilnsdorf will diese Entwicklung darstellen, Zusammenhänge aufzeigen und letztlich auch verdeutlichen, dass man nicht unbedingt alle Geschichten für bare Münze nehmen muss, aus denen Hollywood Filme gemacht hat.

Tatsächlich passt der Gral in seinem Ursprung sehr gut in die Weihnachtszeit, denn das Grundmotiv der Geschichte um Parzival und seine Suche hat einen im höchsten Maße christlich geprägten Hintergrund. Zur Zeit der Entstehung der ersten Gralsgeschichten war das europäische Rittertum gerade im Begriff, sich als feste soziale Schicht zu etablieren. Aus den „Dienstmannen“ und „Knechten“ von einst war eine Gruppe von Kriegern entstanden, die sich allmählich einen gemeinsamen Ehrenkodex schuf. Viele der damals in den Kodex aufgenommenen Verhaltensweisen werden auch heute noch als „ritterlich“ bezeichnet. Die literarische Figur des Parzival war der perfekte Ritter, eigentlich mit allen Eigenschaften ausgestattet, die es zu besitzen galt und dennoch war er nur eine Hülse, solange ihm die eine Eigenschaft fehlte, die ihn zum idealen Ritter im christlichen Sinne machte – die Nächstenliebe.

Erst als die Zeit der Ritter sich ihrem Ende zuneigte, konnte aus den moralisch geprägten Gralsgeschichten eines Chrétien de Troyes und eines Wolfram von Eschenbach eine reine Abenteuergeschichte werden, wie sie Sir Thomas Malory im 16. Jahrhundert verfasste. Er ist letzten Endes der „geistige Vater“ der vielen Zeichentrickfilme, Comics, Musicals und Kinofilme des 20. und 21. Jahrhunderts. Mit dem Roman „Sakrileg – The Da Vinci Code“ von Dan Brown sind schließlich die neuesten Auswüchse der Gralsmythologie einem großen Publikum zugänglich geworden. Hier ist der Gral keine Idee mehr und schon gar kein Ideal, das es anzustreben gilt. Er wird zur Person umgedeutet…

Die Ausstellung kann bis zum 26. Februar 2012 dienstags bis sonntags zwischen 14.00 und 18.00 Uhr im Museum Wilnsdorf besucht werden.

Nähere Infos: www.museum-wilnsdorf.de

Bildunterschrift:  Ähnlich wie den Tassilo-Kelch stellten sich die Menschen des Mittelalters den Heiligen Gral vor, als den Kelch, den Jesus während seines letzten Abendmahls benutzte. Im Hintergrund: Ausschnitt aus dem Gemälde „Das letzte Abendmahl“ von Leonardo da Vinci.

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