Landrat Paul Breuer zieht fünf Jahre nach Kyrill positive Bilanz

wS/ksw – Siegen-Wittgenstein – „Die Weiterentwicklung unserer Strategien und der Infrastruktur zur Gefahrenabwehr im Kreis Siegen-Wittgenstein hat ganz entscheidend von den Erfahrungen, profitieren die wir während des Orkans Kyrill gemacht haben.“ Das sagte Landrat jetzt in einer Bilanz, fünf Jahre nachdem der Orkan Kyrill über Siegen-Wittgenstein hinweggefegt ist und Millionenschäden angerichtet hat. Während der Kreis in der Orkannacht und in den Tagen danach zunächst für die Bewältigung der aktuellen Krisensituation Verantwortung trug, kam ihm in den Wochen und Monaten danach die Aufgabe zu, bei der Beseitigung der Schäden zu unterstützen, unbürokratische Hilfeleistungen zu geben, zu beraten, zu koordinieren und bei der Landesregierung für die beispiellose Ausnahmesituation zu sensibilisieren und Hilfsgelder einzufordern. „Insgesamt sind wir bei der Bewältigung der Schäden sehr erfolgreich gewesen: Rund 24 Millionen Euro Hilfsgelder sind vom Land und der EU in den Kreis Siegen-Wittgenstein gekommen, für die Instandsetzung zerstörter Infrastruktur oder das Abräumen von Windwurfflächen und die Wiederaufforstung“, bilanziert Landrat Paul Breuer. Zugleich stellt er aber auch fest, dass manche Waldbauern in der Kyrillnacht um die Arbeit von Generationen gebracht wurden, ein Schaden, der nicht wieder gut zu machen ist.

Die Kyrill-Nacht: 18. Januar 2007
Im Laufe des 18. Januars 2007 nahm der Wind immer stärker zu. Der Deutsche Wetterdienst hatte eine Sturmwarnung heraus gegeben. Doch die Wucht von Kyrill war dann doch deutlich stärker als erwartet: So wurden Windböen mit einer Stärke von bis zu 220 km/h gemessen. Umstürzende Bäume blockierten nach und nach über 80 Stra*en im Kreisgebiet. Auch die A45 musste gesperrt werden. Kreisweit wurden Dächer von Häusern und gro*en Industrieanlagen abgedeckt. Dem DRK-Altenheim in Neunkirchen sowie der Reha-Klinik in Hilchenbach drohten die Evakuierung, da erhebliche Schäden an den Dächern entstanden waren. Vielerorts fiel der Strom aus. Bei Netphen war ein Bus von Bäumen umschlossen und auch auf der A 45 sa*en Autofahrer fest.
Um 19:20 Uhr traf Landrat Paul Breuer die Entscheidung, die Gro*schadenslage für den Kreis Siegen-Wittgenstein auszurufen. Der Krisenstab des Kreises war schon im Laufe des Tages zusammen gekommen. Mit der Ausrufung der Gro*schadenslage übernahm er die Verantwortung für die Koordination und Abarbeitung der Krisenlage. Damit wurden klare Strukturen geschaffen und Reibungsverluste vermieden, denn im Falle einer Gro*schadenslage sind alle Einsatzkräfte direkt dem Landrat unterstellt.
„Erst am Morgen danach wurde so richtig deutlich, was Kyrill angerichtet hat“, erinnert sich Landrat Paul Breuer. „Als ich dann im Kreisgebiet unterwegs war, um mir vor Ort einen Eindruck zu verschaffen, habe ich teilweise völlig veränderte Landschaften vorgefunden: Wo vorher Wälder standen sah es nun wie eine Mondlandschaft aus. Auf der Eisenstra*e hatte ich mein Leben lang rechts und links nur Bäume gesehen – plötzlich gab es freie Sicht auf Benfe. Es war erschreckend“, so der Landrat

Aufarbeitung der Schäden
In den Wochen nach Kyrill war der Kreis als Koordinator, Manager und Unterstützer bei der Bewältigung der Orkanfolgen gefordert: „Wo immer möglich, haben wir unbürokratisch Ma*nahmen ermöglicht, die aus unserer Sicht für die Aufarbeitung der Sturmschäden erforderlich waren“, unterstreicht Breuer. So hat der Kreis schnell und flexibel Nasslagerplätze für Sturmholz genehmigt und Ausnahmen vom Sonntagsfahrverbot bzw. von Gewichtsbeschränkungen für Holztransporter erteilt.
„Wesentlich für die Aufarbeitung der Kyrill-Schäden war die enge und zielgerichtete Zusammenarbeit aller Akteure in der Region – insbesondere Regionalforstamt, Waldbesitzer, Städte und Gemeinden und Kreis Siegen-Wittgenstein“, unterstreicht Breuer.
So konnte der Kreis mit der Logistik der Kreisbahn Siegen-Wittgenstein beim Transport der Stämme zu den Sägewerken helfen und hat dafür zusätzliche Verladekapazitäten im Bahnhof Eintracht in Siegen und im Containerbahnhof in Kreuztal geschaffen. Beim Tourismus konzentrierten sich die Bemühungen darauf, den Rothaarsteig als Premium-Wanderweg zum 1. Mai 2007 für Touristen wieder komplett freizugeben – was auch gelang.
Am 27. März 2007 fand auf Initiative der fünf südwestfälischen Kreise in der Siegerlandhalle eine „Regionalkonferenz“ statt, zu der die Landesregierung eingeladen hatte. Der damalige Ministerpräsident Jürgen Rüttgers kündigte dort ein 100-Millionen-Euro Programm für die Wiederaufforstung und die Wegeinstandsetzung an. Daneben stockte das Land ein Programm mit zinsverbilligten Krediten von 80 auf 120 Millionen Euro auf. Zudem sollte Südwestfalen in den Jahren 2008 und 2009 beim Stra*enbau bevorzugt werden.

Konsequenzen für den Katastrophenschutz
„Wir haben festgestellt, dass die enge Kooperation von Krisenstab und Einsatzleitung ganz erheblich zu einer effizienten Bearbeitung der Krisensituation beigetragen hat“, stellt Landrat Paul Breuer rückblickend fest. Dies haben wir verstetigt und u.a. dadurch nachhaltig umgesetzt, dass in der neuen Leitstelle die Räume von Krisenstab und Einsatzleitung direkt nebeneinander liegen“, erläutert Breuer: „Kurze Kommunikationswege zwischen Krisenstab, Einsatzleitung, Kreisbrandmeister und dem Landrat ermöglichen einen ständigen Austausch von Informationen in alle Richtungen.“
Auch die Einsatzabwicklung und Kommunikation auf der Basis von „Meldeköpfen“ in den Städten und Gemeinden habe sich bewährt, so der Landrat. „Damit waren wir dezentral vor Ort in allen Städten und Gemeinden handlungsfähig“, unterstreicht Breuer. Die Meldeköpfe sind mit den Leitern der jeweiligen Feuerwehren oder deren Stellvertreter besetzt. „Die Kommunikation über die Meldeköpfe hat sich in einer solchen Flächenlage als weitgehend ausfallsicher dargestellt“, erläutert Henning Setzer, zuständiger Dezernent für Öffentliche Sicherheit und Ordnung im Kreis Siegen-Wittgenstein.
„Kyrill hat gezeigt, dass sich die Mitglieder des Krisenstabs und der Einsatzleitung kennen und aufeinander eingespielt sein müssen“, sagt Setzer. Im Laufe der vergangenen Jahre wurden daher zahlreiche Übungen von Einsatzleitung und Krisenstab durchgeführt. Auch in weniger dramatischen Situationen trafen sich seither Einsatzleitung und Teile des Krisenstabes immer wieder in der neuen Leitstelle, um die umfangreiche technische Ausstattung besser kennenzulernen und optimal zu nutzen. Dieses Wissen konnte dann zum Beispiel auch zum NRW-Tag in Siegen unter Beweis gestellt werden.
Im September des vergangenen Jahres hat der Krisenstab des Kreises in Zusammenarbeit mit der Bundeswehr auf dem Truppenübungsplatz Stegskopf erfolgreich eine zweitägige Übung durchgeführt. Auch dabei wurde deutlich, dass die Strukturen der Gefahrenabwehr im Kreis Siegen-Wittgenstein gut aufgestellt sind.

Dank für das Engagement der Einsatzkräfte
Positiv bewährt habe sich in der Kyrill-Nacht auch die Zusammenarbeit mit den heimischen Medien, stellt Breuer fest. Diese haben mit ihren Kommunikationsmöglichkeiten dazu beigetragen, die Bevölkerung schnell und sachgerecht zu informieren und damit einer Verunsicherung in dieser schwierigen Situation so weit wie möglich entgegengewirkt.
„Der Kyrill-Einsatz hat einmal mehr die Einsatzbereitschaft und die Einsatzfähigkeit aller Helferinnen und Helfer im Kreis Siegen-Wittgenstein deutlich unter Beweis gestellt. Unterstützt wurden sie dabei von den jeweiligen Arbeitgebern, die unbürokratisch ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Abwesenheit vom Arbeitsplatz ermöglicht haben“, stellen Breuer und Setzer anerkennend fest. Zugleich bedanken sie sich noch einmal nachdrücklich bei allen, die sich in ihrer Freizeit bei den Feuerwehren oder Rettungskräften in Siegen-Wittgenstein engagieren. „Ohne dieses ehrenamtliche Engagement ist die effektive Gefahrenabwehr in Krisensituationen überhaupt nicht möglich“, so ihr Fazit.

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