Bildungs- und Teilhabepaket ermöglicht gemeinsames Mittagessen für die Kleinsten

wS/si  –  Siegen  –  14.05.2012  –  Jetzt Zuschüsse in der Kita beantragen  –  –  –  Mittagszeit ist Essenszeit – so auch in der AWO Kita im Goetheweg in Buschhütten. 22 Jungen und Mädchen werden hier den ganzen Tag über betreut, darunter auch drei unter Dreijährige. Pünktlich um 12:00 Uhr sitzen sie alle an der langen Tafel im Gruppenraum, dort wo sie sonst spielen, basteln und toben. Dann geht die Tür auf zwei Kinder schieben den Essenswagen hinein. Jeden Tag helfen andere Kinder beim Mittagessen mit. Sie machen dies gerne, decken den Tisch, räumen später wieder ab und reichen die Getränke. Als sichtbares Zeichen tragen sie eine Kette „den goldenen Löffel“ – und sind mächtig stolz darauf!

Alle Kinder essen in der Kita gemeinsam zu Mittag. Das klingt wie eine Selbstverständlichkeit, ist es aber nicht. In dieser Form hat das erst das Bildungs- und Teilhabepaket sowie ein Zuschuss des Kreises Siegen-Wittgenstein möglich gemacht. „In der Vergangenheit hatte auch die Stadt Kreuztal das Mittagessen für Kinder aus einkommensschwachen Familien mit einem Euro bezuschusst“, erzählt Narges Ghomlamrezaie, die Leiterin der Kindertageseinrichtung, dankbar, „allerdings reichte diese Unterstützung leider nicht aus.“

Weil ein Mittagessen im Durchschnitt etwa drei Euro kostet, mussten die Eltern in der Vergangenheit noch zwei Euro selber zahlen. „Das klingt nach einer kleinen Summe, hat aber einige Familien an den Rand ihre finanzielle Grenzen gebracht“, sagt die Kita-Leiterin: „Wir haben beobachten müssten, dass Kinder an manchen Tagen nicht gekommen sind, weil die zwei Euro für das Mittagessen die Familie überfordert hätte. Die Eltern wollten ihren Kindern aber auch nicht zumuten, beim Mittagessen zugucken zu müssen. Deshalb haben sie sie dann lieber zuhause gelassen.“

Diese Zeiten sind jetzt vorbei: Das Bildungs- und Teilhabepaket deckt den gesamten Betrag für das Mittagessen bis auf einen Euro ab. Diesen einen Euro übernimmt seit dem 1. Januar dieses Jahres der Kreis, das hatte der Kreistag bei den Haushaltsberatungen im vergangenen Jahr beschlossen. „Damit müssen die berechtigten Familien überhaupt keinen Eigenanteil mehr übernehmen“, sagt Kreissozialdezernent Helmut Kneppe. Einen Anspruch auf diese Unterstützung haben Familien, die „Hartz IV“ (Leistungen nach SGB II), Wohngeld oder Sozialhilfe bekommen, sowie Asylbewerber, die länger als vier Jahre in Deutschland leben.

„Uns war enorm wichtig, den Eltern die Beantragung der Zuschüsse so einfach wie möglich zu machen. Solche Angebote dürfen auf keinen Fall an zu viel Bürokratie scheitern“, betont Helmut Kneppe. Deshalb ermuntert er alle Eltern, die anspruchsberechtigt sind, diese Leistung auch zu nutzen: „Die Eltern können sich einfach an die Kita ihres Kindes wenden. Diese macht dann die organisatorische Abwicklung mit unserem Fachservice Soziales.“ Auch Narges Ghomlamrezaie begrüßt dieses Verfahren: „Für uns hat sich damit der Organisationsaufwand zwar erhöht, aber das machen wir gerne, weil die Kinder enorm davon profitieren“, sagt die Kita-Leiterin.

Dabei geht es ihr aber nicht nur um die Mahlzeit selbst: „Die Kinder lernen viel über gesundes Essen und die Essensgewohnheiten in anderen Ländern“, erzählt sie. Da viele Kinder aus anderen Kulturkreisen die Kita im Goetheweg besuchen, finden sich auch bewusst Gerichte auf dem Speiseplan, die eben nicht typisch deutsch sind. „Manche Eltern wundern sich auch, dass ihre Kinder hier in der Kita Gerichte essen, die sie zuhause niemals essen würden. Das liegt einfach daran, dass sich die Kinder hier viel voneinander abgucken und es neugierig macht, wenn die anderen Dinge essen, die sie selbst noch nicht kennen oder bisher nicht wollten.“

Vieles geschieht durch das Lernen in der Gruppe. Aber auch darüber, dass das Erzieherteam die Kinder an ihrem Essensplan beteiligt. Durch die Kinderkonferenz können sie Vorschläge und Wünsche einbringen. „Und so kommt es, dass bei uns sowohl Pizza und Pommes als auch Fisch und viel frisches Gemüse auf dem Speiseplan stehen! Gesundes Essen ist uns ganz wichtig!“, sagt Narges Ghomlamrezaie.

Bildunterzeile:

Das gemeinsame Mittagsessen in einer Kindertageseinrichtung gehört als ein wichtiger Baustein zum Betreuungsangebot.

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