Regionale Ausbilder-Akademie auf den Weg gebracht

wS/ihk   Siegen    – 13.06.2012  –   „Die Ausbilderinnen und Ausbilder in unseren Betrieben machen einen anspruchsvollen Job mit enormer Verantwortung und den machen sie gut!“ IHK-Vizepräsident Christian F. Kocherscheidt, Geschäftsführender Gesellschafter der EJOT Holding GmbH & Co. KG in Bad Berleburg, sparte im Berufsbildungsausschuss der Industrie- und Handelskammer Siegen (IHK) nicht mit Lob und unterlegte es mit Fakten: „Über alle Berufe hinweg bestehen 90 Prozent der Auszubildenden am Ende ihrer Lehrzeit die Abschlussprüfung. Dies ist vor allem das Verdienst unserer Ausbilder.“ Gerade um diese Leistung zu würdigen und zu unterstützen, brachte der Berufsbildungsausschuss das Projekt „Regionale Ausbilder-Akademie“ für die Kreise Siegen-Wittgenstein und Olpe auf den Weg. Es handelt sich dabei um eine neuartige Fortbildung, die mit einer IHK-Prüfung abschließen soll. Der Ausschuss will hierzu im Herbst eine Rechtsvorschrift beschließen. Der DGB-Kreisvorsitzende Werner Leis signalisierte im Ausschuss die Unterstützung des Konzepts durch die Gewerkschaften: „Die betriebliche Ausbildungsarbeit wird in den nächsten Jahren deutlich an Stellenwert gewinnen. Wir sind daher vom Grundansatz der „Ausbilder-Akademie“ überzeugt. Gut ausgebildeter Nachwuchs setzt hervorragende Ausbilder voraus. Hierzu kann die Akademie einen wichtigen Beitrag leisten.“

Sabine Bechheim vom Berufsbildungszentrum (bbz) der IHK hatte dem Ausschuss das Konzept erläutert: „Das wesentliche Ziel besteht darin, erbrachte Ausbilder-Leistungen anzuerkennen und nachvollziehbar zu machen.“ In drei Stufen könnten Ausbilder sich ihre Kompetenzen bescheinigen lassen. In der ersten Stufe, so das Konzept, genügt der Besuch von Seminarmodulen in den Bereichen fachliche Qualifizierung, Führung und Kommunikation in der Ausbildung sowie Methoden der Ausbildung. Wenn diese durch den IHK-Prüfungsausschuss anerkannt werden, erhält man das Zertifikat „Ausbildungspraktiker/in“. Will man die Prüfung der zweiten Stufe antreten, sind weitere Seminarmodule aus den genannten Themenfeldern und dem Projektmanagement erforderlich. Wer diese Prüfung besteht, ist anerkannte/r „Ausbildungsspezialist/in IHK“. Weitere Seminarmodule müssen schließlich nachgewiesen werden, um nach der dritten Stufe die Prüfung zum/zur „Ausbildungsexperten/-expertin IHK“ zu absolvieren. Sabine Bechheim: „Die Regionale Ausbilder-Akademie stellt sicher, dass die betrieblichen Ausbildungsfachleute genau das lernen, was sie in der Praxis benötigen. Denn das System ist individuell anpassbar. Es können die Seminarmodule ausgesucht werden, die für den verhaltensbezogenen und fachlichen Umgang mit den Jugendlichen am nützlichsten sind.“

Einen weiteren großen Vorteil der geplanten „Ausbilder-Akademie“ verdeutlichte IHK-Geschäftsführer Klaus Gräbener vor dem Ausschuss: „Das System soll unabhängig von einzelnen Anbietern funktionieren. Auch ehrenamtlich erbrachte Leistungen etwa in Prüfungsgremien, in der Jugendarbeit, bei der Feuerwehr oder dem Technischen Hilfswerk können durch den Prüfungsausschuss anerkannt werden, solange sie inhaltlich passen.“ Zudem erlangten die Ausbilderinnen und Ausbilder mit dem Bestehen der Prüfung zum „Ausbildungsexperten/-expertin IHK“ die Berechtigung zu einem Hochschulstudium. Das sei ein wichtiger Schritt für die gesellschaftliche Anerkennung der Kompetenz unserer Ausbilder. Werde die erforderliche Rechtsvorschrift noch im Herbst verabschiedet, könnten die Seminarmodule von interessierten Weiterbildungsanbietern und Unternehmen sofort entwickelt werden. Die IHK Siegen beträte mit dem Modell Neuland. Denn eine derart flexible und individuell anpassbare Vorbereitung auf eine Fortbildungsprüfung für Ausbilder/-innen gebe es zumindest in Nordrhein-Westfalen noch nicht.

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