"Wochen der Wahrheit": Sportfreunde müssen Stürmer-Ausfälle kompensieren

wS/jk – Siegen – 16.11.2012 – Das Trainer-Karussell in der Regionalliga West nahm Anfang der Woche unerwartet Fahrt auf. Direkt davon betroffen ist der nächste Gegner der Sportfreunde Siegen – der Wuppertaler SV. Der ehemalige Bundesliga-Verein trennte sich von Trainer Hans-Günter Bruns und nur einen Tag später erklärte Heiko Scholz bei Tabellenführer Viktoria Köln seinen plötzlichen Rücktritt. Eine weitere Personalie bringt zudem Brisanz in die bevorstehende Partie der Krönchenstädter am Sonntag (14.30 Uhr) gegen den Traditionsklubs aus dem Bergischen Land: Das Wuppertaler Team betreut der Ex-Siegener Jörg Jung.

Der Coach aus dem Rheinland war zu Beginn der Saison 2009/2010 knapp vier Monate lang in der ebenso kurzen Ära des Managers Gerd Kehrberg als Cheftrainer in Diensten der Sportfreunde. Als Co-Trainer heuerte Jung nach seiner Demission in Uerdingen bei den Wuppertalern an, die ihn bereits vor seiner Zeit in Siegen als Jugendtrainer beschäftigten. Interimsweise übernimmt er nach der Bruns-Entlassung das WSV-Team und kehrt nach seinem Gastspiel im April mit dem KFC Uerdingen zum zweiten Mal in diesem Jahr ins Leimbachstadion zurück.

Bereitet ihm die Besetzung der Stürmer-Position schlaflose Nächte? Siegens Trainer Michael Boris muss seinen Angriff für das Spitzenspiel gegen Wuppertal umbauen. Foto: wirSiegen/Archiv

Der Trainerwechsel in Wuppertal könnte zu einem Motivationsschub bei den Akteuren des kommenden Gegners beitragen, warnt Michael Boris. „Die Spieler werden motiviert auftreten und wie ausgewechselt spielen“, erwartet der Sportfreunde-Trainer, der mit Siegen den schon zu Jungs Amtszeit anvisierten Aufstieg in die Regionalliga schaffte. Wuppertal habe Qualität und sei vor allem bei Standardsituationen gefährlich, so Boris weiter.

Wiedersehen mit Ex-Trainer Jörg Jung

Der WSV-Torjäger Christian Knappmann, mit zehn Treffern in der Torschützenliste direkt hinter dem Siegener Sven Michel (12 Tore) auf Rang zwei, sei zwar kein lauffreudiger Stürmer, doch er stehe immer goldrichtig, wenn die Wuppertaler Mittelfeldspieler wie Kapitän Tom Moosmayer, Andre Wiwerink oder Flügelflitzer Marcel Landers lange Bälle in den Strafraum bringen. „Daher gilt es Flanken aus dem Halbfeld zu verhindern“, gibt Michael Boris seiner Truppe mit auf den Weg.

Über den Kader des Wuppertaler SV, der für die Siegener die vier „Wochen der Wahrheit“ – es geht zudem gegen Lotte, Oberhausen und Essen – einläutet, ist der Cheftrainer bestens im Bilde. „Egal ob sie mit Dreier- oder Viererkette spielen werden: Wir wissen, wie wir uns gegen den Ball zu verhalten haben“, beteuert Boris. Wegen der turbulenten Entwicklungen bei den Konkurrenten zu Wochenbeginn hatte er nach eigenem Bekunden „keine schlaflosen Nächte“.

Denn der Sportfreunde-Coach musste sich mehr Gedanken um sein Team machen. Im Angriff stehen den Siegenern eigene Probleme ins Haus: Stürmer René Lewejohann fehlte bereits in Bochum wegen Kreislaufproblemen in Folge einer zweiwöchigen Antibiotika-Behandlung und fällt weiter aus. Zudem hat sich Wojciech Pollok im Training erneut einen Muskelfaserriss zugezogen. Dadurch ist die Stürmer-Position neu zu besetzen. Boris: „Wir haben genug Stürmer im Kader, um das Loch schließen zu können.“

Lewejohann und Pollok fallen aus

Doch beim Blick auf die Kaderliste steht neben dem ohnehin schon auf Linksaußen gesetzten Sven Michel einzig Sinisa Veselinovic als mögliche Alternative Gewehr bei Fuß. Die einfache Lösung könnte also lauten, den vom Hamburger Oberligisten SV Curslack-Neuengamme im Sommer nach Siegen gewechselten Stürmer erstmals in die Startformation zu berufen. Zwei weitere Varianten sind jedoch wahrscheinlicher.

Beide Möglichkeiten haben gemeinsam, dass Waldemar Schattner seine Rolle als rechter Außenverteidiger aufgibt und der Ex-Wuppertaler wieder ins Mittelfeld rückt. Wie schon in Bochum umgesetzt, würde Richard Weber in diesem Fall die linke Abwehrseite beackern, während Serkan Dalman auf seinen angestammten Platz auf rechts zurückkehrt. Die Innenverteidiung bilden dann Leon Binder und der wieder genesene Christoph Klippel.

Bis zu 2.500 Zuschauer erwartet

In jedem Fall will Trainer Michael Boris an seinem Spielsystem (4-2-3-1) festhalten. „Daran werde ich die ganze Saison über nichts verändern“, stellte er klar. Zurück zur Offensive: Startet Schattner nun auf dem rechten Flügel, was in einer frühen Saisonphase bereits eine gute Lösung darstellte, könnte Julian Jakobs die Sturmspitze bilden.

Alternativ könnte Schattner auch auf der Zehner-Position spielen. Dadurch müsste André Dej auf die linke Außenbahn weichen und Top-Torjäger Sven Michel wäre dann die einzige nominelle Spitze in der Boris-Elf.

Fest steht jedenfalls, dass Michael Boris am Sonntag im Leimbachstadion den erwarteten 2.000 bis 2.500 Zuschauern eine adäquate Lösung präsentieren wird – selbst dann, wenn es bis dahin noch schlaflose Nächte geben sollte.

Bericht: Jürgen Kirsch

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