Wohnideen für das August-Hermann-Francke-Haus

wS/dsw  –  Bad Laasphe  –  22.02.2013  –  Mit dieser Kooperation betraten Diakonie Sozialdienste und Universität Siegen gleichermaßen Neuland: Architekturstudenten entwickelten Zukunftsvisionen für eine Einrichtung, die das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung nach dem Konzept der Inklusion ermöglicht. Modell dafür stand das August-Hermann-Francke-Haus in Bad Laasphe – ein diakonisches Wohnheim, in dem 26 Menschen mit psychischen Erkrankungen leben. Jetzt eröffneten Verantwortliche von Diakonie Sozialdiensten und Universität Siegen gemeinsam mit Architekturstudenten die aus der Zusammenarbeit hervorgehende Ausstellung „Inklusive Wohngemeinschaften“. Bis Mittwoch, 27. Februar, können Interessierte 15 der insgesamt 28 erstellten Pläne und Modelle im Haus des Gastes (Bad Laasphe) betrachten. Wie der Ausstellungstitel lautete auch das Thema für die Entwurfsideen. Professor Michael Lenhart (Department Architektur, Universität Siegen) leitete das Projekt seitens der Universität und machte den Studenten für ihre Pläne konkrete Vorgaben. So galt nicht nur, dass Menschen mit und ohne Behinderung in der geplanten Einrichtung miteinander in Kontakt kommen sollen. Ebenfalls mussten Lage, Gebäude und inhaltliche Anforderungen des August-Hermann-Francke-Hauses berücksichtigt werden. In gemeinsamen Treffen informierten Heimleiterin Margit Haars und Geschäftsbereichsleiter Wohnen Achim Krugmann über das Leben in der Einrichtung. Darüber hinaus machten sich die 50 teilnehmenden Studenten während Besuchen in dem Wohnheim ein eigenes Bild von Räumen und Zusammenleben. Bei der Gebäudeplanung orientierten sich die angehenden Architekten vor allem an den Richtlinien des Wohn- und Teilhabegesetzes. Dieses beinhaltet beispielsweise Vorgaben für Zimmergrößen, sanitäre Anlagen und Barrierefreiheit, die in fünf Jahren umgesetzt sein müssen. „Für uns war wichtig, dass in den Plänen neue bauliche Maßnahmen berücksichtigt werden und Altbewährtes mit einfließt“, erklärt Haars. Ebenso müsse geschaut werden, wie sich die Nutzung der Einrichtung in den kommenden Jahrzehnten verändert. „Auch behinderte Menschen werden glücklicherweise immer älter, was den Anspruch an das Gebäude erhöht.“ Wie Inklusion gelebt werden kann, zeigen die Pläne der Studenten in ganz unterschiedlicher Form: Simon Prinz und Tobias Wittke entwickelten beispielsweise ein Modell, in dem ein Wanderweg durch das August-Hermann-Francke-Haus verläuft. „Mit diesem Konzept möchten wir Bürger mit den Bewohnern in Kontakt bringen“, erklärt Prinz. Küche und Werkstatt der Einrichtung sind dem Weg angegliedert. „So können die Wanderer schauen, was die Bewohner hier erarbeiten“, sagt Prinz. „Inklusion passiert auf diese Weise ganz selbstverständlich und ohne Zwang“, lobt Lenhart die Idee. Die Räume seien verschieden nutzbar und könnten durch leicht zu entfernende Trennwände von Einzelpersonen aber auch Familien bewohnt werden, erläutert Prinz. „Möglich wird damit, dass Menschen mit Behinderung unmittelbar neben einer ‚ganz normalen’ Familie leben können.“ Eine andere Weise des inklusiven Wohnens zeigt der Entwurf von Anna Maria Niederschlag. Sie plante ein dreistöckiges Gebäude in dessen Erdgeschoss sich Bewohner und Öffentlichkeit treffen können. Hier gibt es unter anderem eine Bibliothek und ein Café. Für ihr Modell erhielt Niederschlag bereits den Preis des Bundes deutscher Architekten. „Es freut mich zu sehen, wie gut unsere Studenten ihre Ideen umgesetzt haben“, sagt Lenhart. Und auch insgesamt sind sich alle Beteiligten einig, dass die Kooperation für beide Seiten bereichernd ist: „Die Pläne der Studenten ermöglichen uns zu sehen, wie inklusives Wohnen aus architektonischer Sicht realisiert werden könnte“, äußert Krugmann für die Diakonie. Und auch Lenhart bestätigt, dass es für Studenten immer wichtig sei, nah an der Realität zu arbeiten.

Bildunterschrift:

Tobias Wittke und Simon Prinz (Mitte links und rechts) sowie 50 weitere Architekturstudenten der Universität Siegen zeigen ihre inklusiven Wohnmodelle für das August-Hermann-Francke-Haus in Bad Laasphe. Professor Bernd Broghoff (Universität Siegen), Margit Haars (Einrichtungsleiterin), Achim Krugmann (Geschäftsbereichsleiter Wohnen bei den Diakonie Sozialdiensten) Dr. Torsten Spillmann (Bürgermeister Bad Laasphe) und Professor Michael Lenhart (Universität Siegen) eröffneten die zugehörige Ausstellung im Haus des Gastes in Bad Laasphe (von rechts).

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