Weg für Freisetzung von acht Wisenten im Rothaargebierge geebnet

wS/jk – Bad Berleburg – 08.04.2013 – Mit der Unterzeichnung eines öffentlich-rechtlichen Vertrags im Schloss Berleburg ist der Weg für die Freisetzung von acht Wisenten in einem etwa 4.300 Hektar umfassenden Privatareal im Rothaargebierge geebnet. Der Kontrakt, der zwischen dem Kreis Siegen-Wittgenstein, der Bezirksregierung Arnsberg, dem Landesbetrieb Wald und Holz NRW, dem Trägerverein Wiesent-Welt-Wittgenstein und der Wittgenstein-Berleburg’schen Rentkammer geschlossen wurde, stellt die Grundlage für die Freisetzung der kleinen Herde, die am kommenden Donnerstag erfolgen wird.

Freilaufende Wisente sind in Mitteleuropa einmalig. „Damit betreten wir Neuland“, sagte Landrat Paul Breuer. Nach zehn Jahren des Engagements freute er sich gemeinsam mit Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg, NRW-Umweltminister Johannes Remmel, Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann, Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann, Forstdirektor Johannes Röhl und Edgar Reisinger vom Trägerverein Wisent-Welt-Wittgenstein sowiel Kreisdirektor Frank Bender über diesen Meilenstein.

Auch die benachbarten Kreise Olpe und Hochsauerland hatten ihre Unterschrift unter die Vereinbarungen gesetzt, die die dauerhafte Etablierung einer frei lebenden Wisentherde im Rothaargebierge von maximal 25 Tieren rechtlich, organistorisch und auch veterinärsspezifisch regeln. Der jetzt geschlossene Vertrag löst jenen vom 25. Juni 2008 ab. Die so genannte „Freisetzungsphase“ für das vom Aussterben bedrohte „größte europäische Landsäugetier“ ist auf mehrere Jahre angelegt.

Neuer Lebensraum für die Wisentherde wurde im Rothaargebierge gefunden. Schon vor zehn Jahren hatte Richard Prinz zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg die Idee von freilebenden Wisenten im Wittgensteiner Wald. „Nun wurde ein bedeutender Schritt gemacht, um zu zeigen, dass sich Naturschutz und Bewirtschaftung des Waldes ergänzen können“, sagte er. Eine Vision wird Wirklichkeit.

Bis die Wisente, deren Eigentümer nach wie vor der Trägerverein Wisent-Welt-Wittgenstein bleibt, im Sinne des Zivil- und Jagdrechtes „herrenlos“ werden und in freier Natur leben können, wird noch viel Wasser die Eder hinunter laufen. „Doch jetzt beginnt die aufregende Laborphase“, so Landrat Paul Breuer. Spannend werde es zu beobachten, wie die Wisente ihren Platz in der Natur- und Tierlandschaft im Rothaargebierge erschließen.

An dem „Wisent-Projekt“ sind viele Behörden, Institutionen, Verbände und Personen beteiligt – ein „Mammut-Projekt also. „Es freut mich, dass sich über institutionelle Eitelkeiten hinweg gesetzt wurde, sonst wäre dieser Vertrag heute nicht unterzeichnet worden“, betonte Paul Breuer. „Die Wisente sind eine Bereicherung des Ökosystems und das Rothaargebierge hat nun eine touristische Attraktivität hinzu gewonnen, während der öffentlichen Sicherheit natürlich ebenso Rechnung getragen wird“, sagte Regierungspräsident Dr. Gerd Bollermann.

NRW-Umweltminister Johannes Remmel bezeichnete die Freisetzung der Wisente als „besonderen Akt des Artenschutzes“. Bad Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann, der gleichzeitig der Vorsitzende des Trägervereins ist, sprach derweil von einer „einzigartigen Erfolgsgeschichte“, die durch bürgerschaftliches Engagement ermöglicht wurde. Am Donnerstag, 11. April 2013 werden acht Wisente im einem Auswilderungsgehege angesiedelt.

In der „Freisetzungsphase“, die eine Koordinierungsgruppe unter Vorsitz von Landrat Paul Breuer begleitet, werden die Tiere veterinärmedizinisch betreut und ihr Verhalten beobachtet. Außerdem findet ein Fütterungs- und Flächenmanagment statt. Für die Überwachung werden die Leitkuh und der erwachsene Bulle mit Telemetriehalsbändern ausgestattet. Beispielsweise für Wildschäden durch die Wisente haben die Vertragspartner eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen.

Bericht & Fotos: Jürgen Kirsch
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