Syrische Flüchtlinge lernen Schach und Deutsch

(wS/nk) Neunkirchen 04.04.2016 | Wie funktioniert Integration, wenn man die Sprache des Landes, in dem man Zuflucht gefunden hat, nicht spricht? Diese Frage stellte sich auch Haysam al Doukhi, als er gemeinsam mit seinen beiden Brüdern und seiner Schwester nebst Mann und Kind vor sechs Monaten nach Neunkirchen kam. Vor Ort lernte er Yamen el Medyeb kennen. Der gelernte Dekorateur hatte seine Leidenschaft für das Schachspiel wiederentdeckt und besucht seit einiger Zeit die Trainingsabende der Hellertaler Schachfreunde. Schnell konnte el Medyeb al Doukhi für das Spiel mit Bauer, Läufer, König und Dame gewinnen.

Im Dorfgemeinschaftshaus in Zeppenfeld lernte die Familie al Doukhi den Vorsitzenden des Vereins Werner Weber kennen, der ihnen ein Schachspiel und ein Lehrbuch schenkte. „Die Regeln sind überall gleich. Schach ist ein multikulturelles Spiel und es bedarf nicht vieler Worte“, weiß Weber. Und Wolfgang Petri, Jugendleiter der Hellerthaler Schachfreunde, freut sich, dass neben Haysam inzwischen auch die beiden jüngeren al-Doukhi-Brüder Machmoud und Mohammed Freude am „Spiel der Könige“ gefunden haben.

Integration mit dem Spiel der Könige: Über das Schachspiel haben sich Werner Weber, Wolfgang Petri (hinten) die al Doukhi Familie und Yamen el Medyeb (hinten rechts) kennengelernt. Foto: Gemeinde

Integration mit dem Spiel der Könige: Über das Schachspiel haben sich Werner Weber, Wolfgang Petri (hinten) die al Doukhi Familie und Yamen el Medyeb (hinten rechts) kennengelernt. Foto: Gemeinde

In Werner Weber hat Haysam nicht nur einen Mitspieler, sondern auch einen Mentor zum Deutschlernen gefunden. Regelmäßig treffen sich die beiden und Haysam ist mit großer Begeisterung und viel Ehrgeiz dabei. „Er hat eine sehr gute Auffassungsgabe und sich binnen kurzer Zeit durch vier Lehrbücher gearbeitet. Derzeit beschäftigt er sich mit dem Band für Fortgeschrittene“, lobt Weber seinen Schüler.

Für Haysam al Doukhi ist das selbstverständlich. Er sei wegen des Krieges aus Syrien geflüchtet und wolle in Deutschland schnellstmöglich in Lohn und Brot kommen und Teil der Gesellschaft werden. Dafür müsse man „nicht nur die Sprache, sondern auch die Kultur des Landes lernen“, so al Doukhi. Er habe zwar sein Zuhause in Syrien verloren, bedauert er, aber die Menschen in Neunkirchen gäben ihm „ein Gefühl von einem Zuhause“. Der Computeringenieur aus Daraa im Süden Syriens möchte nun gern ein Praktikum im Computerbereich absolvieren und dort seine Kompetenzen und Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Während seine jüngeren Brüder noch die Kopernikusschule besuchen, unterstützt al Doukhi gemeinsam mit seinem Freund und Schachpartner Yamen el Medyeb auch das Team der Kleiderkammer bei der Ausgabe von Waren. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer um Hannelore Marquardt sind von dem Engagement der beiden Männer beeindruckt. „Wir sind richtig froh. Yamen und Haysam sind sehr motiviert, helfen uns bei Verständigungsproblemen und achten darauf, dass bei der Ausgabe der Kleidungsstücke und Haushaltsgegenstände alles reibungslos vonstattengeht“, fasst Marquardt zusammen. Dennoch würde sie sich für die beiden Syrer freuen, wenn diese eine Beschäftigung fänden, die ihrer Ausbildung entspricht. „Wir hoffen, dass sie eine Chance bekommen, das haben Beide verdient“ sind sich Hannelore Marquardt und Werner Weber einig.

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