Falsche Polizisten! Seniorin überweist über 4.000 Euro an „Lockvogel“ in Türkei

Polizei warnt erneut vor falschen Polizisten am Telefon / Seniorin überweist über 4000 Euro an „Lockvogel“ in Türkei / Erfolglos: Trick mit falschem Haftbefehl wegen Kinderpornografie

(wS/ots) Siegen-Wittgenstein 27.01.2017 | Bereits Anfang der Woche warnte die Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein vor falschen Anrufern, die sich am Telefon als Polizisten ausgeben und ihre Opfer nach Vermögenswerten ausfragen. Die Täter nutzen das sogenannte „Spoofing“, ein technisches Verfahren, das es den Betrügern möglich macht, eine andere Telefonnummer beim Angerufenen erscheinen zu lassen. So beispielsweise die 110 oder die Telefonnummer des Polizeibezirksdienstes in Hilchenbach.

Symbolfoto

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Unter dem Vorwand, dass bei den Angerufenen ein Einbruch geplant (gewesen) sei, nahm ein angeblicher Polizeibeamter namens Wagner telefonisch Kontakt mit mehreren älteren Bürgern im Raum Hilchenbach auf und versuchte dabei geschickt, diese nach möglichen Bargeldbeständen oder dem Vorhandensein von Schmuck und Wertgegenständen im Haus auszufragen.

Hilchenbacherin überweist über 4000 Euro an „Lockvogel“ in der Türkei

Erst jetzt wurde bekannt, dass die Telefonbetrüger in einem Fall mit ihrer hinterhältigen, perfiden Masche auch Erfolg hatten. Eine 81-jährige Hilchenbacher Seniorin wurde dabei um über 4000 Euro erleichtert.

Auch bei der 81-Jährigen hatte sich seit Montag mehrfach der „Kollege Wagner“ – diesmal sogar von der (tatsächlich nicht existenten!) Kripo Hilchenbach gemeldet. Er fragte die Seniorin zunächst einmal, ob sie denn gehört habe, dass kürzlich in der Konrad-Adenauer-Straße ein Betrüger-Paar mit türkischen Wurzeln von der Polizei festgenommen worden sei. Dieses Paar sei dann anschließend in die Türkei ausgewiesen worden.

Nachdem die Hilchenbacherin zur Antwort gab, dass sie davon noch nichts gehört habe, unterbreitete der falsche Polizist ihr den Vorschlag, dass sie als Lockvogel fungieren solle, um der Polizei dabei zu helfen, weitere Täter in der Türkei dingfest zu machen. Bei den festgenommenen Personen – so der hinterhältige Herr Wagner gegenüber der 81-Jährigen weiter – habe man übrigens ein Schriftstück mit ihren (vermeintlichen!) persönlichen Daten und dem Hinweis gefunden, dass die 81-Jährige mehrere Sparbücher habe und alleine lebe.

Während des Gespräches mit Herrn Wagner sagte dieser dann plötzlich, „Da kommt ja gerade der Staatsanwalt Bach ins Dienstzimmer, der kann es Ihnen das ja auch noch einmal erklären….“ Der falsche Staatsanwalt erläuterte der 81-Jährigen dann am Telefon nochmals ausführlich das von den „Ermittlern“ geplante Prozedere zur Festnahme weiterer Straftäter in der Türkei. Dabei war dann auch die Rede davon, dass man in der Türkei mit einem Lockvogel zusammenarbeite. Schließlich bat man die 81-Jährige „….um die Glaubwürdigkeit bestimmter Handlungen offiziell zu demonstrieren…“ um 5000 Euro.

Die Seniorin begab sich daraufhin am Dienstag mit einem Taxi zu ihrem Bankinstitut, hob dort die geforderte Summe ab und zahlte diese – nach genauer Anweisung des falschen Polizisten – bei einem Reisebüro in Weidenau über einen elektronischen Transaktionsdienst direkt an den vermeintlichen Lockvogel in der Türkei, der daraufhin auch sofort das dorthin überwiesene Geld abhob.

Nachdem sich der angebliche Polizist Wagner entgegen vorherigen Absprachen dann aber im weiteren Verlauf nicht mehr bei der 81-Jährigen meldete, nahm die Hilchenbacherin unter der tatsächlichen Rufnummer des Hilchenbacher Bezirksdienstes Kontakt mit der dortigen Polizeidienststelle auf und musste dabei erfahren, dass der „Kollege Wagener“ dort nicht existiert und dass sie Opfer hinterhältiger Betrüger geworden war.

Der Trick mit dem falschen türkischen Haftbefehl

Am Mittwochmittag erhielt ein Senioren-Ehepaar in Netphen ebenfalls mehrere Anrufe falscher Polizisten.

Hier meldete sich aber zunächst einmal nicht der Hilchenbacher Bezirksdienst, sondern erst einmal das (angebliche) Bundeskriminalamt. Dem überraschten 81-jährigen Ehemann wurde dann mitgeteilt, dass gegen ihn ein türkischer Haftbefehl wegen Kinderpornografie vorliege. Nachdem der 81-Jährige Zweifel am Vorliegen eines solchen Haftbefehls äußerte, da meldete sich in einem zweiten Telefonat wiederum der falsche Bezirksdienstbeamte aus Hilchenbach und bestätigte die Anschuldigungen seiner BKA-Kollegen. Es folgten dann am Mittwoch und Donnerstag noch mehrere Telefonate der Betrüger mit dem Hilchenbacher Senior, bei denen ihm schließlich angeboten wurde, den Haftbefehl gegen Zahlung von 20 000 Euro zu erlassen. Dazu sendete man dem 81-Jährigen über seine E-Mail Adresse sogar einen vermeintlichen Vertrag im Namen des BKA über die Einhaltung seiner Schweigepflicht zu, den er unterschrieben zurücksenden sollte.

Glücklicherweise – und aufgrund der Cleverness des in diesem Fall angerufenen Seniors – scheiterte dieser gemeine Betrugsversuch jedoch und die Polizei wurde noch rechtzeitig hinzugezogen.

Die Kreispolizeibehörde weist ausdrücklich darauf hin, dass ein Beamter Wagner keinen Dienst beim Bezirksdient Hilchenbach versieht.

Die Polizei rät zudem nochmals dringend:

Die Polizei ruft niemals über die Rufnummer 110 oder sonstigen amtlichen Telefonnummer bei Ihnen an und fragt Sie nach Geld oder Wertsachen aus.

Seien Sie bitte vorsichtig! Geben Sie solche Daten niemals am Telefon preis. Gegenüber niemanden! Und lassen Sie grundsätzlich keine fremde Personen in Ihr Haus bzw. Ihre Wohnung!

Sollten Sie dubiose Telefonate erhalten, legen Sie auf und melden Sie sich in jedem Fall umgehend unter dem tatsächlichen Polizeiruf 110.

Sollten Sie den geringsten Zweifel an der Echtheit von Anrufern bzw. Personen vor Ihrer Haus- oder Wohnungstür haben, rufen Sie direkt über den polizeilichen Notruf 110 die echte Polizei. Das Wählen einer Vorwahl ist dabei nicht erforderlich. So können Sie schnell und einfach verhindern, dass Sie Opfer von dreisten Straftätern werden, die sich als Polizisten ausgeben.

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