Lions Siegen-Krönchen engagieren sich für Zukunft der Kinder

Deutschlands bekanntester Kinderrechts-Experte Professor Jörg Maywald zu Gast in Siegen. Erzieherinnen über Programm zur Stärkung der Kinder informiert.

(wS/ots) Siegen 07.04.2017 | Eine brandaktuelles Thema wurde letzte Woche im Haus der Siegerländer Wirtschaft vorgetragen: „Kinder fördern, schützen, beteiligen.“ Eben erst in der öffentlichen Diskussion über den UN-Kinderrechtsentwurf und als Entwurf unter Partizipation des Experten Jörg Maywald vorgestellt durch die amtierenden Bundesminister Schwesig und Maas, nun real in Siegen bereits im Umsetzungsmodus durch das Lions Programm Kindergarten Plus: Der Lionsclub Siegen-Krönchen hatte Erzieherinnen und Erzieher, Grundschullehrerinnen und Grundschullehrer aus dem Siegerland zu einem Vortrag des wohl derzeit renommiertesten Kinderrechtsexperten Deutschlands gebeten.

Professor Jörg Maywald (Foto: privat)

Neben seiner geschäftsführenden Tätigkeit fungiert Jörg Maywald seit 2002 als Sprecher der National Coalition für die Umsetzung der UN- Kinderrechtskonvention in Deutschland. Er lehrt als Honorarprofessor an der Fachhochschule Potsdam und ist der Verfasser zahlreicher Publikationen und Bücher. Daneben unterstützt er deutschlandweit Erzieherinnen und Erzieher bei der Umsetzung des Programms Kindergartenplus zur Stärkung der Persönlichkeit 4- 5 jähriger Kinder in der KITA. Er propagiert eine individuelle Pädagogik, die Kindern viel zutraut und vom Bedürfnis des Kindes ausgeht. Von Fachkräften erwartet er: „ Klarheit, insbesondere Rollenklarheit, Selbstreflexion, Empathie und eine gehörige Portion Humor“. Seinen größten beruflichen Erfolg sieht Jörg Maywald in seiner Mitbeteiligung an der Gesetzesänderung zum Recht für Kinder auf gewaltfreie Erziehung, die im Jahr 2000 verabschiedet wurde. Als international, gut und vorbildlich bezeichnet er die Formulierung des Gesetzes, aktiv aus Kindersicht: “Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung“. Derzeit arbeitet er intensiv und erfolgreich am nächsten großen Meilenstein mit:“ Wir wollen die Kinderrechte in die Verfassung bringen“.

„Die Lions haben den Wandel der Kindheit, der Familien und die Veränderung der Rollenbilder von Mann und Frau bewusst im Focus. Wir interessieren uns für die wichtige pädagogische Arbeit in KITA und Schule, wertschätzen diese und wissen um deren Bedeutung. Die Pädagogen unserer Zeit haben immer vermehrter Anteil an der Erziehung und Prägung unserer jüngsten Gesellschaftsmitglieder, sie arbeiten damit indirekt an unser aller Zukunft mit, denn unsere Kinder werden die Entscheidungsträger von morgen sein“ so die Präsidentin des Lionsclubs Siegen-Krönchen, Ingeborg Kellnhofer, in ihrem Grusswort.

Deutschlands bekanntester Kinderrechts-Experte Professor Jörg Maywald zu Gast in Siegen. (Foto: R.Friedla)

Ein besonderer Dank der Clubpräsidentin ging an Clubmitglied und Kabinettsbeauftragten für Kind, Familie und Gesellschaft Heribert Kellnhofer für seine unermüdliche und überzeugte Initiative, der Clubbeauftragten für Kinder und Jugend, Ansprechpartnerin für die Förderung von Kindergartenplus Kerstin Treude für ihren Einsatz, Herrn Oberstudiendirektor Bernhard Breuer vom Berufskolleg für Sozialpädagogik für sein Engagement und hervorragende Zusammenarbeit und Herrn Prof. Dr. Jörg Maywald, Liga für das Kind, Berlin für seine Vorträge und der praktischen Hinführung zum Programm Kindergartenplus direkt mit den Auszubildenden des Berufskollegs für Sozialpädagogik und zahlreichen interessierten Pädagoginnen und Pädagogen aus der Region. Begrüsst werden konnte auch Zonechairperson und Vizegovernor Edelbert Schilling vom LC Bad Marienberg.

Professor Jörg Maywald informierte über das Programm „Kindergarten Plus, einem Präventionsprogramm zur Stärkung der kindlichen Persönlichkeit, als Initiator des Projektes hat er maßgeblich an dessen Entwicklung mitgearbeitet. Bisher beteiligen sich deutschlandweit rund 2300 Kitas an diesem Programm. „Ich möchte mit dieser Veranstaltung wichtige Entwicklung von emotionaler und sozialer Kompetenz bei Kindern in den Kindertagesstätten hinweisen und Wege der Förderung verdeutlichen“, sagte der Experte.

Maywald möchte sich gesellschaftspolitisch einmischen – angesichts des Wandels von Kindheits- und Rollenbildern sei es höchste Zeit, auch die Förderprogramme zu adaptieren, so der Kinderrechtsbefürworter. Es werden wegen der Berufstätigkeit beider Eltern immer mehr Kinder ganztags betreut. Die Erzieherinnen übernehmen damit heute mehr als früher eine wichtige Ratgeber- und Vorbildrolle in der kindlichen Entwicklung. Die Kinder sollen sich selbst und andere mit ihren Eigenarten und Gefühlen wahrnehmen, Körperbewusstsein entwickeln, Konflikte gewaltfrei lösen, Kompromisse schließen, „nein“ sagen lernen, selbstbewusst werden.“

Warum denn eigene Kinderrechte? Haben wir nicht Gesetze genug?

„Kinder sind keine kleinen Erwachsenen“ so Maywald, sie haben eigene Bedürfnisse und Erzieher sind verpflichtet, die Meinung des Kindes altersspezifisch zu berücksichtigen. Kinder wollen z.B. spielen – und nicht bildungsorientiert spielen“ so der Pädagoge. Das werde in den bisherigen gesetzlichen Regelungen nicht adäquat berücksichtigt, inzwischen seien Gesetzeslücken durch die Praxis offenbar geworden, die eine Novellierung erforderlich machten“ so der Experte. Der Kinderrechtsansatz sei ein weltweiter Ansatz, getragen von drei wesentlichen Säulen: Kinder sollen geschützt, gefördert und an Entscheidungen ihrer Lebensgestaltung beteiligt werden. Und genau dieser Ansatz sei Grundlage einer eigenen Kinderrechtsnovellierung.

Werte vermitteln – ja welche denn?

Aufgabe der Kita sei es auch, Werte und Regeln zu vermitteln – „ja welche denn außer den, die wir selbst seit Jahrzehnten kennen und vermitteln – und passen die noch alle in unsere heutige Situation?“ fragte Maywald. „Wir brauchen heute eine auch die globalen Entwicklungen berücksichtigende Werte -und Regelerziehung“ – das zeige der Alltag in den Kitas jeden Tag. Dafür sei es erforderlich, Standards in Erziehungsbereichen zu setzen, um der Entmischung und Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken. Vorurteile bei sich selbst seien aufzudecken und ggf. zu hinterfragen auf postmoderne Eignung. Gelegentlich böten Beschwerden der Eltern auch die Option an, Schwachstellen in der Gesetzgebung oder im Kita-Alltag aufzudecken.“ Wie das Beispiel aus einer Kita zeigt: „Wer entscheidet denn wie aufgrund von was, wenn eine arabischstämmige Mutter sich darüber beschwert, dass ihre Tochter sich im Gruppen-Sportraum gemeinsam mit den Jungs umziehen soll?“ so Maywald. Hier gehe es darum, jeweils in den Schuhen der einzelnen Beteiligten zu gehen, deren Perspektive und Wertesystem zunächst überhaupt zu erfassen, damit gemeinsam eine Lösung gefunden werden könne. Pauschalitäten und traditionelle Sichtweisen greifen heute nicht mehr unbedingt. Da sind wir schnell am Ende mit unserem Lösungslatein“.

„Insgesamt war der Vortrag gut besucht und wird seine positiven Auswirkungen im Sinne von „Kindergarten Plus“ in den Kindertagesstätten zeigen“, freute sich Lions Kabinettsbeauftragter Heribert Kellnhofer über das Interesse an dieser Auftaktveranstaltung.
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