Eine Straßenwärterin macht ihrem Ärger Luft und erklärt den Winterdienst

(wS/red) Siegen-Wittgenstein 19.12.2017 | Heute erreichte die wirSiegen.de-Redaktion der Leserbrief einer Straßenwärterin, die hier im Kreisgebiet ihren täglichen Dienst verrichtet (der Name ist der Redaktion bekannt). Da all die Straßenwärterinnen und Straßenwärter, die dieser Tage den Winterdienst verrichten, häufig beschimpft und beleidigt werden, hat sich ihre Kollegin die Zeit genommen, um auf die Probleme ihrer Arbeit im Winter hinzuweisen. Diese Zuschrift wollen wir unseren Leserinnen und Lesern nicht vorenthalten.

Ich muss Tag und Nacht auf vereister und verschneiter Straße die Arbeit erreichen. Wie immer ist noch nicht gestreut. Ach so, das ist ja meine Aufgabe. Ok ,ich könnte natürlich 24 Stunden auf der Meisterei verbleiben. Vorteil: Kurzer Arbeitsweg, Nachteil: Meine Wohnung ist nicht weiter vermietbar.

Es stehen uns 9 Fahrzeuge für ca. 300 km Straßenlänge zur Verfügung. Dies bedeutet pro Fahrzeug ein Streubezirk von ca. 33,33 km. Nicht viel, wenn dieser hinterhältige Schnee beim ersten Streuvorgang verschwinden würde, jedoch ist es nicht auszuschließen, dass die Streurouten mehrmals abgestreut oder geräumt werden müssen. Das heißt, bei dreimaligem Abfahren der Straßen liege ich laut Adam Riese schon bei ca. 100 km Länge. Wenn ihnen nun der Winterdienst zu lange dauert, dann können sie sehr gerne ein Stück Straßennetz zur Betreuung erwerben.

Streufahrzeuge wirken kraftvoll und stark, doch auch wir müssen uns den Straßenverhältnissen anpassen. Leider können auch wir nicht mit Tempo 100 über die weiße Pracht rasen, denn das Salz kommt altertümlich immer noch hinter dem Fahrzeug raus.

Da das Salz während der Fahrt nicht nachwächst, müssen wir öfter zu den uns vorgegebenen Ladestellen (Salzhallen) fahren. Zeitsparender wäre sicherlich eine Luftbetankung durch ein Tankflugzeug, jedoch fehlen uns dafür die Piloten.

Ganz gefährliche Zonen sind Ortsdurchfahrten für uns, denn trotz zeitaufwendiger Langsamfahrt kann es passieren, dass etwas des so „giftigen“ Schnees auf Gehwege oder Grundstücke gelangt. Es ist manchmal schwierig durch enge oder durch Gegenverkehr belastete Straßen gefahrlos mit dem Schneepflug zu fahren. Bei nicht vermeidbaren Schneeschäden durch den Pflug verlangen einige Bürger als Dank für den Winterdienst die Abmahnung des Fahrers. Sollen wir diese Orte meiden oder uns den Schnee in die Tasche stecken?

Eine Straßenwärterin macht ihrem Ärger Luft und erklärt den Winterdienst (Symbolfoto: Martin Quast / pixelio.de)

Dann gibt es noch diesen seltenen Berufsverkehr, den niemand auf Knopfdruck abstellen kann. Also Verkehrsteilnehmer, die durch Stau oder Querstehen meinen Weg kreuzen und mir damit eine Durchfahrt zur Hölle machen. Wie soll man sich da verhalten? Ruhe bewahren oder sich mit Gewalt des Schneepfluges Platz schaffen? Und wer soll dann die Blechschäden übernehmen? Sie? Ich?…

Wie Sie hoffentlich wissen, kennt Schnee keine Zeit. Er kommt und geht wann er will. Daher sitzt Nacht für Nacht ein netter Mitarbeiter auf der Straßenmeisterei und sucht mit Adleraugen den Himmel nach Schneeflocken ab. Wird eine Flocke gesichtet, sorgen Sie umgehend dafür mich sanft (telefonisch) aus dem Bett zu holen. Mein Lebensgefährte profitiert selbstverständlich auch von dem kostenlosen Weckruf. Ich hoffe inständig, dass dies den Steuerzahler nicht belastet. Wenn doch, dann wäre ich bereit meinem Lebensgefährten auf meine Kosten Ohrstöpsel zu besorgen.

Ob Sie es glauben oder nicht, auch uns macht diese Wetterlage zu schaffen, denn wir können genauso rutschen und im Graben landen wie Sie lieber Bürger. Es kann daher mal passieren, dass ein Kollege selbst die Hilfe des Winterdienstes benötigt. Das bedeutet, ich muss meinen Streubezirk verlassen um Hilfe zu leisten. Klar, man könnte abwiegen… den Kollegen mag ich… den mag ich nicht so gerne. Hey, das war nur ein Spaß.

Kein Spaß ist, dass wir genetisch bedingt nicht fähig sind zu hexen und daher auch nicht im Stande sind überall gleichzeitig Winterdienst zu fahren. Wenn Sie der Superheld sind, der an verschiedenen Orten gleichzeitig erscheinen kann, bitte ich Sie sich umgehend bei uns zu melden, denn unter den tausenden von gelernten Straßenwärtern ist so ein Held bislang nicht zu finden.

Hiermit wurden nur einige Problematiken aufgelistet die mir am Herzen liegen.

Zum Schluss möchte ich noch hinzufügen, dass wir als Dank für unsere Arbeit nur beschimpft, als unfähig oder „Zuspätkommer“ deklariert werden. Soooo macht der Winterdienst besonders „Spaß“!

Trotzdem danke ich für Ihre Aufmerksamkeit!

Ihre Straßenwärterin

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