Blasenerkrankungen: Von harmloser Entzündung bis Krebs

Urologin Dr. Friedericke Winter informierte im Jung-Stilling

(wS/red) Siegen 21.06.2018 | Schmerzen, häufiges oder seltenes Wasserlassen, ungewollter Urinverlust oder auch blutiger, trüber und übelriechender Urin – typische Symptome, die auf ein Problem mit der Blase hindeuten. Was genau hinter den Beschwerden stecken und was dagegen helfen kann, erklärte Urologin Dr. Friedericke Winter beim Siegener Forum Gesundheit im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen. Denn die umgangssprachlich oft als Männerärzte bezeichneten Mediziner sind auch Spezialisten für den Harntrakt – und zwar von Männern und Frauen.

Urologin Dr. Friedericke Winter informierte im Jung-Stilling (Foto: Diakonie)

Besonders häufig treten bakterielle Blasenentzündungen auf, die unterschiedlich verlaufen können. „Bei einer beginnenden Entzündung hilft es manchmal schon, viel zu trinken, sich körperlich zu schonen und eventuell pflanzliche Mittel einzunehmen“, sagte Winter. Werden die Symptome aber schlimmer und kommt Fieber hinzu, sollten Betroffene unbedingt zum Arzt gehen, der dann bei Bedarf Antibiotika verschreibt. Ohne Therapie kann es passieren, dass die Keime aus der Blase weiter aufsteigen und eine Nierenbeckenentzündung auslösen. Für Menschen, die mehr als drei- bis viermal jährlich von einer Blasenentzündung geplagt werden, ist es ratsam, neben dem Hausarzt auch einen Urologen aufzusuchen. „Wenn Patienten immer wieder betroffen sind, müssen wir den Grund dafür herausfinden“, so Winter. Harnröhrenverengungen, Blasensteine oder eine vergrößerte Prostata können beispielsweise die Blase daran hindern, sich beim Toilettengang vollständig zu entleeren. Die Ärztin verglich den sogenannten Restharn mit einer alten Pfütze: „Die hat auch mehr Bakterien als eine frische.“ Verbleibt eine solche Pfütze in der Blase, steigt das Risiko einer erneuten Entzündung. Handelt es sich um eine chronische Blasenentzündung, helfen Hausmittel und Antibiotika nicht mehr weiter. Hat die Entzündung bereits zu einer Schrumpfblase mit verringertem Fassungsvermögen geführt, kann unter anderem eine operative Dehnung des Organs sinnvoll sein.

Entleert sich die Blase nicht mehr vollständig, ist zunächst eine genaue Diagnostik wichtig. Beispielsweise können Urologen eine Harnstrahl- oder Restharnmessung durchführen, Harnröhre und Blase mit Kontrastmittel füllen und röntgen oder mittels der sogenannten Urodynamik messen, wie groß der Druck in der Blase ist. Je nach Ergebnis stehen dann verschiedene Therapien zur Auswahl. Medikamente und Blasenstimulanzien können ebenso helfen wie Katheter, die bei verstopften oder verengten Harnwegen den Urin abfließen lassen oder eine Operation. Ist beispielsweise eine vergrößerte Prostata ursächlich, muss diese oft chirurgisch verkleinert werden.
Leiden Patienten unter Inkontinenz, unterscheiden die Ärzte zwischen zwei verschiedenen Formen. Bei der Belastungsinkontinenz verlieren die Betroffenen bei körperlicher Aktivität ungewollt Urin. Dies kann auch beim Husten, Lachen oder Niesen passieren. Bei der Dranginkontinenz verspüren die Betroffenen unvermittelt einen starken Harndrang und schaffen es oft nicht bis zur Toilette. Auch eine Mischung der beiden Formen kann auftreten. Je nachdem wie stark die Inkontinenz ausgeprägt ist, verbessert Training der Beckenbodenmuskulatur die Situation. Außerdem gibt es viele Hilfsmittel wie Windeln oder spezielle Tampons für Frauen und Kondom-Urinale für Männer. Operativ kann ein künstlicher Schließmuskel eingesetzt werden, um den unkontrollierten Urinverlust zu hemmen.

Schmerzhafte Beschwerden bereiten auch Blasensteine, die oft bei chronischen Infekten oder Katheterträgern entstehen. Sind die Steine noch klein, können Urologen sie über die Harnröhre entfernen, bei größeren müssen sie eine offene Operation in Betracht ziehen. Mit Laser oder Ultraschall können Steine darüber hinaus zerkleinert werden. Ebenfalls gute chirurgische Möglichkeiten gibt es bei der Blasensenkung, von der überwiegend Frauen ab 50 betroffen sind. „Die Blase senkt sich, wenn die Scheidenwand schlaff ist“, erklärte Winter. „Das ist oft eine Folge von Geburten.“ Helfen können dann Gynäkologen, indem sie die Scheidenwand mit Nähten raffen oder Pessare einsetzen, um die Blase wieder anzuheben. Ist die Blase abgesenkt, entsteht oft eine Art Aussackung (Zystocele), in der sich Restharn sammelt und der ein Fremdkörpergefühl verursachen kann.

Ernst wird es, wenn die Urologen beispielsweise mittels einer Blasenspiegelung einen Tumor in der Blase finden. Ist dieser noch oberflächlich, kann er operativ gut entfernt werden und der Patient hat gute Heilungschancen. Ist die Krebserkrankung bereits weiter fortgeschritten, muss im schlimmsten Fall die gesamte Blase entfernt werden. Diese kann manchmal durch ein Stück Darm ersetzt werden. Manchmal ist es aber auch erforderlich, die Harnleiter direkt von den Nieren durch die Bauchoberfläche auszuleiten (Harnleiterhautfistel). „Tumore in der Blase haben oft die gleichen Symptome wie harmlosere Erkrankungen“, sagte Winter. „Deshalb ist es wichtig, bei anhaltenden Symptomen zu einem Urologen zu gehen, der die Anzeichen erkennt und überprüft.“
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