Sind neue Trinkwassertalsperren für Siegen-Wittgenstein machbar?

(wS/red) Siegen-Wittgenstein 07.11.2019 | Landrat: „Trinkwasserversorgung für künftige Generationen sichern“

Ist der Bau von neuen Trinkwassertalsperren in Siegen-Wittgenstein notwendig, tatsächlich realisierbar und wenn ja unter welchen Bedingungen? Diesen Fragen möchte Landrat Andreas Müller gerne auf den Grund gehen und eine entsprechende Machbarkeitsstudie in Auftrag geben. Das ist der Inhalt einer Vorlage, über die der Ausschuss für Wirtschaft und Regionalentwicklung des Kreises Siegen-Wittgenstein am 20. November erstmals beraten wird. Der Kreistag soll dann am 13. Dezember eine abschließende Entscheidung fällen.

„Vor einem Jahr haben wir uns auf den Weg gemacht, darüber nachzudenken, wie wir unsere Trinkwasserversorgung auf Dauer sichern können“, erinnert Landrat Andreas Müller: „Der Rekordsommer 2018 hatte die Breitenbach- und die Obernautalsperre ziemlich geleert. Sollten wir mehrere solcher Hitzesommer mit extremer Regenarmut hintereinander bekommen, wäre unsere Trinkwasserversorgung akut gefährdet“, so Müller: „Deshalb sind wir es den nachfolgenden Generationen schuldig, heute die Weichen dafür zu stellen, dass auch unsere Kinder und Enkel noch über ausreichend Trinkwasser verfügen.“

Basis für die geplante Machbarkeitsstudie ist eine Vorstudie, die das Forschungsinstitut Wasser und Umwelt der Universität Siegen im Auftrag des Kreises erstellt hat. Diese wird in der Ausschusssitzung am 20. November erstmals vorgestellt. Die Vorstudie listet alle Gesichtspunkte auf, die in einer Machbarkeitsstudie berücksichtigt werden müssen und hat ein entsprechendes Gliederungs- und Leistungsverzeichnis erstellt. Die Untersuchungen beziehen sich zunächst auf zwei mögliche Talsperrenstandorte, die bereits seit vielen Jahren im Landesentwicklungsplan NRW enthalten sind: das Elberndorftal auf den Gebieten der Gemeinde Erndtebrück und der Stadt Hilchenbach sowie das Truftetal auf dem Gebiet der Stadt Bad Berleburg.

Die Vorstudie zeigt, dass die für die Bewertung potenzieller Talsperrenstandorte erforderlichen Daten – wie auch bei den Planungen von Talsperren in den letzten Jahrzehnten – grundsätzlich zur Verfügung stehen. Ein wesentlicher Unterschied zu damals ist, dass heute insgesamt mehr Daten vorhanden, diese hochauflösender und aktueller sind und in digitaler Form vorliegen. Das erlaubt heute eine im Wesentlichen computergestützte detaillierte Standortbewertung durchzuführen, die idealerweise mit Hilfe eines Geoinformationssystems vorgenommen wird.

Dabei werden die Talsperrenstandorte Elberndorftal und Truftetal in der Vorstudie nur als Potenzialflächen verstanden, die unter heutigen rechtlichen, technischen und finanziellen Rahmenbedingungen neu bewertet werden müssen. „Es kann deswegen nicht ausgeschlossen werden, dass beide Standorte im Ergebnis der Machbarkeitsstudie als ungeeignet, nicht realisierbar oder unwirtschaftlich bewertet und von weitergehenden Überlegungen und Planungen ausgeschlossen werden müssen“, erläutert der Landrat. „Sofern die Machbarkeitsstudie aber den Bedarf für weitere Talsperren grundsätzlich bestätigt, würde es im Anschluss dann erforderlich werden, über eine neue, ergebnisoffene Standortsuche zu entscheiden.“

Die Höhe der Kosten einer Machbarkeitsstudie veranschlagt die Verwaltung mit ca. 150.000 Euro. Mit der Erarbeitung der Machbarkeitsstudie könnte nach einem formellen Vergabeverfahren voraussichtlich im Jahr 2020 begonnen werden. Der Abschlussbericht würde dann wahrscheinlich im Verlauf des Jahres 2021 vorliegen. Die erforderlichen Finanzmittel sollen zu gleichen Teilen auf die Haushaltsjahre 2020 und 2021 verteilt werden.

Symbolfoto Foto: Ralf Melchert

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