Rettungsdienst trotz(t) Corona – selbst verordnete Quarantäne

(wS/red) Siegen 09.04.2020 | Fünf mal 24 Stunden im Dienst: Für Aufrechterhaltung des Rettungsdienstes setzt sich Feuerwehr selbst in Quarantäne

Die Corona-Pandemie sorgt aktuell in einer ganzen Reihe von Bereichen des öffentlichen Lebens für ungewöhnliche Lösungen. Zu den Bereichen, in denen dieses „Um-die-Ecke-Denken“ nicht nur schön und wünschenswert, sondern gleichsam lebensnotwendig ist, gehört der Rettungsdienst.

Im „Normalfall“ arbeiten die Rettungskräfte, die in der Feuer- und Rettungswache der Stadt Siegen in der Weidenauer Straße tätig sind, im 24-Stunden-Dienst und haben dann 48 Stunden frei. „In Zeiten von Corona mussten wir umdenken“, erklärt der Leiter der Feuerwehr Siegen, Matthias Ebertz. Denn sollte sich eine Kollegin oder ein Kollege infizieren, so müsste eine ganze Dienstschicht der insgesamt drei Wachabteilungen in Quarantäne gesetzt worden. Diese beträfe schlimmstenfalls auch noch die Dienstschicht, die am darauffolgenden Tag übernimmt, wenn zum Beispiel da noch nicht bekannt bzw. bestätigt war, dass eine Kollegin oder ein Kollege der Vorgängerschicht infiziert ist.

„Damit wäre ein Dienstbetrieb sowohl im Bereich des Brandschutzes, als auch im Rettungsdienst, nicht mehr aufrecht zu erhalten“, bringt Ebertz die Folgen eines solchen Szenarios, das für die Bürgerinnen und Bürger natürlich fatal wäre, nüchtern auf den Punkt.

Bildunterschrift: Müssen immer „funktionieren“, damit die Bevölkerung sich sicher fühlen kann: die Männer und Frauen von Rettungsdienst und hauptamtlichem Brandschutz. (Foto: Stadt Siegen).

Es musste also umgedacht werden, mit dem Ziel, so viele Kolleginnen und Kollegen wie möglich gesund zu erhalten. Seit 14 Tagen arbeiten die Rettungsdienstler und Brandschützer fünf mal 24 Stunden hintereinander haben dann zehn Tage frei. Während dieser Dienstzeit wird natürlich auch Freizeit gewährt, die aber immer auf der Wache verbracht werden muss.

Dass es sich hier um eine außergewöhnliche Belastung auch für die Familien der Kolleginnen und Kollegen handelt, ist Ebertz bewusst. Es sei aber eine der wenigen Möglichkeiten, den Rettungsdienst und den hauptamtlichen Brandschutz für die Stadt Siegen weiterhin aufrecht zu erhalten, auch wenn sich Kolleginnen oder Kollegen infizieren sollten.

Zum jetzigen Zeitpunkt könne man, so der Siegener Feuerwehrchef abschließend, bereits feststellen, dass sich die neue Lösung bewährt habe: „Den Kolleginnen und Kollegen der Feuer- und Rettungswache und auch deren Familien, die durch diese Maßnahme schmerzliche Opfer auf sich nehmen, ist ein großer Dank auszusprechen. Sie tragen entscheidend dazu bei, dass das System im Sinne und zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger aufrechterhalten werden kann.“

Anzeige/WerbungJetzt clever werben bei wirSiegen.de – Infos hier