(wS/bb) Siegen – Berlin 17.03.2026 | Die Zukunft der Vor-Ort-Apotheken stand im Mittelpunkt eines regionalen Fachgesprächs in Berlin. Eingeladen hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Benedikt Büdenbender, der gemeinsam mit der gesundheitspolitischen Sprecherin der Unionsfraktion, Simone Borchardt, über die geplante Apothekenreform diskutierte.
Dabei wurde deutlich: Die Apotheken in Siegen-Wittgenstein sehen sich zunehmend unter Druck. Steigende Kosten bei gleichzeitig stagnierenden Vergütungen setzen den Betrieben zu. Seit der letzten Anpassung im Jahr 2013 seien die Ausgaben um rund 65 Prozent gestiegen, berichteten Vertreter der Branche. Gleichzeitig leisten Vor-Ort-Apotheken zusätzliche Dienste wie Not- und Nachtschichten – im Gegensatz zu vielen Versandapotheken.
Die Zahlen verdeutlichen die Entwicklung: Allein im Jahr 2025 mussten fünf Apotheken im Kreis schließen. Derzeit sichern noch 54 Betriebe die Versorgung der Bevölkerung. Für viele ist das ein Warnsignal.
Die Bundesregierung arbeitet derzeit am „Gesetz zur Weiterentwicklung der Apothekenversorgung“, das bestehende Defizite beheben soll. Simone Borchardt forderte in diesem Zusammenhang konkrete Nachbesserungen. So solle das sogenannte Apothekenfixum – eine feste Vergütung pro abgegebenem Medikament – von aktuell 8,35 Euro auf 9,50 Euro steigen. Auch ein höherer Zuschlag für Notdienste sei notwendig.
Ein weiterer Streitpunkt ist die Qualitätssicherung im Versandhandel. Gerade bei temperaturempfindlichen Medikamenten sei die Einhaltung von Kühlketten nicht immer gewährleistet. Hier sehen sowohl Politik als auch Apothekerschaft Handlungsbedarf.
Neben finanziellen Fragen ging es auch um strukturelle Themen. Künftig sollen Krankenkassen und Apotheken ihre Honorare stärker selbst verhandeln – ein Vorschlag, der bei vielen Apothekern auf Skepsis stößt. Kritisch betrachtet wurde zudem die komplexe Struktur der gesetzlichen Krankenversicherung.
Trotz der Herausforderungen wurden auch Chancen hervorgehoben. Geplant ist unter anderem, die Kompetenzen der Apotheken auszuweiten – etwa bei Impfungen und Präventionsangeboten. Ziel sei es, Apotheken stärker in die Gesundheitsversorgung einzubinden.
Einigkeit herrschte am Ende vor allem in einem Punkt: Die Reform müsse zügig umgesetzt werden. Benedikt Büdenbender betonte den Wert des direkten Austauschs mit den Praktikern vor Ort. Die zahlreichen Anregungen aus der Region sollen nun in den weiteren politischen Prozess einfließen.
Für die Apotheken in Siegen-Wittgenstein bleibt die Hoffnung, dass den Worten bald konkrete Maßnahmen folgen.

Benedikt Büdenbender beim Fachgespräch. Im Hintergrund (digital): Simone Borchardt, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag
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