Endometriose: Wenn Regelschmerzen zum Warnsignal werden – Vortrag von Dr. Katharina Gillen

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(wS/dia) Siegen 19.03.2026 | Etwa jede zehnte Frau in Deutschland leidet unter Endometriose. Die chronische Frauenkrankheit, bei der gebärmutterähnliche Schleimhaut prinzipiell überall im Unterbauch wachsen kann, hat viele Gesichter. Einige Frauen wissen nicht einmal, dass sie betroffen sind. Die Diagnosestellung dauert häufig mehrere Jahre und bringt mitunter einen langen Leidensweg für die Betroffenen mit sich. Doch Dr. Katharina Gillen betont: „Diese starken Regelschmerzen sind nicht normal.“ Beim Siegener Forum Gesundheit informierte die Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe im Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen vor rund 80 Interessierten
über eine Krankheit, die sich als das „Chamäleon der Gynäkologie“ präsentiert.

Endometriose ist eine gutartige, aber chronisch verlaufende Erkrankung. Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, wächst dabei außerhalb der Gebärmutterhöhle. Die Herde können sich an den Eierstöcken, der Blase, dem Darm oder am Bauchfell ansiedeln und verursachen verschiedenste Beschwerden.
„Endometriose ist gutartig, kann sich allerdings ähnlich wie Krebszellen verbreiten und respektiert dabei keine Organgrenzen“, erklärte Dr. Katharina Gillen. Die Symptome bei einer Endometriose sind vielfältig. Einige Frauen leiden unter quälenden Schmerzen, starken Krämpfen oder einem unerfüllten Kinderwunsch, andere sind betroffen und wissen es nicht einmal. Wie und warum Endometriose entsteht, wird bis heute von Wissenschaftlern erforscht. „Die Schmerzen können zyklusabhängig, aber auch -unabhängig auftreten. Einige Frauen denken, dass diese starken Periodenschmerzen normal sind und sie diese aushalten müssen, oder sie fühlen sich von ihrer Umgebung nicht ernst genommen. Doch diese Schmerzen gehen über ein übliches Maß hinaus und sind deswegen nicht normal“, mahnte die Expertin. Eine besondere Herausforderung bei der Endometriose, sei die Diagnose.

„Der Weg zur Diagnose dauert im Bundesdurchschnitt sieben bis zehn Jahre. Das ist ein langer Leidensweg für betroffene Frauen. Weil die Symptome unspezifisch sind und oft anderen Erkrankungen ähneln, kommt es manchmal zu Fehldiagnosen.“
Laut Dr. Gillen besteht die Diagnosestellung aus mindestens drei Teilen – der spezifischen Anamnese, einer gynäkologischen Untersuchung und einem Ultraschall des kleinen Beckens. Eine Bauchspiegelung, wie sie zuletzt doch in den Leitlinien als Diagnoseinstrument der ersten Wahl galt, sei heute nicht mehr obligatorisch, um eine Endometriose zu diagnostizieren, so die Ärztin. In zertifizierten Endometriose- Zentren arbeiten speziell ausgebildete Experten, die mithilfe der oben genannten dreiteiligen Diagnostik eine Endometriose häufig bereits ohne einen operativen Eingriff diagnostizieren und damit auch behandeln können. Das Anamnesegespräch dient der ausführlichen und persönliches Erfassung des Beschwerdebildes, das sich von Frau zu Frau stark unterscheiden kann. Auch Zukunftspläne wie ein bestehender Kinderwunsch werden in das maßgeschneiderte Therapiekonzept integriert.
Bei der Behandlung einer Endometriose kombinieren Ärzte meist eine minimalinvasive Operation, um die Herde zu entfernen, mit einer hormonellen Therapie. Geeignet sind zum Beispiel die Einnahme von Gestagenen im Langzeitzyklus oder eine Hormonspirale. Beides dient dazu, die Monatsblutung zu unterdrücken und das Wachstum neuer Endometrioseherde zu hemmen.
Gegebenenfalls verschreiben Ärzte zusätzlich entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente. „Bei Patientinnen mit Kinderwunsch steht die operative Entfernung der Herde im Vordergrund. Wir empfehlen bei der Operation zusätzlich eine Gebärmutterspiegelung und die Eileiterprüfung, um alle relevanten Faktoren, die die Fruchtbarkeit beeinflussen können, abzuklären“, erzählte die leitende Oberärztin.
Die operative Behandlung erfolgt in der Regel minimalinvasiv im Rahmen einer konventionellen Bauchspiegelung oder der roboter-assistierten Chirurgie. Dabei können die Endometrioseherde gezielt entfernt oder in Einzelfällen (zum Beispiel an den Eierstöcken) verödet werden. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, Endometrioseherde möglichst vollständig zu entfernen, die Anatomie wiederherzustellen und – wenn ein Kinderwunsch besteht – die Fruchtbarkeit zu verbessern. Die Krankheit bleibt allerdings chronisch und kann auch nach einer Operation wieder auftreten. Deshalb sei eine individuell angepasste Nachbehandlung besonders wichtig, betonte Dr. Gillen. Häufig schließt sich an den Eingriff eine hormonelle Therapie an, um ein erneutes Wachstum der Herde möglichst zu verhindern.
Neben der medizinischen Behandlung spielt auch der Umgang mit der Erkrankung im Alltag eine wichtige Rolle. Moderate Bewegung, eine gesunde mediterrane Ernährung, die Reduktion von Stress oder eine begleitende Schmerztherapie könnten vielen Patientinnen helfen, besser mit den Beschwerden umzugehen.
„Wichtig ist vor allem, dass betroffene Frauen ernst genommen werden und sich Hilfe suchen“, so die Gynäkologin. Eine frühzeitige Diagnose und eine individuell abgestimmte Therapie könnten den Leidensdruck deutlich verringern und die Lebensqualität spürbar verbessern.
Zum Abschluss ermutigte Dr. Katharina Gillen die Zuhörerinnen, bei anhaltenden oder ungewöhnlich starken Unterleibsschmerzen ärztlichen Rat einzuholen. „Starke Regelschmerzen müssen kein Schicksal sein“, betonte sie. Das Siegener Forum Gesundheit wurde von der Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen organisiert und bot den Besuchern anschließend noch Gelegenheit, Fragen zu stellen und mit der Expertin ins Gespräch zu kommen.

Beim Siegener Forum Gesundheit informierte Dr. Katharina Gillen, leitende Oberärztin der allgemeinen Gynäkologie und Gynäkologischen Onkologie im Diakonie Klinikum Jung-Stilling, vor rund 80 Interessierten über die vielfältigen Symptome und moderne Therapiemöglichkeiten bei Endometriose.

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