EU will Fördergelder halbieren: Was bedeutet das für den ländlichen Raum in Siegen-Wittgenstein?

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(wS/lw) Siegen-Wittgenstein 22.09.2026 | Die Zukunft der LEADER-Förderung steht auf dem Spiel – und damit die Zukunft zahlreicher Projekte im ländlichen Raum des Kreises Siegen-Wittgenstein. Bei einem Krisentreffen haben die drei heimischen Lokalen Aktionsgruppen (LAG) SauerSiegerland, 3-Länder-Eck und Wittgenstein gemeinsam mit den Politikern Anke Fuchs-Dreisbach (MdL, CDU), Benedikt Büdenbender (MdB, CDU) und Jens Kamieth (MdL, CDU) über drohende Kürzungen der EU-Fördergelder beraten.

LEADER, das europäische Förderprogramm für den ländlichen Raum, hat in den vergangenen Jahren mehr als zwölf Millionen Euro in Weiterentwicklungsprojekte im Kreis Siegen-Wittgenstein fließen lassen. Insgesamt 129 Projekte konnten die drei LAG-Regionen umsetzen – von neuen Treffpunkten über Vereinsprojekte bis hin zu touristischen Angeboten und Maßnahmen zur Belebung von Dörfern.

Doch nun droht ein drastischer Einschnitt: Im Raum steht, dass der EU-Förderanteil im Jahr 2028 von bisher 80 Prozent auf nur noch 40 Prozent eines Gesamtprojekts sinken könnte. Die entstehende Finanzierungslücke müssten dann Bund, Länder, Kommunen oder sogar die Projektträger selbst schließen. Für die LAG-Regionen in Siegen-Wittgenstein und vielen anderen Teilen des Landes käme das faktisch einem Ende der LEADER-Hilfe gleich.

Beim Krisentreffen warnten der Vorsitzende Holger Saßmannshausen (LAG Region Wittgenstein), die Vorsitzende Roswitha Still (LAG 3-Länder-Eck) und die stellvertretende Vorsitzende Ulrike Wesely (LAG SauerSiegerland) eindringlich vor den Folgen der möglichen Kürzungen. Fachkräftemangel, Leerstand und strukturelle Defizite seien keine abstrakten Schlagworte, sondern Themen, die Dörfer und die Zukunft der Regionen unmittelbar betreffen. LEADER könne diese Herausforderungen zwar nicht allein lösen, doch die EU-Gelder geben den Menschen vor Ort ein Werkzeug in die Hand, mit dem sie selbst etwas bewegen können.

„Es ist wichtig, dass der ländliche Raum nicht abgehängt wird, nur weil Gelder an der falschen Stelle eingespart werden. Durch LEADER haben die Menschen das Gefühl, dass die EU-Politik auch in ihrer Heimat ankommt“, sagte Landtagsabgeordnete Anke Fuchs-Dreisbach.

Der Netphener Bundestagsabgeordnete Benedikt Büdenbender betonte: „Wir haben großes Interesse daran, LEADER in seiner jetzigen Form am Leben zu halten. Dafür werde ich auch in Berlin werben. LEADER ist ein tolles Instrument, welches unfassbar viel möglich gemacht hat. Es ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie der ländliche Raum durch die EU profitiert.“

Auch Landtagsabgeordneter Jens Kamieth zeigte sich beeindruckt von den 129 umgesetzten Projekten der drei LAG-Regionen: „Wir wissen, wie wichtig diese Fördergelder sind und können versprechen, dass LEADER in unserer Landespolitik diskutiert wird. Die Erfolgszahlen der letzten Jahre sprechen eine deutliche Sprache.“

Die Hoffnungen der drei heimischen LAG-Regionen ruhen nun auf den politischen Vertretern – und auf der Frage, wie die Europäische Union künftig mit den Fördergeldern haushalten wird. Derzeit gibt es in Nordrhein-Westfalen 45 LEADER-Regionen, die alle von den möglichen Kürzungen betroffen wären. Die Sorge ist groß, dass aus Aufbruchsstimmung und Innovation auf dem Land Frust und Resignation werden.


Beim Krisentreffen zur Zukunft der LEADER-Förderung (von links oben nach rechts unten): Verena Landau (Regionalmanagement LAG 3-Länder-Eck), Roswitha Still (Vorsitzende LAG 3-Länder-Eck), Andreas Bernshausen (Regionalmanagement LAG Region Wittgenstein), Franziska Eick (Regionalmanagement LAG SauerSiegerland), Ulrike Wesely (stellvertretende Vorsitzende LAG SauerSiegerland), Holger Saßmannshausen (Vorsitzender LAG Region Wittgenstein), Jens Steinhoff (Regionalmanagement SauerSiegerland), Torben Büdenbender (Büro Benedikt Büdenbender), Anke Fuchs-Dreisbach (MdL), Benedikt Büdenbender (MdB), Jens Kamieth (MdL).

Der Bus des Digitalum-Wittgenstein ist eines der mobilen Digitallabore der LEADER-Regionen.

Fotos: LEADER Region Wittgenstein

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