(wS/red) Erndtebrück 25.09.2026 | Am gestrigen Donnerstagnachmittag (24. September) ist der Rettungshubschrauber „Christoph 25″ der ADAC Luftrettung am Rösper Weiher in Erndtebrück-Röspe zu einer besonderen Übung aufgestiegen. Gemeinsam mit örtlichen Feuerwehreinheiten wurde dort ab etwa 16.30 Uhr die Rettung einer Person aus dem Wasser trainiert. Im Mittelpunkt stand ein neues Wasserrettungssystem, das die Besatzung erstmals unter realistischen Bedingungen an einem ihr unbekannten Gewässer ausprobieren wollte. Angelegt war das Ganze als unangekündigte Alarmübung mit dem Meldebild „Person im Wasser“.




Bei dem System handelt es sich um die selbstaufblasende Rettungsboje „Restube“. Kreisbrandmeister Thomas Tremmel, Leiter des Amtes für Schutz und Rettung beim Kreis Siegen-Wittgenstein, beschrieb es so: Das zusammengefaltete Gerät sei etwa so groß wie eine Taschentuchpackung. Komme es mit Wasser in Kontakt, werde über eine kleine Gaskartusche ein Auftriebskörper aufgeblasen. Dieser gebe einer im Wasser treibenden Person ausreichend Auftrieb und Halt, um sich an der Wasseroberfläche zu halten – und überbrücke so die Zeit, bis Rettungskräfte sie erreichen. Bei der hubschraubergestützten Wasserrettung setzt die ADAC Luftrettung nach Angaben des Herstellers die Variante „Restube automatic“ ein: Die Boje bläst sich bei Wasserkontakt binnen weniger Sekunden auf und erzeugt einen Auftrieb von rund 75 Newton – das entspricht etwa 7,5 Kilogramm. Vier dieser Bojen werden an Bord der ADAC-Hubschrauber mitgeführt.
Genau diesen Abwurf galt es zu üben. Wie Tremmel erläuterte, führe der Christoph 25 das System noch nicht lange mit; belastbare Erfahrungswerte aus dem praktischen Einsatz habe es bislang nicht gegeben. Bei der Übung sei es vor allem darum gegangen, an einem der Besatzung unbekannten Gewässer zu erproben, wie der Abwurf gelingt – abhängig von der Anfluggeschwindigkeit und den Bedingungen, die der Pilot vor Ort vorfindet.
Abgeworfen wird die Boje entweder durch den sogenannten TC HEMS – einen Notfallsanitäter mit flugtechnischer Zusatzausbildung – oder durch den Notarzt. Beides wurde am Donnerstag geübt: Sowohl die Notärztin, an diesem Tag Dr. Lisa Roth, als auch der TC HEMS ließen die Bojen zu Wasser. Die Rolle des TC HEMS übernahmen zwei Kollegen der Feuerwehr Siegen. Am Steuer saß Pilot Markus Scheld, zugleich Leiter der Luftrettungsstation Siegen. Dank einer Außenlandegenehmigung konnte der Hubschrauber den Rösper Weiher mehrfach anfliegen. So ließ sich der Abwurf wiederholt trainieren – und die Besatzung zwischendurch tauschen, damit auch andere Crewmitglieder üben konnten.
Der „Christoph 25″ ist seit 1981 in Siegen im Dienst und am Diakonie Klinikum Jung-Stilling stationiert. Betrieben wird er von der ADAC Luftrettung; die Notärzte stellt das Diakonie Klinikum, die Feuerwehr Siegen stellt die Luftrettungsassistenten (TC HEMS). Seit 2024 fliegt die Station einen modernen Hubschrauber vom Typ Airbus H135. Sein Einsatzgebiet reicht über das Siegerland, das Sauerland, Wittgenstein und den Westerwald bis in Teile des Bergischen Landes.



Weil das Meldebild „Person im Wasser“ auch Kräfte am Boden erfordert, wurden zusätzlich örtliche Feuerwehreinheiten alarmiert – nach Angaben des Kreisbrandmeisters die Einheiten aus Birkelbach und Womelsdorf. Ein solches Einsatzstichwort sei für Einheiten mit einem Weiher im eigenen Bereich durchaus ungewöhnlich, so Tremmel. Am Rösper Weiher waren neben dem Rettungshubschrauber unter anderem ein Rettungswagen, mehrere Feuerwehrfahrzeuge und die Drehleiter der Feuerwehr Erndtebrück im Einsatz.
Ein weiterer Teil des Nachmittags hatte mit der eigentlichen Luftrettungsübung direkt nichts zu tun, wurde aber bewusst zusätzlich eingebunden: der Einsatz der Drehleiter der Feuerwehr Erndtebrück. Ein solches Fahrzeug kann bei einem realen Einsatz mit dem Stichwort „Person im Wasser“ durchaus nötig werden – etwa dann, wenn mehrere Personen über die Drehleiter aus dem Wasser gerettet werden müssen. Das Team der Drehleiter führte den Rettungskorb dafür präzise an die im Wasser befindliche Person heran. Deren Rolle übernahm eine Übungsperson, die mit Trockenanzug, Rettungsweste und Helm ausgestattet im Wasser des Rösper Weihers auf Hilfe wartete.






Geübt wurde auch die Zusammenarbeit zwischen Luft und Boden. Eine Herausforderung sei dabei der Funkkontakt, erklärte Tremmel: Der Christoph 25 funke nicht auf den üblichen Funkgruppen der Feuerwehr, weshalb eigens eine andere Funkgruppe geschaltet werden müsse.
Auch das Luftrettungsteam schilderte den Hintergrund aus seiner Sicht: Man führe die Restubes seit einiger Zeit an Bord der ADAC-Maschinen mit, habe bis dahin aber keine eigenen Erfahrungsberichte zur Handhabung gehabt. Deshalb sei die Übung geplant worden – mit einer unangekündigten Alarmierung „Person im Gewässer“: ausrücken, das Gewässer aus der Luft erkunden und dann die Bojen gezielt abwerfen. Getestet werden sollte unter anderem, wie sich das System verhält und nach welcher Zeit sich die Boje nach dem Abwurf aufbläst.
Das Fazit fiel positiv aus. Er sei „absolut zufrieden“, sagte Tremmel: Der Abwurf habe mit jeder Wiederholung besser funktioniert – genau das sei der Sinn der Übung gewesen. Auch mit der Zusammenarbeit der Einsatzkräfte zeigte er sich zufrieden, obwohl die Feuerwehrleute im wahrsten Sinne des Wortes „ins kalte Wasser geworfen“ worden seien: Die Übung war für sie nicht angekündigt.
Der Rösper Weiher liegt im Tal der Zinse bei der Erndtebrücker Ortschaft Röspe, ruhig und von Wald umgeben, inmitten des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge.

Fotos: Andreas Trojak / wirSiegen.de (YouTube-Video und Bildergalerie folgt noch)
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