Kirchhundem-Silberg: Akkordeon-Orchester Ferndorftal-Wilden begeistert mit „Tango und Tuba” in der Kulturkirche

Teilen Sie
Teilen Sie

(wS/hgm) Kirchhundem-Silberg 15.10.2026 | Musikinstrumente gibt es heutzutage viele – doch kaum eines gibt sich so ungezwungen und vielseitig wie das Akkordeon. Die deutschen Landesmusikräte, getragen unter anderem vom Deutschen Akkordeonlehrer-Verband und dem Deutschen Harmonika-Verband, haben es zum Instrument des Jahres 2026 gekürt. Es vereint Melodie, Harmonie und Rhythmus in einem und gilt als echtes „tragbares Orchester”. Am Sonntag, dem 11. Oktober, bewies das Akkordeon-Orchester Ferndorftal-Wilden (AOFW) in der Kulturkirche Silberg eindrucksvoll, was damit gemeint ist.

Ein besonderer Ort für ein besonderes Konzert

Die Kulturkirche Silberg ist kein gewöhnlicher Veranstaltungsraum. Sie ist in der modernen katholischen Pfarrkirche St. Antonius Einsiedler in Kirchhundem-Silberg im Südsauerland beheimatet – einem in den 1960er Jahren erbauten Gotteshaus, das seit 2021 gezielt als interdisziplinärer Kulturort genutzt wird: für Kunstausstellungen, Konzerte, Lesungen und besondere Veranstaltungsformate. Das Kirchenschiff war beim AOFW-Konzert vollbesetzt – kein Wunder bei freiem Eintritt, wenngleich für das, was das Orchester bot, ein angemessenes Eintrittsgeld durchaus gerechtfertigt gewesen wäre. Eine Spende war willkommen.

Zwei Orchester, ein Klangkörper

Das AOFW ist das Ergebnis des Zusammenschlusses zweier ehemals eigenständiger Akkordeon-Orchester im Siegerland. Unter dem Dirigat von Jutta Heinrich-Reichel hat sich daraus ein sehr harmonischer Klangkörper entwickelt. Obwohl das Akkordeon hierzulande eher in der alpenländischen oder Seemannsmusik verortet wird, hat es sich seit Langem auch im Siegerland etabliert – mit inzwischen zwei namhaften Orchestern, dem AOFW und dem Akkordeon-Orchester Siegerland (AOS).

Ein ungewöhnlicher Auftakt

Das Konzert unter dem Motto „Tango und Tuba” startete unkonventionell: Statt einer langen Begrüßungsrede marschierten die Spielerinnen und Spieler in einzelnen Gruppen nach ihren Stimmlagen ein. Zuerst die vierte Stimme, die den tragenden Rhythmus übernimmt, dann die erste Stimme mit der Hauptmelodie, schließlich die zweite und dritte Stimme für die stützende Untermalung. Hinzu kamen Bass, Elektronium und Perkussion. Gleichzeitig erfuhr das Publikum auf unterhaltsame Weise, wie das Orchester von innen funktioniert.

Unter der Moderation von Katrin Koch eröffnete das AOFW mit „Queen’s Park Melody” von Jacob de Haan – spritzig und gefühlvoll zugleich. Beim zweiten Stück „My Dream”, das von Dirigentin Jutta Heinrich-Reichel selbst arrangiert wurde, lieferte Katrin Koch ein beeindruckendes Solo auf dem Elektronium.

Erster Höhepunkt: Tango Nuevo und Steffi Loos

Mit dem dritten Stück „Chiquilin de Bachin” rückte das Konzert in eine neue Dimension. Akkordeon-Solistin Steffi Loos überzeugte mit einem großartigen Auftritt – und erstmals betraten die Tango Nuevo-Tänzer Petra Georg-Achenbach und Ralf Maria Schröder die Fläche vor dem Orchester. Zunächst fast unauffällig wirkend, entfalteten die beiden bald eine Choreografie, die höchste Ästhetik ausstrahlte. Petra Georg-Achenbach und Ralf Maria Schröder sind in erster Linie als Künstler- und Initiatorenpaar bekannt: Durch ihr interaktives Kunst- und Gesellschaftsprojekt „Jeder Mensch ist eine Perle!” haben sie überregionale Bekanntheit erlangt. Den Tango Argentino und insbesondere seinen modernen Ableger Tango Nuevo pflegen beide seit 15 Jahren als persönliche Leidenschaft – auf dem Parkett war das spürbar.

Balgtechnik und Akkordeon-Magie

Beim Stück „Over the Rainbow” lieferte Karolin Münker ein weiteres eindrucksvolles Akkordeon-Solo – und das Publikum konnte dabei live erleben, welche Rolle die Balgtechnik beim Spielen spielt: Beim „Stakkato”, also bei kurz abgesetzten Tönen, wird der Balg gespannt; beim fließenden „Legato” hingegen mehr angeschoben. Eine Feinheit, die den Klang des Instruments grundlegend beeinflusst.

Daniel Bald: Tuba und E-Bass

Eines der ungewöhnlichsten Elemente des Abends war der Einsatz einer Tuba als Soloinstrument. Daniel Bald, dessen Mutter selbst im AOFW Akkordeon spielt, zeigte als Tubist eine Klasse, die verblüffte. Der Musikstudent an der renommierten Robert Schumann Hochschule Düsseldorf brachte beim Stück „Der alte Brummbär” das Tiefstzierinstrument solistisch zum Leuchten. Interessant: Die Tuba war das offizielle Instrument des Jahres 2024. Daniel Bald bereicherte das Konzert außerdem als E-Bassist – ein doppelter Auftritt, der das Programm um eine weitere Klangfarbe erweiterte. Einen weiteren solistischen Einsatz hatte er bei „Farmer’s Tuba”, einem Werk, das eigens für dieses Instrument komponiert wurde.

Fließende Bewegungen und ein starkes Finale

Bei der Komposition „Melodia en La menor” kehrten die Tango Nuevo-Tänzer auf die Fläche zurück und stellten erneut unter Beweis, dass ihr Tanzen weit über das Hobbyhafte hinausgeht. Danach folgten „Amigos Para Sempre” sowie „Skyfall” in einem Arrangement von Jutta Heinrich-Reichel.

Den Abschluss bildete das 13. und letzte Stück des Programms: „Viva la Vida” von Coldplay in einem Arrangement von Rudi Brown. Das AOFW zog dabei nochmals alle Register, Daniel Bald war solistisch am E-Bass zu erleben, und die Tänzer Petra Georg-Achenbach und Ralf Maria Schröder rundeten den Abend ab. Das Publikum erhob sich von den Plätzen und applaudierte minutenlang – die Zugabe war unvermeidlich.

Ausblick: Nächstes Akkordeon-Konzert im November

Wer den Klang eines Akkordeon-Orchesters noch einmal erleben möchte: Am Samstag, dem 21. November 2026, um 17 Uhr, lädt das Akkordeon-Orchester Siegerland (AOS) gemeinsam mit dem Gemischten Chor „Treue” Salchendorf in die Siegener Nikolaikirche ein.

Text und Fotos: Hans-Gerhard Maiwald

Werbepartner der Region – Anzeige

In eigener Sache

Immer für Sie vor Ort — Ihr wirSiegen-Team

Wir sind rund um die Uhr für Sie in Siegen und der Region unterwegs. Dabei berichten wir völlig unabhängig — keiner Partei und keinem Konzern verpflichtet, nur Ihnen als Leser. Uns ist wichtig, dass alle Nachrichten für jeden Bürger frei zugänglich bleiben: komplett ohne Bezahlschranke, kostenlos für alle. Recherche, Fotos vor Ort, Technik und Deutschlands sagenhaft günstiger Super-Sprit 😉 kosten uns allerdings einiges an Zeit und Geld. Wenn Sie schätzen, was wir machen, motiviert uns ein kleiner Beitrag riesig — und hilft uns, weiter dranzubleiben. Schon der Preis eines Kaffees zählt.

Beträge für Handys, Autos und Mehrfamilienhäuser gehen natürlich auch 😉

Sicher per PayPal · auch ohne PayPal-Konto · einmalig oder regelmäßig

Und ganz gleich, ob mit oder ohne Beitrag — schön, dass Sie wirSiegen lesen. 💙

Teilen Sie

Anzeige

Archivkalender

Mo. Di. Mi. Do. Fr. Sa. So.
 1234
567891011
12131415161718
19202122232425
262728293031