(wS/red) Kirchen 22.08.2026 | Manchmal liegt das Besondere näher, als man denkt. Nur knapp hinter der Siegerländer Grenze, im rheinland-pfälzischen Kirchen an der Sieg, steht ein Fels, der so gar nicht in die sanften Hügel ringsum passen will: der Druidenstein. In rund 35 Autominuten ist er von Kreuztal aus zu erreichen – und wer einmal davorsteht, versteht schnell, warum dieser Ort seit Generationen die Menschen in seinen Bann zieht.
Schon der erste Blick durchs Blätterdach hat etwas von einer anderen Welt. Ein dunkler, kegelförmiger Turm aus eng gebündelten Basaltsäulen schiebt sich rund 20 Meter aus dem Wald empor, oben gekrönt von einem Gipfelkreuz. Kein Wunder, dass der Druidenstein längst als „Nationaler Geotop“ ausgezeichnet ist – eine der bedeutendsten geologischen Sehenswürdigkeiten in ganz Rheinland-Pfalz.
Woraus besteht dieser Fels eigentlich, und wie ist er entstanden? Der Druidenstein ist ein isolierter Basaltkegel, rund 25 Millionen Jahre alt und damit ein Kind des Jung-Tertiärs. Damals stieg glutflüssige Gesteinsschmelze aus der Tiefe empor, drängte sich durch das umgebende, etwa 400 Millionen Jahre alte Grundgebirge aus devonischer Grauwacke und erstarrte dort zu hartem Basalt. Beim Abkühlen bildeten sich die typischen, senkrecht stehenden Säulen – jene prismatischen Formen, die dem Stein sein unverwechselbares Aussehen geben. Weil das weichere Gestein ringsum im Lauf der Jahrmillionen von Wind und Wetter abgetragen wurde, blieb am Ende nur der widerstandsfähige Basaltkern übrig: ein von der Natur freigelegter „Härtling“, der heute wie ein Denkmal über seine Umgebung ragt. Er sitzt auf gut 400 Metern Höhe und nimmt eine Fläche von etwa 100 Quadratmetern ein.
Kleiner geworden ist er dabei, als er einst war. Seine Spitze soll im Dreißigjährigen Krieg abgebrochen worden sein, damit sich feindliche Truppen nicht länger an der weithin sichtbaren Landmarke orientieren konnten; später diente der Fels zeitweise als Steinbruch, und auch die Verwitterung nagt bis heute an ihm. 1979 schlug schließlich ein gewaltiger Blitz ein – so heftig, dass der Basaltkegel seitdem von sechs Stahlbetonbalken gestützt werden muss. Wer genau hinschaut, entdeckt sie direkt am Fels.
Fast noch spannender als die Geologie sind die Sagen, die sich um den Druidenstein ranken. Der Überlieferung nach soll er ein Kult- und Versammlungsplatz keltischer Druiden gewesen sein, und bis heute erzählt man sich die Geschichte der Druidin Herke. Historisch belegt ist davon wenig – doch genau diese geheimnisvolle Aura macht den Ort so besonders. Dass die Legende noch lebt, zeigt sich sogar auf der Bühne: Derzeit entsteht ein Musical über den Druidenstein, das 2027 Premiere feiern soll.
Auch die jüngere Geschichte hat Spuren hinterlassen. In den 1920er-Jahren legten Herkersdorfer einen Kreuzweg vom Ort hinauf zum Fels an; direkt unterhalb des Steins steht seither eine Kreuzigungsgruppe, und an Christi Himmelfahrt führt bis heute eine Prozession hier vorbei. Unter Naturschutz steht der Druidenstein übrigens schon seit 1869, im Mai 2006 kam die Auszeichnung als eines von bundesweit 77 Nationalen Geotopen hinzu.
Das Schöne für alle, die nicht gut zu Fuß sind: Man kann mit dem Auto bis unmittelbar unterhalb des Felsens fahren. Vom Parkplatz sind es dann nur noch wenige Schritte bergauf, sodass der Druidenstein selbst auch für gehbehinderte Menschen gut zu erreichen ist – ein Ausflug in die Natur, der eben nicht erst nach einer langen Wanderung beginnt. Der Fels ist ganzjährig und kostenlos zugänglich.
Wer mehr Bewegung sucht, ist hier trotzdem goldrichtig: Gleich mehrere schöne Wanderwege führen am Druidenstein vorbei, darunter der Fernwanderweg Druidensteig und der Natursteig Sieg. Besonders beliebt ist der rund 16 Kilometer lange Druidenstein-Rundweg, der am Bahnhof Kirchen startet und endet. Und wer es kürzer mag, parkt am Wanderparkplatz an der K101 hinter Offhausen und läuft in etwa einer Viertelstunde hinauf.
Eine Bitte zum Schluss, die uns wirklich am Herzen liegt: Der Druidenstein ist ein geschütztes Naturdenkmal – und ein Ort zum Durchatmen. Nehmt euren Müll wieder mit nach Hause, bleibt auf den Wegen und hinterlasst den Platz so, wie ihr ihn selbst gern vorfinden würdet. Nur so bleibt dieses kleine Naturwunder auch für alle, die nach uns kommen, das, was es heute ist: ein Stück Staunen mitten im Wald.
Anfahrt: Auf dem Druidenstein, 57548 Kirchen-Herkersdorf – von Kreuztal aus rund 35 Autominuten. Geparkt wird direkt unterhalb des Felsens oder am Wanderparkplatz an der K101; der Besuch ist kostenlos.

Durch das Blätterdach fällt der Blick auf den Druidenstein bei Kirchen-Herkersdorf – die gebündelten Basaltsäulen mit dem Gipfelkreuz.

Aus der Froschperspektive wird die Wucht des Felsens greifbar: rund 20 Meter senkrechte Basaltsäulen, oben gekrönt vom Kreuz. Weitere Bilder folgen
Fotos: Andreas Trojak / wirSiegen
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