Statt in die Luft – ins Heiznetz: Siegen-Wittgenstein erschließt Industrieabwärme als Energiequelle

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(wS/si) Kreis Siegen-Wittgenstein 06.10.2026 | In den Öfen der heimischen Stahl- und Metallbetriebe entsteht bei der Produktion weit mehr als nur das fertige Produkt: enorme Mengen an Wärme, die bislang ungenutzt in die Luft entweichen – während nebenan Wohngebiete und Betriebe Energie zum Heizen brauchen. Das soll sich künftig ändern. Auf Einladung des Kreises haben sich Vertreter großer heimischer Unternehmen und Kommunen im Netphener Ratssaal getroffen und das Abwärme-Netzwerk Siegen-Wittgenstein gegründet. Ziel des neuen Netzwerks ist es, die Potenziale der Abwärmenutzung in der Region zu erkennen und systematisch auszuschöpfen.

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Netzwerk: Abwärme-Netzwerk Siegen-Wittgenstein
Auftaktveranstaltung: Netphener Ratssaal
Gründungsmitglieder: ALSTOM Transport Germany GmbH, BGH Edelstahl Siegen GmbH, Coatinc Siegen / The Coatinc Company, Debus Glühen – Wärmebehandlung – Sandstrahlen GmbH, Franz Hillebrand GmbH & Co. KG, Gontermann-Peipers GmbH, Irle Rolls GmbH, KÖNIG + CO. GmbH und SSI Schäfer GmbH & Co. KG
Nächste Schritte: Netzwerktreffen alle zwei Monate; kostenfreie Erstanalyse durch empact; erste Empfehlungen angestrebt bis Frühjahr 2027
Kontakt für interessierte Unternehmen: Norman Noske – n.noske@siegen-wittgenstein.de – 0271 333 1165

Als Abwärme wird die Energie bezeichnet, die bei industriellen Prozessen zusätzlich zum eigentlich gewünschten Produkt entsteht – etwa als heiße Abluft, warmes Abwasser oder Wärme aus Verbrennungs- und Kühlprozessen. Da sie ohnehin anfällt, gilt sie als besonders kostengünstige und klimafreundliche Energiequelle. Wird sie nicht weiterverwendet, entweicht sie meist ungenutzt in die Umgebung, etwa über den Schornstein.

Siegen-Wittgenstein beheimatet viele Betriebe der Schwerindustrie und Stahlverarbeitung, bei deren Arbeitsprozessen viel Abwärme entsteht. Aktuell wird diese kostenlose Energie in vielen Betrieben jedoch ungenutzt abgegeben.

Landrat Müller: „Wir müssen sie nur klug nutzen“

„Abwärme ist Energie, die längst da ist“, erklärte Landrat Andreas Müller zur Gründung des Netzwerks. „Wir müssen sie nur klug nutzen, statt sie ungenutzt verpuffen zu lassen.“ Die Kreisverwaltung sehe es laut Müller als ihre Aufgabe, die richtigen Partner zusammenzubringen und den Weg zu einer klimafreundlichen und zukunftsfesten regionalen Wirtschaft aktiv zu unterstützen.

Für Unternehmen, die Wärme abgeben, bedeute das mehr Nachhaltigkeit und zusätzliche Erträge, so Müller. Wer Wärme beziehen möchte, werde unabhängiger von steigenden Energiekosten und Stromimporten.

Wo bleibt die Wärme? Netzwerk soll zentrale Fragen beantworten

Bislang fehlt es in vielen Betrieben an Antworten auf zentrale Fragen: Wem und wohin könnte die Wärme geliefert werden? Wie lässt sich eine Abwärmenutzung strategisch und praktisch umsetzen? Und wie werden die tatsächlich verfügbaren Mengen überhaupt erfasst? Genau hier setzt das neue Abwärme-Netzwerk an. Der Kreis Siegen-Wittgenstein versteht sich dabei als Vermittler und Vernetzer des Prozesses und bringt Unternehmen, Kommunen und weitere Akteure zusammen.

Fachlich begleitet wird die Arbeit des Netzwerks vom AwaNetz – bestehend aus dem Bundeswirtschaftsministerium sowie den Firmen empact, IZES und EDL_HUB.

Beispiel aus Sachsen zeigt, wie es funktionieren kann

Wie eine solche Kooperation gelingen kann, zeigt das Beispiel der Stadtwerke Weißwasser in Sachsen: Gemeinsam mit dem Glashersteller Stölzle Lausitz wird dort Abwärme aus Glasöfen mit Temperaturen von bis zu 1.500 Grad Celsius über Wärmetauscher in das städtische Fernwärmenetz eingespeist. Nach Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) könnten so künftig bis zu 30 Prozent des städtischen Wärmebedarfs gedeckt und mehr als 7.000 Tonnen CO₂ im Jahr eingespart werden. Das Projekt zeigt, wie aus einem Energieverbraucher ein Wärmelieferant für eine ganze Stadt werden kann – ein Modell, das auch für die Zusammenarbeit von Unternehmen und Kommunen in Siegen-Wittgenstein Orientierung bieten kann.

Alle zwei Monate: Treffen mit wechselnden Workshops

Die Teilnehmer des Abwärme-Netzwerks kommen künftig alle zwei Monate zusammen. Die Treffen werden von thematisch wechselnden Workshops begleitet – von Wirtschaftlichkeit über rechtliche Rahmenbedingungen bis hin zu konkreten technischen Lösungen. Parallel dazu nimmt das Beratungsunternehmen empact Kontakt zu den teilnehmenden Unternehmen auf, um die notwendigen Daten für eine kostenfreie Erstanalyse zu erheben. Ziel ist es, bis Frühjahr 2027 erste konkrete Empfehlungen vorzulegen.

Interessierte Unternehmen, die sich zum Thema Abwärme-Netzwerk informieren möchten, können sich für ein unverbindliches Erstgespräch bei Norman Noske melden: n.noske@siegen-wittgenstein.de oder 0271 333 1165.


Bürgermeister Marco Müller (erste Reihe, Mitte) begrüßte die Teilnehmer zur Auftaktveranstaltung des Abwärme-Netzwerks Siegen-Wittgenstein im Netphener Ratssaal. (Foto: Kreis Siegen-Wittgenstein)

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