(wS/si) Siegen 15.10.2026 | Die angekündigte Schließung der Produktion am Standort Geisweid der Deutschen Edelstahlwerke sorgt bei der Stadt Siegen für eine deutliche Reaktion. Bürgermeister Tristan Vitt hat sich über die städtische Pressestelle zu den Plänen geäußert – und kündigt an, den Standort und die Beschäftigten nicht kampflos aufzugeben.
Vitt spricht von einer „Katastrophe für die Beschäftigten der Deutschen Edelstahlwerke und ihre Familien” und von einem „schweren Schlag für Geisweid, die Stadt Siegen und unsere gesamte Region”. Der Bürgermeister verweist auf die lange Tradition der Stahlindustrie in Siegen und besonders in Geisweid und fordert vom Unternehmen, seine Entscheidung nachvollziehbar zu begründen, sämtliche Alternativen ernsthaft zu prüfen und mit der Stadt über konkrete Perspektiven für den Standort zu sprechen.
Die nachfolgenden Einschätzungen geben die Position von Bürgermeister Tristan Vitt wieder. Eine eigene Stellungnahme der Deutschen Edelstahlwerke zu den Hintergründen der Entscheidung sowie Angaben zum Zeitplan und zur Zahl der betroffenen Arbeitsplätze sind nicht Teil der Mitteilung der Stadt Siegen.
Die Stellungnahme von Bürgermeister Tristan Vitt im Wortlaut:
„Die angekündigte Schließung der Produktion am Standort Geisweid ist eine Katastrophe für die Beschäftigten der Deutschen Edelstahlwerke und ihre Familien. Sie ist zugleich ein schwerer Schlag für Geisweid, die Stadt Siegen und unsere gesamte Region.
Siegen und insbesondere Geisweid sind seit Generationen untrennbar mit der Stahlindustrie verbunden. Das Stahlwerk ist weit mehr als ein Produktionsstandort. Es ist ein wesentlicher Teil unserer industriellen Identität und unserer Stadtgeschichte. Generationen von Beschäftigten haben hier mit ihrer Arbeit einen entscheidenden Beitrag zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung unserer Region geleistet.
Dass ausgerechnet ein solcher Standort einer unternehmerischen Neuausrichtung zum Opfer fallen soll, ist für mich mit den aktuellen Informationen in keiner Weise nachvollziehbar. Wir sprechen hier nicht über irgendeinen Standort, sondern über einen traditionsreichen und leistungsfähigen Industriestandort im (wirtschaftlichen) Oberzentrum Südwestfalens. Siegen verfügt über eine starke industrielle Infrastruktur, eine leistungsfähige Universität, eine ausgeprägte Forschungslandschaft und ein dichtes Netzwerk hoch spezialisierter Unternehmen. Gerade die Verbindung von industrieller Produktion, wissenschaftlicher Forschung und technologischer Entwicklung bietet hervorragende Voraussetzungen für die Zukunft und wirtschaftlich tragfähige Weiterentwicklung der Stahlindustrie.
Wer über die Zukunft der Stahlindustrie, neue Kompetenzzentren und innovative Produktionsstrukturen nachdenkt, kann an einem Standort wie Siegen nicht vorbeiplanen. Wenn ein Unternehmen seine strategische Ausrichtung verändert, muss es erklären können, weshalb die vorhandenen industriellen und wissenschaftlichen Stärken unserer Region offenbar keine ausreichende Berücksichtigung finden.
Ich werde als Bürgermeister nicht einfach so akzeptieren, dass die industrielle Zukunft eines so bedeutenden Standorts aufgegeben wird. Wir werden für Geisweid kämpfen, für die Beschäftigten, für ihre Familien und für den Erhalt industrieller Wertschöpfung in unserer Stadt.
Ein Konzern kann seine Strategie ändern. Aber er darf nicht erwarten, dass eine ganze Stadt und eine ganze Region die Folgen schweigend hinnehmen. Ich erwarte vom Unternehmen, dass es seine Entscheidung nachvollziehbar begründet, sämtliche Alternativen ernsthaft prüft und mit uns über konkrete Perspektiven für den Standort spricht. Die Stadt Siegen ist bereit, sich mit aller Kraft in diesen Prozess einzubringen und gemeinsam mit den Beschäftigten, ihren Interessenvertretungen, der Geschäftsführung und den weiteren Verantwortlichen um tragfähige Lösungen zu ringen.
Geisweid ist kein beliebiger Standort, den man mit einem Federstrich ausradieren kann. Wer hier die Produktion schließt, streicht nicht einfach einen Standort, er greift in das industrielle Herz unserer Stadt ein.”










