Von der Röntgenabteilung zum High-End-Zentrum: 60 Jahre Diakonie Klinikum Jung-Stilling auf dem Rosterberg in Siegen

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(wS/dia) Siegen 18.10.2026 | Sechs Jahrzehnte, ein Standort – und eine Medizin, die kaum wiederzuerkennen ist: Am 8. Oktober 1966 öffnete das Evangelische Jung-Stilling-Krankenhaus an der Wichernstraße auf dem Siegener Rosterberg erstmals seine Türen. 60 Jahre später ist aus dem damaligen Neubau das Diakonie Klinikum Jung-Stilling geworden – ein Haus, das nicht nur baulich gewachsen ist, sondern auch bei der Diagnostik und Therapie einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen hat. Wie enorm sich die Medizintechnik in dieser Zeit fortentwickelt hat, zeigt ein Blick in die Radiologie.

Seit 60 Jahren besteht das Diakonie Klinikum Jung-Stilling in Siegen am heutigen Standort auf dem Rosterberg und hat in dieser Zeit eine enorme bauliche, technische und medizinische Fortentwicklung erlebt. (Foto: Diakonie in Südwestfalen/Daniel Weber)

Als das 13-geschossige, anfangs für 400 Betten ausgelegte Krankenhaus 1966 eröffnet wurde, zog eine für damalige Verhältnisse moderne Röntgenabteilung mit ein. Eingebettet in den Fachbereich Neurochirurgie/Neuroradiologie unter Chefarzt Prof. Dr. Wilhelm Umbach verfügte das neue Haus über die seinerzeit besten Möglichkeiten der Bildgebung. Dazu gehörten neuartige Röntgen-Bildverstärker, mit denen die Durchleuchtung verbessert und die Strahlendosis für Patienten deutlich verringert werden konnte. Bereits damals stand dem medizinischen Personal ein ferngesteuertes Röntgen- und Durchleuchtungssystem zur Verfügung, das es vor direkter Strahlung schützte.

1977: Erster Ganzkörper-CT außerhalb einer Uni-Klinik

Die 1960er- und 1970er-Jahre waren geprägt von rasanten Fortschritten in Medizin und Technik. Fachdisziplinen erweiterten ihre Spektren, Ärzte spezialisierten sich zunehmend, und moderne Hilfsmittel hielten Einzug in Diagnostik und Therapie. Das Jung-Stilling erwies sich dabei in vielerlei Hinsicht als Vorreiter – besonders im Jahr 1977: Damals wurde auf dem Rosterberg ein Ganzkörper-Computertomograph vom Typ Somatom 2 in Betrieb genommen. Es war das deutschlandweit erste Gerät dieser Art außerhalb einer Universitätsklinik. Eingesetzt wurde der CT vor allem von der Neurochirurgie unter Chefarzt Prof. Dr. Arno Schulze.

Erst wenige Jahre zuvor hatte der britische Ingenieur Godfrey Hounsfield den ersten klinischen Computertomographen entwickelt und damit die Röntgendiagnostik revolutioniert. 1971 wurde erstmals eine Patientin mit der neuartigen Technik untersucht. Die entscheidende Neuerung gegenüber dem klassischen Röntgen: Während sich beim herkömmlichen Verfahren Organe und Knochen auf einem zweidimensionalen Bild überlagern, werden bei der Computertomographie die Röntgenstrahlen in elektrische Signale umgewandelt und die Bilder digital verarbeitet. Die Geräte nehmen eine Körperschicht aus verschiedenen Winkeln auf, der Computer errechnet daraus ein dreidimensionales Modell.

1977 sorgte am „Stilling“ der bundesweit erste Ganzkörper-Computertomograph außerhalb einer Uni-Klinik für Aufsehen.

MRT revolutioniert die Diagnostik

In den 1980er- und 1990er-Jahren folgte der nächste Quantensprung: Die Magnetresonanztomographie – damals häufig noch Kernspintomographie genannt – hielt flächendeckend Einzug in größere Kliniken. Erstmals konnten Weichteilgewebe, Gehirn und Rückenmark ohne Röntgenstrahlung und in extrem hohem Kontrast dargestellt werden. Auch im Jung-Stilling griffen die Radiologen frühzeitig auf die moderne Technologie zu. 1989 entstand unterhalb des Krankenhauses ein eigenes MRT-Gebäude für die radiologische Abteilung.

Die bauliche Entwicklung am Rosterberg schritt parallel zur medizintechnischen stetig voran. Das Klinikum selbst wurde über die Jahrzehnte mehrfach angebaut und aufgestockt. Als 2005 auf dem Campus das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) eröffnet wurde, um ambulante fachärztliche Versorgung mit dem stationären Bereich zu verknüpfen, gehörte die Radiologie neben einer dermatologischen Praxis zu den ersten Angeboten.

Heute: Drei Säulen und Ausstattung auf universitärem Niveau

Die Radiologie am Jung-Stilling ist heute ein hochvernetztes Zentrum, das drei tragende Säulen vereint: das Institut für Radiologie unter Chefarzt Dr. Michael El-Sheik für die stationäre Versorgung, die Radiologische Praxis im MVZ unter der ärztlichen Leitung von Dr. Jens Nawatny für die ambulante Versorgung sowie das Mammografie-Screening für die Region Siegen-Olpe-Hochsauerland unter der Leitung von Dr. Michael Blazek und Dr. Volker Christian Brandenbusch.

Der Fachbereich verfügt nach Angaben des Klinikums über eine Ausstattung, die teilweise universitäres Niveau erreicht und weit über den üblichen Standard in Krankenhäusern hinausgeht. Zum Gerätepark gehören vier hochmoderne MRT-Systeme – darunter ein besonders starkes 3-Tesla-MRT mit großer Öffnung sowie drei 1,5-Tesla-Geräte –, vier strahlenarme CT-Geräte und roboterbasiertes digitales Röntgen. Hinzu kommen ein Angiographiesystem für interventionelle Radiologie, Neuroradiologie und Kardiologie, das bei komplexen Eingriffen am Herzen oder im Gehirn Blutgefäße und Katheter sofort aus zwei Perspektiven darstellen kann, sowie in Kooperation mit der benachbarten Nuklearmedizin ein PET/CT für die gleichzeitige Erfassung von Gewebestoffwechsel und Anatomie – bedeutsam vor allem in der Krebs- und Demenzdiagnostik.

Die Abteilung wurde mehrfach von der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) zertifiziert, unter anderem als Spezialzentrum für Muskuloskelettale Radiologie sowie für kardiovaskuläre Bildgebung. Weitere DRG-Zertifikate bestehen für die MRT-Untersuchung der Prostata und für die minimalinvasive Behandlung von Gefäß- und Tumorerkrankungen sowie von Erkrankungen der Verdauungsorgane und zur Schmerztherapie. In enger Kooperation arbeitet die Radiologie mit dem Fachbereich Neuroradiologie unter Chefarzt Dr. Georg Richter zusammen, wo modernste Bildgebung unter anderem bei der katheterbasierten Behandlung akuter Schlaganfälle, Aneurysmen oder Fehlbildungen der Gehirnschlagadern zum Einsatz kommt.

„Zunehmend geben unsere Messdaten auch Auskunft über Körperfunktionen und ihre Störungen”, betont Chefarzt Dr. Michael El-Sheik. „So können wir beispielsweise gut- und bösartige Tumore unterscheiden, Krebszellen aufspüren oder den exakten Verlauf von Nervenbahnen aufzeigen.” Die moderne Radiologie leiste damit weit mehr, als Aufnahmen von Knochen, Geweben und Organen zu machen.

Der Blick in den Körper – in der Radiologie im Diakonie Jung-Stilling kommen dafür modernste Geräte zum Einsatz, so wie dieser Magnetresonanztomograph. (Fotos: Diakonie in Südwestfalen/Daniel Weber)

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