Ein Auge für die kleinen Dinge des Lebens

wS/dsw    Siegen   –   „Das Geheimnis der Palliativ- und Hospizarbeit ist es, zu spüren was der einzelne schwerkranke Mensch und seine Angehörigen brauchen“, erklärte Professor Dr. Joachim Labenz, Chefarzt der Medizinischen Klinik am Jung-Stilling-Krankenhaus in Siegen. Gemeinsam informierten Labenz und sein Team von der Palliativstation sowie Krankenhaus-Seelsorger Hartmut Uebach und Hospizleiter Burkhard Kölsch über Versorgungskonzepte am Lebensende. Sowohl im Hospiz als auch in der Palliativmedizin geht es darum, die Lebensqualität unheilbar kranker Menschen so lange wie möglich zu erhalten. Und trotzdem unterscheiden sich die beiden Institutionen. „Palliativmedizin bedeutet, die Symptome einer Krankheit zu lindern und damit eine Pflege zu Hause zu ermöglichen“, erläuterte Dr. Julia Hartmann, Oberärztin der Medizinischen Klinik.

Rund 60 Prozent der Patienten können nach dem Krankenhausaufenthalt noch einmal nach Hause zurückkehren. Im Hospiz hingegen werden Menschen betreut, deren Pflege in den eigenen vier Wänden nicht mehr möglich ist: „Wir begleiten Todkranke in den letzten Tagen ihres Lebens – ihr Aufenthalt bei uns beträgt durchschnittlich 12 bis 13 Tage“, sagte Kölsch. Der Blick wird im Hospiz auch auf die kleinen Dinge des Lebens gerichtet, Vorlieben und Gewohnheiten der Hospiz-Gäste werden berücksichtigt. Das Gleiche gilt für die Palliativmedizin. „In Bezug auf ihre Lebensqualität setzen unheilbar kranke Menschen andere Schwerpunkte“, erläuterte Han-Jost Graffmann, Leiter der Pflege auf der Palliativstation. Dies bedeutet auch in der Pflege ein Umdenken. Beispielsweise wird Druckgeschwüren normalerweise mit häufigem Umlagern des Patienten vorgebeugt. „In der Palliativpflege ist es wichtig, dass Patienten viel Ruhe haben – deshalb vermeiden wir zu häufige Positionswechsel.“ Darüber hinaus gilt es, nicht nur körperliche Beschwerden zu lindern, sondern auch psychische Belastungen aufzufangen. Psychologin Sonja Weber und Krankenhaus-Seelsorger Hartmut Uebach nehmen sich den Ängsten und Sorgen der Patienten an.

Welchen Stellenwert dies für die Betroffenen und ihre Angehörigen hat, erklärte Weber: „Oft ist die Diagnose Krebs ein schwerwiegender Einschnitt in die Lebenssituation.“ Gespräche, Kriseninterventionen und eine individuelle Begleitung sollen Menschen dabei helfen, die Krankheit zu verarbeiten. Auch Seelsorger Uebach nimmt sich Patienten an und zeigt ihnen Wege, mit der schwierigen Situation umzugehen. „Gerade der Glaube gibt vielen Kraft – Sicherheit finden Betroffene aber nicht nur im Christentum“, sagte Uebach. Seelsorge ist deshalb immer mehr auch Spiritualität und beschäftigt sich mit allem, was den Menschen stärkt.

Um die Lebensqualität unheilbar kranker Menschen zu erhalten, gilt es nicht nur die Krankheitssymptome zu lindern, sondern auch psychische Belastungen aufzufangen. Deshalb nehmen sich Dr. Julia Hartmann, Oberärztin der Medizinischen Klinik am Jung-Stilling-Krankenhaus in Siegen, (links) und das Team der Palliativstation viel Zeit für Patienten.

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