Grundschullandschaft im Schwebezustand

wS/wi  –  Wilnsdorf  –  29.11.2012  —  Bürgerbegehren verzögert Umsetzung der Wilnsdorfer Schulentwicklungsplanung  —  Die vergangene Sitzung des Wilnsdorfer Schulausschusses nahmen die Initiatoren des Bürgerbegehrens zum Anlass, die ersten Unterschriftenlisten der Verwaltung zu überreichen. Das Begehren richtet sich gegen den Ratsbeschluss vom 27. September 2012. Damals entschied sich das Gremium, die Grundschulen in Anzhausen, Obersdorf und Wilden zu schließen. Nur so könne die Unterrichtsqualität an den vier verbleibenden Standorten gesichert werden, war Meinung der Ratsmitglieder.

Ob das Bürgerbegehren zulässig ist, wird nun von der Verwaltung geprüft, sowohl in formaler als auch inhaltlicher Hinsicht. Die endgültige Entscheidung über die Zulässigkeit wird der Rat treffen. Bis dahin befindet sich die Wilnsdorfer Grundschullandschaft im Schwebezustand. Bürgermeisterin Christa Schuppler bedauert: „Wir konnten den Eltern noch nicht die versprochene Planungssicherheit geben“. Zwar wurden Anfang November die Erstklässler des kommenden Schuljahres gemäß des Grundsatzbeschlusses nur an den Grundschulen Dielfen, Rudersdorf, Wilgersdorf und Wilnsdorf angemeldet. Aber: „Aus Rücksicht auf das Bürgerbegehren haben wir noch keinen formalen Ratsbeschluss zur konkreten Schließung bzw. Auflösung der anderen drei Standorte angestrengt“, erklärt Schuppler.

Ein Rückblick: Im Herbst 2011 stieg die Wilnsdorfer Politik in die Schulentwicklungsplanung im Grundschulbereich ein. Ziel war es, die Grundschulen so zu organisieren, dass alle Kinder in ähnlich großen Klassen unterrichtet werden können und ihnen eine ausreichende Lehrerversorgung zuteilwird. Die Lösung sollte zudem Bestand für mindestens fünf Jahre haben, damit Eltern Planungssicherheit genießen können. Schnell zeichnete sich ab, dass die Schließung nur eines Standortes keine zukunftsfähige Lösung wäre.

Um allen Beteiligten genügend Zeit zum Gedankenaustausch zu geben, wurde auf ein schnelles Ergebnis verzichtet und die grundsätzliche Entscheidung auf den Herbst 2012 vertagt. Während dieses Jahres fanden auf unterschiedlichen Ebenen zahlreiche Informationsveranstaltungen, Gesprächsrunden und Beratungen statt. „Entgegen einigen Behauptungen war es uns wichtig, die Entscheidung nicht über die Köpfe der Betroffenen hinweg zu fällen“, erinnert Christa Schuppler an die lang und engagiert geführte Debatte.

Vertreter von Eltern, Grundschulen, Politik und Verwaltung hatten an einem Runden Tisch die Möglichkeit, sich an der Schulentwicklungsplanung zu beteiligen. Seit Februar 2012 wurden in fünf intensiv geführten Sitzungen Entscheidungskriterien entwickelt, Argumente ausgetauscht, Lösungen diskutiert und Bedürfnisse abgewogen. Zeitgleich gingen umfangreiche Stellungnahmen aus einigen Ortsteilen im Rathaus ein, die alle in die Diskussion einflossen. Alle Fakten wurden den Fraktionen zur Beratung gegeben und dort in zahlreichen Sitzungen diskutiert.

Abschließend entschied sich der Rat am 27. September 2012 dazu, die Standorte Anzhausen, Obersdorf und Wilden zu schließen. „Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen, doch es gab für unsere Situation keine Lösung, die niemandem wehtut“, zeigt die Bürgermeisterin Verständnis für den Protest aus den betroffenen Ortsteilen. Die Politik habe sich aber ihrer Verantwortung gestellt und eine Entscheidung im Sinne des Gemeinwohles getroffen: eine zukunftssichere und gerechte Schullandschaft zu gestalten. „Unser Grundschulmodell war nicht mehr tragfähig“, fasst Schuppler zusammen. „Eine Lösung zu vermeiden, nur weil sie unpopulär ist, kann keinesfalls im Sinn von Eltern und Schülern sein“, ist sich die Bürgermeisterin sicher.

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