Judo-Kampfrichter Hans-Werner Krämer macht Platz für Nachwuchs

(wS/sp) Siegen – Hans-Werner Krämer, einer der renommiertesten Kampfrichter Deutschlands, beendet mit 55 Jahren seine aktive Laufbahn. Der Siegener ist ein Vorbild – auf und neben der Matte.

Hans-Werner Krämer (55), kaufmännischer Angestellter bei RWE, hatte Mitte November 2007 mit Bestnote die Prüfung zum A-Weltkampfrichter bestanden. Am 18.10.2014 in Abensberg beim Bundesliga-Finale wird er sich als aktiver Kampfrichter verabschieden. Foto: Verein

Hans-Werner Krämer (55), kaufmännischer Angestellter bei RWE, hatte Mitte November 2007 mit Bestnote die Prüfung zum A-Weltkampfrichter bestanden. Am 18.10.2014 in Abensberg beim Bundesliga-Finale wird er sich als aktiver Kampfrichter verabschieden. Foto: Verein

Es ist vorbildlich, warum Krämer sich aus dem aktiven Geschäft zurückzieht. „Ich wollte meinen Platz nicht für den Nachwuchs blockieren“, sagt der Referee, der bei zahllosen internationalen Einsätzen den Deutschen Judo Bund repräsentiert hat. Vor einem Jahr ging die deutsche Kampfrichterkommission in Klausur. Tragendes Thema der Debatte: Wie schaffen wir es, dass ein deutscher Unparteiischer bei den Olympischen Spielen 2016, 2020 oder 2024 dabei sein wird?

Das Resultat war, primär den perspektivreichen Nachwuchs zu fördern. Konsequent wie Krämer ist („Mein Motto, wenn ich was mache, dann mache ich es ganz oder gar nicht“) zog er für sich persönlich den Schluss, mit gutem Beispiel voranzugehen. Und das deutlich vor der Altersgrenze, in der Unparteiische in Ruhestand gehen müssen.

Es passt zum Naturell des gelassenen, in sich ruhenden Siegerländers. Er will sich an kein Amt klammern, bis ihm jemand höflich, aber bestimmt sagt: Deine Zeit ist vorbei. Stattdessen hat er den Zeitpunkt selbst bestimmen wollen, wann für ihn Schluss ist. Der Preis dafür ist hoch: Krämer verabschiedet sich auf hohem Leistungsniveau. Das wurde im Umfeld mit Bedauern festgestellt, als er seinen Rücktritt ankündigte.

Seinen letzten internationalen Einsatz hatte Krämer vor wenigen Wochen in Glasgow bei den Commonwealth-Spielen. Wie hoch seine Reputation ist, zeigt eine Begebenheit: In Schottland wurde ihm die Leitung des letzten Finales angetragen. Es hätte keine bessere Symbolik für die Wertschätzung geben können, die er sich im Lauf von zwei Jahrzehnten auf internationalen Matten verdient hat.

Wer sich zur Dan-Prüfung anmeldet, muss als Voraussetzung den Besuch eines Kampfrichter-Lehrganges nachweisen. Diese Bedingung war der Schlüssel für die steile Kampfrichterkarriere, die Krämer auf fast alle Kontinente des Erdballs führte. „Bezirks-KR-Obmann Bronsilaw Niedzialkowski (selbst Int.-B-KR) sprach mich damals an und meinte, ich hätte Talent fürs Schiedsen“, erinnert sich der Kaufmännische Angestellte. Später förderten ihn Kampfrichter-Größen wie Dieter Bruns, Klaus Friedrich, Horst Menz und Bernd Achilles.

Krämer gab andererseits viel zurück. Nicht nur, dass er viel Zeit investierte, um bei den großen Events präsent sein zu können. Er engagiert sich zusätzlich in der Bundeskampfrichterkommission, wo er erster Vertreter von KR-Chef Stephan Bode ist, als Vize-Präsident des Nordrhein-Westfälischen Judoverbands, dessen KR-Obmann er auch ist, sowie als Vorsitzender und Trainer seines Heimatvereins Judofreunde Siegen-Lindenberg.

In diesen Funktionen wird er dem Judo über das Bundesliga-Finale am 18.Oktober in Abensberg hinaus verbunden bleiben. Das heißt auch: Er wird sich weiterhin aktiv um den bundesdeutschen Kampfrichter-Nachwuchs kümmern. Dem gibt er obendrein eine zentrale Botschaft mit auf den Weg: „Behaltet Eure Kritikfähigkeit. Wer glaube, er mache keine Fehler, hat schon den ersten Fehler hinter sich.“

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