Mehrweg statt Einweg

LEADER-Projekt „Neunkirchen to go“ geht an den Start

(wS/red) Neunkirchen 12.08.2017 | Beim Bauern- und Ökomarkt im September werden sie aufmerksamkeitswirksam unters Volk gebracht: Mit umweltfreundlicher Stofftasche und biologisch abbaubarem Kaffeemehrwegbecher möchte die Projektgruppe „Neunkirchen to go“ einen ökologisch sinnvollen Beitrag zum Klimaschutz leisten, sowie den oft unnötigen und leider stetig zunehmendem Plastikmüll mit all den Folgen für Umwelt, Meere und Klima reduzieren. Zugleich wollen sie aber auch für ressourcenschonende Verhaltensweisen werben und erreichen, dass immer mehr Verbraucher ihr Kaufverhalten kritisch hinterfragen.

Der Ideengeberin Almuth Bickart ist das Müllaufkommen Zuhause, an Straßen, Plätzen und Wegen besonders in ihrer Heimatgemeinde schon lange ein Dorn im Auge. Die Struthüttenerin schloss sich vor vielen Jahren dem „Ehrenamt Sauberkeit“ an. Mit ihr sind dort engagierte Bürger, insbesondere Mitglieder der örtlichen Heimatvereine, denen die Umwelt am Herzen liegt, mit Greifzange und Müllsack regelmäßig in ihren Ortsteilen unterwegs, um das, was Mitmenschen unbedacht einfach in die Natur werfen, aufzusammeln und richtig zu entsorgen. Irgendwann rückte das globale Thema „Plastikmüll“ in ihren Fokus: Das Verschwenden von Rohstoffen durch die Herstellung der 6,5 Milliarden Plastiktüten pro Jahr in Deutschland und die aufkommende Mode, den Kaffee aus Einwegbechern zu trinken, alarmierten das Ratsmitglied. 2,8 Milliarden Becher pro Jahr in Deutschland: „Ein weiter so geht gar nicht, es muss etwas passieren“, entschied sie und begann einige Ideen zu entwickeln, um die Menschen vor Ort für das Thema zu gewinnen. Die erste Zielsetzung war, Plastiktüten aus dem Neunkirchener Einzelhandel zu verbannen und durch Stofftaschen zu ersetzen, die im Rahmen einer Aktion selbst genäht werden sollten. Die Durchführung dieses Projekts erwies sich jedoch als problematisch. Dann aber wurde Neunkirchen Teil der LEADER-Region. Und dies eröffnete die Möglichkeit, Fördergelder für nachhaltige Projekte zu erhalten.

Es ist geschafft! Der Bewilligungsbescheid des LEADER-Projekts „Neunkirchen to go“ ist eingetroffen. v.l.: Umweltberater Matthias Jung, LEADER-Managerin Anne-Kathrin Hoß, Susanne Jud, Stefanie Schmidt, Jutta Capito, Sigrid Schmidt von der Sparkasse Burbach-Neunkirchen (Geschäftsstellenleiterin in Neunkirchen), Achim Greis vom Heimatverein Neunkirchen als Projektträger, Almuth Bickart, Claudia Günther, Wolfgang Franz, Vorstandsvorsitzender Sparkasse Burbach-Neunkirchen, freuen sich über den Zuschlag. Nicht auf dem Foto, Jana Reinschmidt. Foto: Gemeinde Neunkirchen

Gemeinsam mit Jutta Capito, Susanne Jud, Jana Reinschmidt, Claudia Günther, Stefanie Schmidt und dem Umweltberater der Gemeinde Neunkirchen, Matthias Jung, wurde ein Projektvorschlag erarbeitet: Stofftaschen und leichte Rucksäcke aus Baumwolle sowie ein Mehrwegbecher aus nachwachsenden Rohstoffen sollen ein Zeichen gegen die Wegwerfmentalität setzen. Ein kreativer Kopf, der das Emblem für die Tüten und Beutel entwarf, fand sich mit Stefanie Schmidt in den eigenen Reihen. Das Projekt erhielt schließlich den Namen „Neunkirchen to go“. „Wir haben uns bewusst für Produkte entschieden, die Plastiktüten und Becher nicht einfach ersetzen, sondern die viele hunderte Male wieder verwendbar sind“, erklärt Bickart. Die Becher werden in Deutschland produziert und sind biologisch abbaubar.

Mit dem Heimatverein Neunkirchen, vertreten durch den Vorsitzenden Achim Greis, wurde schließlich ein Projektträger gefunden, der sich der Heimatpflege und dem Umweltschutz verschrieben hat. Die Sparkasse Burbach-Neunkirchen übernahm indes den Eigenanteil des Projekts, der bei 35 % liegt. Wenngleich die Idee schon früh geboren war, ihre Realisierung brauchte Zeit. Eineinhalb Jahre dauerte es bis die LEADER-Managerin Anne-Kathrin Hoß den positiven Förderbescheid endlich in Händen hielt. Als „Pioniere der Projektarbeit“ bezeichnet sie die engagierte Gruppe, die sich trotz aller bürokratischen Hürden nicht von ihrem Weg abbringen ließ. Beim Bauern- und Ökomarkt am 24. September sollen die Taschen und Becher aufmerksamkeitswirksam verteilt werden. „Unser Hauptanliegen ist es, ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu schaffen und zu erreichen, dass bei Einkäufen der Aspekt der Umweltverträglichkeit mehr berücksichtigt wird“, erklärt Jutta Capito. „Viele wertvolle Rohstoffe landen nach einmaligem Gebrauch in der Müllverbrennung oder als Plastikabfall im aufwändigen Recycling“, ergänzt Umweltberater Jung und schüttelt den Kopf angesichts in Plastikfolie gehüllter Gurken oder Cocktailtomaten in der starren Kunststoffverpackung: „Vor dem Hintergrund, dass in Deutschland Jahr für Jahr mehr als 17 Millionen Tonnen Verpackungsmüll anfallen, ist die Vermeidung von Müll immer besser, als das Recycling.“ Das wissen auch schon die Jüngsten in Neunkirchen: Seit Jahren beteiligen sich die Neunkirchener Schulen und Kindergärten alljährlich an der Jahresreinigungsaktion der Gemeinde, sind dadurch für das Umweltthema sensibilisiert. Daher war es dem Organisationsteam wichtig, auch Kinder und Jugendliche für das „Neunkirchen to go“- Projekt einzubeziehen. Bereits in der Frühphase der Planungen suchten Susanne Jud und Umweltberater Matthias Jung den Kontakt zu den örtlichen Kindergärten und Schulen. In den vergangenen Monaten wurden dort Strategien entwickelt, Abfall zu vermeiden oder ihn – etwa durch Upcycling – in neue Produkte umzuwandeln. „Der Bauern- und Ökomarkt bietet den passenden Rahmen, um auch die Ergebnisse der kleinen Umweltforscher einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen“, sind sich die Mitglieder der Projektgruppe einig.

Während die Prototypen von Tasche, Rucksack und Becher nun endlich in Serie gehen, freuen sich alle Mitstreiter, dass sich ihre Hartnäckigkeit ausgezahlt hat. „Mehrweg statt Einweg“ ist nicht nur das Motto unseres LEADER-Projekts, unklarer Richtlinien wegen war es auch unser Leitsatz während der vergangenen Monate“, bekennt Almuth Bickart augenzwinkernd.

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