Netphen – Kulturforum mit dem Thema „Fotografischer Blick in Kabul/Afghanistan“

(wS/red) Netphen 10.04.2019 | Eindrucksvolle Ausstellungseröffnung im Rathaus Netphen – Zohra Soori-Nurzad zeigt ihre Werke zum Thema „Mediale Realität in Kabul“

Vergangenen Donnerstag lud das Kulturforum Netphen zur Vernissage von Zohra Soori-Nurzad in das Rathaus Netphen ein.

Der kleine Sitzungssaal war mit über siebzig Besuchern bereits gut gefüllt, als Bürgermeister Paul Wagener um 19:30 Uhr die Ausstellung mit seinem Grußwort eröffnete. Anschließend gab Dr. Ingeborg Längsfeld, 1. Vorsitzende des Kulturforums, Einblick in die Vita der Künstlerin. Uschi Huber, Kunst-Professorin an der Universität Siegen und persönliche Mentorin von Soori-Nurzad, erläuterte zudem die Hintergründe der einzelnen Werke und berichtete über den künstlerischen Werdegang ihrer ehemaligen Studentin.

Danach gab es einen kurzen Ortswechsel in das Steuerbüro Friedrich, wo der zweite Teil der Ausstellung zu begutachten ist. Wieder im Rathaus angekommen, bedankte sich die Künstlerin, überwältigt von der positiven Resonanz, bei dem Publikum und allen Beteiligten. Die Besucher ließen die Fotografien und multimedialen Werke auf sich wirken und wurden von der Künstlerin mit selbstgemachten afghanischen Spezialitäten verköstigt. Der Ausstellungsauftakt klang in gemütlicher Atmosphäre und angeregten Gesprächen aus.

Zohra Soori-Nurzad wurde 1985 in Kabul/Afghanistan geboren und flüchtete mit 10 Jahren mit ihrer Familie nach Siegen. 2008 begann sie ihr Lehramtsstudium in den Fächern Kunst und Sozialwissenschaften an der Universität Siegen und schloss letztes Jahr erfolgreich ihr erstes Staatsexamen ab.

Seit 2013 nahm die Künstlerin regelmäßig an der „Brauhausfotografie“ des Departments Kunst teil. Zuletzt wurden 2017 einige ihrer Arbeiten im Rahmen einer Ausstellung mit dem Titel „Slang Tutorial“ in der Städtischen Galerie in Siegen gezeigt.

Die Arbeiten von Soori-Nurzad werden zum einen durch ihre Lebenserfahrung in Afghanistan beeinflusst, zum anderen durch ihre westliche Sozialisation: „Ich sehe viele Dinge sowohl durch den “westlichen” als auch durch den “afghanischen” Blick. Mit Hilfe der künstlerischen Fotografie- und Videoarbeit versuche ich die beiden Kulturen zu interpretieren und zu kommentieren.“

Ihre Aufnahmen sind in gefährlichen und teilweise lebensbedrohlichen Situationen in Kabul entstanden. Bei einem Videodreh wurde die gebürtige Afghanin von Männern beleidigt und schließlich sogar verhaftet, da sie keine Genehmigung für das Filmen besaß. Bei dem anschließenden Verhör wurde Soori-Nurzad der Prostitution beschuldigt, da sie ihren Schleier gelöst hatte, um besser sprechen zu können. Dank ihrer Geistesgegenwart konnte sie sich glücklicherweise aus der Situation befreien.

Seit bereits neun Jahren beschäftigt sich die Künstlerin mit Fotografien und Videos aus Afghanistan und reist einmal pro Jahr in ihre Heimat, um zu recherchieren und Aufnahmen zu machen. Im Zuge dessen gründetet sie auch 2013 das Hilfsprojekt „ Stitching for School and Life e.V.“ für Not leidende Frauen und Waisenkinder in Afghanistan.

Die Ausstellung kann bis zum 01.07.2019 wochentags zu den regulären Öffnungszeiten des Rathauses sowie des Steuerbüros Friedrich besucht werden.

Auf Anfrage hin veranstaltet die Künstlerin kostenlose Führungen durch die Ausstellung, bei denen auch ihre eindrucksvolle Videoarbeit mit dem Titel „Die afghanische Frau – Immer in Angst“ vorgeführt wird. Anfragen hierzu richten Sie bitte an das Kulturforum Netphen unter der Nummer +49 2738 603 111 oder per Mail an e.runft@netphen.de.

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