Diakonie in Südwestfalen bietet Selbsthilfegruppe für Frauen mit Gebärmuttersenkung an

(wS/red) Siegen 22.01.2021 | „Ich weiß, ich bin nicht alleine“

Es kommt häufig vor, dass sich die Gebärmutter im Laufe des Lebens leicht senkt. Vor allem eine Geburt kann das Bindegewebe im Beckenboden schwächen. Mitunter kann sich die Position der Gebärmutter so stark verändern, dass unangenehme Symptome auftreten. Drückt die Gebärmutter auf andere Organe wie die Blase, kann es passieren, dass Frauen unfreiwillig Urin verlieren, ein unangenehmes Fremdkörpergefühl empfinden, unter Schmerzen leiden oder Organe sogar aus der Scheide nach außen treten. Darüber zu sprechen, fällt betroffenen Frauen schwer, denn die Scham ist groß. Lore M. (Name von der Redaktion geändert) bemerkte vor zwei Jahren, dass etwas nicht stimmt. Sie hat gelernt, mit den Symptomen zu leben. Ihr fehlen aber Menschen, mit denen sie darüber sprechen kann. Deshalb möchte sie eine Selbsthilfegruppe gründen. Unterstützt wird sie von Gabriele Hermann, Koordinatorin der Selbsthilfekontaktstelle der Diakonie in Südwestfalen.

„Wenn ich höre, dass es anderen Frauen genauso geht, weiß ich, ich bin nicht alleine“, sagt die 76-Jährige. Sie habe zwar gute und nette Bekanntschaften, über solche Intimitäten sprechen könne sie mit ihnen aber nicht. „Vor zwei Jahren spürte ich ein unangenehmes Fremdkörpergefühl im Schritt. Irgendwann nahm ich einen Spiegel und sah, dass aus der Scheide ein rundes Bällchen rausguckte“, erinnert sie sich. Verunsichert suchte sie ihre Frauenärztin auf. Diese schickte sie zunächst mit einem Rezept für Beckenbodengymnastik zur Physiotherapie. „Als die Ausstülpung immer größer wurde, bekam ich Angst und stellte mich bei einem Urologen vor“, so Lore M. Dieser schickte sie wieder zu einer anderen Frauenärztin, die ihr dann ein sogenanntes Pessar verschrieb.

Dabei handelt es sich um ein würfelförmiges Hilfsmittel aus Silikon, das in die Scheide eingeführt wird, um die Gebärmutter zu stützen und ein weiteres Absinken zu verhindern. Doch mit dem Pessar traten bei Lore M. neue Schwierigkeiten auf. „Ich merkte, oh verflixt, plötzlich ging ohne meinen Einfluss Urin ab.“ Sie erhielt schließlich ein Pessar in einer kleineren Größe, mit dem sie nun etwas besser zurechtkommt. Probleme gebe es jedoch immer mal wieder. „Wenn es nicht richtig sitzt oder verrutscht, verliere ich schon mal ungewollt Urin und die Geduld.“

Lore M. machte sich zwischenzeitlich große Sorgen. „Ich hatte die schreckliche Vorstellung, dass da unten irgendwann alles rausfällt.“ Doch ihre Ärztin konnte sie beruhigen, denn zahlreiche Frauen leiden unter einer Gebärmuttersenkung. Neben einer Geburt sind weitere typische Ursachen zum Beispiel schwere körperliche Arbeit wie das Heben von Lasten, aber auch Übergewicht oder dauerhafter Husten können den Druck auf die Gebärmutter erhöhen. Manche Frauen verspüren gar keine Symptome. Bei anderen sinkt die Gebärmutter so stark, dass sie auf Scheide, Blase oder Enddarm drückt. In manchen Fällen verschieben sich Scheide, Harnblase oder Gebärmutter extrem und lassen sich sogar am Scheideneingang ertasten.

Eine Operation kommt in Frage, wenn Frauen stark unter den Symptomen leiden oder beispielsweise ein Gebärmuttervorfall vorliegt. Beckenbodentraining kräftigt die Muskulatur, wirkt vorbeugend und kann leichte Beschwerden ausreichend lindern. Für Lore M. ist eine Operation bisher keine Option. Sie kann mit den Beschwerden umgehen. Weil der 76-Jährigen in ihrem Bekanntenkreis nahe Kontakte fehlen, möchte sie sich mit betroffenen Frauen austauschen. „Ich wüsste gerne wie Frauen, denen es ähnlich geht, damit umgehen.“ Interessierte Betroffene, die gerne in einem geschützten Raum mit anderen Frauen sprechen möchten, können sich bei Gabriele Hermann melden unter der Telefonnummer 0271 / 5003 214 oder per Mail an selbsthilfe@diakonie-sw.de.

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