(wS/fdp) Netphen 23.02.2026 | Die FDP-Fraktion im Kreistag Siegen-Wittgenstein bringt eine politische Anfrage zum Einsatz sogenannter PFAS (per- und polyfluorierter Alkylsubstanzen) beim Bau und Betrieb von Windkraftanlagen ein. Anlass sind Fragen, die von verschiedenen besorgten Bürgerinnen und Bürgern aus Netphen an die Fraktion herangetragen wurden. Diese warten bislang auf eine Beantwortung durch die Kreisverwaltung. Die FDP-Fraktion ist der Auffassung, dass die Klärung der aufgeworfenen Punkte von erheblichem öffentlichem Interesse ist und transparent beantwortet werden muss. Aus Sicht der FDP ist der Bau von Windkraftanlagen in der Nähe der Obernau kritisch zu sehen und im Idealfall zu untersagen.
Was ist das Problem von PFAS?
Ein Großteil der Stoffe aus der Gruppe der PFAS ist bioakkumulierbar und toxisch. Sie sind im Boden teilweise hochmobil und können leicht ins Grundwasser gelangen. Der Mensch nimmt PFAS hauptsächlich über die Nahrung auf – unter anderem über das Trinkwasser.
Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat einen umfassenden Vorschlag zur Beschränkung von rund 10.000 verschiedenen PFAS vorgelegt. Im entsprechenden Beschränkungsdossier wird das Vorkommen von PFAS in Windkraftanlagen ausdrücklich erwähnt. Mittelfristig ist davon auszugehen, dass die gesamte Stoffgruppe als besonders besorgniserregend im Sinne der REACH-Verordnung eingestuft wird.
Vor diesem Hintergrund erklärt der Fraktionsvorsitzende der FDP-Kreistagsfraktion, Guido Müller: „Wenn PFAS in Bauteilen von Windenergieanlagen verarbeitet werden, müssen mögliche Risiken für Boden, Grundwasser und insbesondere unser Trinkwasser transparent offengelegt und bewertet werden. Gerade in sensiblen Regionen dürfen wir keine offenen Fragen akzeptieren. Die Genehmigung von Windrädern an der Obernautalsperre erscheint nach bisherigem Informationsstand nicht schlüssig. Mit Blick auf die Nähe geplanter oder bestehender Anlagen zum Wasserschutzgebiet Zone II der Obernautalsperre betont Müller zudem: „Der Schutz unserer Trinkwasserversorgung hat oberste Priorität. Es muss zweifelsfrei geklärt sein, dass weder durch Abrieb noch durch Havarien eine Gefährdung für das Wasserschutzgebiet der Obernautalsperre entsteht.“ Die FDP setzt sich beim Schutz des Trinkwassers in der Region daher schon lange für den Bau einer weiteren Talsperre ein – auch aus Gründen von Wasserverunreinigungen.
Die Fragen an die Verwaltung:
Um Licht in das bau- und umweltrechtlich komplexe Thema zu bringen will die FDP deshalb von der Kreisverwaltung folgende Fragen beantwortet wissen:
Werden in den Rotorblättern und deren aerodynamischen Zusatzkomponenten (z. B.
Erosionsschutzsysteme, Anti-Vereisungs-Systeme, Oberflächenbeschichtungen) PFAS-haltige Materialien verwendet? Falls ja, um welche spezifischen Stoffgruppen oder Einzelsubstanzen aus der Gruppe der PFAS handelt es sich (unter Angabe der chemischen Bezeichnung sowie der jeweiligen CAS-Nummern)?
Sind im Zusammenhang mit möglichen Verunreinigungen der Talsperre und der Wasserschutzzone durch WKAs Investitionen oder Maßnahmen der Wasseraufbereitung vorgesehen?
Sieht die Kreisverwaltung eine Gefahr für den Trinkwasserschutz durch PFAS-haltige Rotoren? Wenn die Antwort nein lautet, bitten wir um eine ausführliche Begründung.
Welche entsprechenden Nachweise wurden den Genehmigungsbehörden im Rahmen des Umweltverträglichkeits- und Gewässerschutzkonzeptes vorgelegt?
Liegen standortspezifische Untersuchungen oder Gutachten zum Korrosions- und Erosionsverhalten der Rotorblätter und ihrer Zusatzkomponenten vor? Mit welchen Korrosions- und Erosionsraten ist unter den lokalen klimatischen und geologischen Bedingungen zu rechnen?
Welche Schadstofffreisetzungen (z. B. PFAS, Mikroplastik, Faserpartikel) sind während der Betriebsphase zu erwarten?
Welche Auswirkungen hat freigesetzter Abrieb auf die Qualität von Boden und Grundwasser, insbesondere im Hinblick auf die Nähe zum Wasserschutzgebiet Zone II der Obernautalsperre? Wie wird sichergestellt, dass geltende Trinkwassergrenzwerte dauerhaft eingehalten werden?
Welche konkreten Schutzmaßnahmen sind vorgesehen, um einen Eintrag potenzieller Schadstoffe aus Rotorblattabrieb in Boden und Gewässer zu minimieren? Welche Maßnahmen greifen im Falle erhöhter Belastungswerte oder technischer Defekte (z. B. Havarien, Blattbruch)?
Enthalten die im Brandfall an einem Windrad eingesetzten stationären oder mobilen Löschmittel PFAS-haltige Schaummittel?
Die FDP-Fraktion im Kreistag Siegen-Wittgenstein sieht in der umfassenden Klärung dieser Fragen eine zwingende Voraussetzung für eine verantwortungsvolle Abwägung zwischen Energiewende, Umwelt- und Trinkwasserschutz.

„Der Schutz unserer Trinkwasserversorgung hat oberste Priorität. Es muss zweifelsfrei geklärt sein, dass weder durch Abrieb noch durch Havarien eine Gefährdung für das Wasserschutzgebiet der Obernautalsperre entsteht“, erklärt Guido Müller.
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