21 Fehlwürfe sind zu viel, TuS Ferndorf verliert klar beim Tabellenführer

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(wS/red) Kreuztal, 15.03.2026 | Bietigheim zeigt Ferndorf klar die Grenzen auf

Ergebnis: SG BBM Bietigheim gegen TuS Ferndorf 39:28 (22:15). Zuschauer 2356.

Eine Meldung noch zuerst. Heute um 17:00 Uhr spielte die HSG Krefeld auswärts in Dessau und verlor in einem hochdramatischen und spannenden Match mit 32:31. Das hilft dem TuS, die Niederlage zu verschmerzen, denn wenn Krefeld gewonnen hätte, hätte Ferndorf nur noch 3 Punkte Abstand zum Abstiegsplatz, jetzt sind es wieder 5, puhhh, das war knapp.

Die zwei besten Defensivreihen der Liga trafen aufeinander, ebenso spielte das beste Torhütergespann gegen das zweitbeste Torhütergespann. Dass vor dem Match zwischen diesen beiden Teams aktuell 13 Plätze Unterschied in der Tabelle stehen, verwundert deshalb ein bisschen, lässt aber nach dieser Klatsche ein Stirnrunzeln und fragende Blicke zurück.

Der TuS kam komplett unter die Räder, denn der Tabellenerste und designierte Aufstiegskandidat Bietigheim ließ Ferndorf nicht den Hauch einer Chance.

In der 2. Bundesliga sind zweistellige Niederlagen gar nicht so selten, weil das Tempo hoch ist und Teams bei Rückstand oft komplett aufmachen (7 gegen 6, schnelle Mitte usw.). Das soll allerdings keine Erklärung für die gestrige Leistung sein.

Seit dem Wiederaufstieg 2016 in die 2. Handball Bundesliga gab es beim TuS Ferndorf einige deutliche Niederlagen. Die heutige 28:39 (−11) gehört tatsächlich in diese Kategorie, aber es gab auch Spiele mit noch größerem Abstand.

Vor dem Spiel wurde zuerst Filip Baranasic verabschiedet, der ja als Ausleihe von Bietigheim im letzten Jahr zum TuS Ferndorf kam und nun komplett zum TuS Kader gehört, er ist mit einem Vertrag bis 2027 ausgestattet. Er bildet mit Can Adanir ein perfektes Duo im Ferndorfer Kasten.

Bietigheim schien in allen Bereichen besser zu sein, ihre Abwehr war gefühlt über die ganzen 60 Minuten perfekt und im Angriff legten sie ein Tempo vor, mit dem die Ferndorfer so wohl nicht gerechnet hatten. In der 1. HZ schlug es im Minutentakt im Ferndorfer Kasten ein, in der 17. Minute stand es schon 15:7, das ist definitiv zu viel. Die Abwehr der zweitbesten Defensivreihe der Liga zerbröckelte förmlich und wir sahen einen unzufriedenen Ceven Klatt am Spielfeldrand.

Auffallend waren die vielen leichten Rückraumtore der Gastgeber, die immer wieder die Fehler des TuS umgehend bestraften. In der 1. HZ leisteten sie sich gigantische 13 Fehlwürfe, dagegen lesen sich die nur 4 technischen Fehler richtig gut. Von 31 Würfen auf das Bietigheimer Tor erreichten nur 15 das Ziel, beim Gastgeber hingegen waren es 22 Treffer.

Es war auch kein guter Start, es erinnerte an das Spiel in Großwallstadt, nur dass da die Ferndorfer loslegten wie die Feuerwehr. Hier war es der Gegner und so hieß es nach 6 Minuten schon 6:2. In dieser kurzen Phase sahen wir schon 4 Fehlwürfe des TuS. Sie wirkten zudem übernervös und rannten sich ein ums andere Mal in der Bietigheimer Abwehr fest, denn die stand wie ein Bollwerk.

Und so blieb es auch im weiteren Verlauf. Nach dem 11:5 in der 13. Minute, Bietigheim hatte gerade einen von insgesamt 6 Siebenmetern verwandelt, haute Ceven Klatt auf den Buzzer, denn es deutete nichts darauf hin, dass sich hier etwas ändern könnte. Man hörte von ihm auf DYN ein „weiter, weiter, ihr müsst das Tempospiel in den Griff bekommen, ihr habt schon drei, vier freie liegen lassen“.

Vielleicht hatte man ihn nicht wirklich verstanden oder wollte es zu gut machen, es klappte auf jeden Fall nicht. Fehlwurf Mundus, 13:6, Fehlwurf Mundus, 14:6.

Filip im Ferndorfer Kasten hatte einen schweren Stand, er bekam zu viele einfache freie Würfe rein, da hatte er sicherlich auch ein bisschn mehr Unterstützung durch die Abwehr erwartet. Nach für Filip unglücklichen 19 Minuten mit nur 3 Paraden kam Can Adanir in den Kasten.

Nach längerer Verletzungspause kam auch Tom Jansen wieder aufs Spielfeld und präsentierte innerhalb von 3 Minuten gleich 2 Treffer. Wer auch immer wieder positiv auffiel, war Soeren Servos, er war auch mit 3 Toren in der 1. HZ bester TuS Schütze.

Ferndorf blieb nun dran und ließ den Gastgeber auch nicht mehr davonziehen, aber mehr war es auch nicht. 16:7, 17:10. Beim 20:11 in der 26. Minute sah es schon nach einer Klatsche in der 1. HZ aus, doch da versenkte innerhalb von 1 Minute Soeren Servos zwei Mal den Ball.

Beim Stand von 21:14 buzzerte auch Iker Romer, der den Verein zum Saisonende verlässt. Er will sich dann vollumfänglich auf seinen Job als Trainer der österreichischen Nationalmannschaft konzentrieren.

Danach erzielten beide Teams noch 1 Tor (Daniel Hideg für den TuS) und man ging mit einem 22:15 in die Kabinen. Eine rauschende Ballnacht wird es dort nicht gewesen sein, denn ein Bündel an Schwachstellen galt es anzusprechen.

Ein klares Zeichen, dass Ferndorf an diesem Abend ein außergewöhnlich hohes Niveau bräuchte, um zurückzukommen.

Ferndorf kam ganz  gut sortiert aus der Kabine, vielleicht hatte es Ceven Klatt so gefordert oder es kam ganz einfach so. Fakt ist, wir sahen ein tolles Duo, das aus Daniel Hideg und Mattis Michel bestand. Daniel mit Pass auf Mattis an den Kreis und der ganz locker eingetütet, und das innerhalb von 3 Minuten drei Mal. Klasse, es stand in der 35. Minute 26:20. Der TuS hatte sich bis hierhin noch keinen Fehlwurf geleistet.

Die Gastgeber zogen ihr Ding trotzdem durch. Zeitstrafe für Daniel, Siebenmeter für Bietigheim, jetzt 27:20. Zwei technische Fehler von Ferndorf ließen den Gegner auf 30:21 in der 40 Minute davonziehen. Es war für Cevens Jungs kein Kraut gegen die starke Abwehr und die knallharte Offensive des Gegners gewachsen.

Beim 32:22 in der 43. Minute reichte es Ceven Klatt, er buzzerte und dann krachte es: „macht Stoppfouls und hört endlich mal auf, die Bälle einfach herzugeben, seid konsequenter in der Abwehr und helft endlich mal den Torleuten“. So sieht und hört man ihn selten.

Es sollte an diesem Tag nichts funktionieren. Nach weiteren 2 Fehlwürfen verwandelte der Gegner wieder einen Siebenmeter, noch ein TuS Fehlwurf und ein weiterer technischer Fehler und Bietigheim nutzte dies zum 34:22 in der 49. Minute.

Die Crunchtime brachte keine neuen Erkenntnisse, aber einer, der bis dahin einen schlechten Tag hatte, nämlich Marvin Mundus, kam noch groß raus. Bis zur Sirene erzielte er noch 4 krachende Tore und Soeren Servos steuerte auch noch 2 Tore bei. Der letzte von ihm führte zum Endstand von 39:28.

Für Ceven ein Tag zum Vergessen. Endgültig verloren hat man das Spiel sicherlich zwischen der 35. und 49. Minute, als man nur 2 Treffer erzielte. Es waren die viel zitierten „Kleinigkeiten“, die man bei einem Tabellenführer nicht machen darf, zumindest nicht in dieser Häufigkeit.

Die Torhüterleistungen über 60 Minuten waren in den letzten Spielen schon erheblich besser. Ferndorf kam bei der SG BBM auf 9 Paraden, Bietigheim auf 12 Paraden, also kein nennenswerter Unterschied. Es war die hohe Fehlerquote von 21 Fehlwürfen.

Marvin Mundus war mit 5 Treffern der zweitbeste Torschütze nach Mattis Michel mit 6 Treffern. Marvin hatte neben seinen 5 Toren aber auch 7 Fehlwürfe, er hatte keinen guten Tag erwischt.

Bietigheim hat aus 50 Würfen 39 Treffer erzielt, Ferndorf aus 49 Würfen nur 28 Treffer, nackte Zahlen, die diese hohe Niederlage dokumentieren.

Im Verlauf des Spiels wurde der unglücklich agierende Filip Baranasic durch Can Adanir ersetzt. Im Verlauf der 2. HZ wechselte Klatt dann noch einmal, aber wie gesagt, die Torhüterleistungen waren nicht unbedingt schuld an dieser Niederlage.

Trotz der deutlichen Niederlage lassen sich einige Punkte klar benennen:

  1. Tempo als Problem: Ferndorf wollte mitgehen, verlor aber zu viele Zweikämpfe und brachte die Abwehr nicht stabil genug hinter den Ball.
  2. Defensive ungewohnt offen: Die sonst so starke Deckung fand kaum Zugriff auf Vlahović, Bacani, de la Pena, und Hadzimuhamedovic.
  3. Offensiv solide, aber nicht effizient genug: 28 Auswärtstore sind eigentlich ein guter Wert, aber nicht, wenn man 39 kassiert.
  4. Emotionale Komponente: Die Verabschiedung von Baranašić war ein schöner Moment, aber sportlich hatte Ferndorf an diesem Abend keine Chance.

Nun ist Länderspielpause, Cevens Jungs werden jetzt Analyse betreiben, werden trainieren, trainieren, trainieren und Ceven wird viel mit ihnen reden um sie dann auf das schwere Heimspiel am 28. März gegen Balingen einzustellen.

FAZIT:

Bietigheim zeigte eindrucksvoll, warum sie an der Tabellenspitze stehen. Hohes Tempo, starke Torhüterleistung, breite Torschützenliste und enorme Konsequenz.

Ferndorf dagegen erwischte einen gebrauchten Abend, an dem die Defensive nicht auf dem gewohnten Niveau agierte und das Tempo der SG BBM zu keinem Zeitpunkt kontrollieren konnte.

Zahlen und Daten:

Fehlwürfe: 21 (Bietigheim 11)

Technische Fehler: 8 (Bietigheim 6)

Tor: Can Adanir 3 Paraden, Filip Baranasic 6 Paraden

Torschützen: Mattis Michel und Soeren Servos je 6, Marvin Mundus 5, Tom Jansen und Daniel Hideg je 3, Josip Eres 2/2, Julius Fanger 1/1, Gabriel da Rocha Viana und Nico Schnabl je 1

Bericht: Peter Trojak

Collage/Fotos: Andreas Domian

MATTIS MICHEL (bei DYN):  

Wenn man das Ergebnis sieht, ist einiges schiefgelaufen. Wir haben uns vorgenommen bzw. wir wussten, dass wir Schwierigkeiten im sechs gegen sechs haben werden. Da wollten wir mit viel Tempo von hinten umgehen, was wir eigentlich nicht verkehrt machen, aber uns unterlaufen dann einfach zu viele einfache Fehler, zu viele freie Bälle, die wir dann verwerfen und die hat Bietigheim dann eiskalt ausgenutzt. Sie haben sofort Gegenkonter eingeleitet und nach gefühlten 15 Minuten hatten wir schon 15 Gegentore.

Ich kann mich gar nicht erinnern, wann wir das zuletzt hatten. Wir sind gar nicht richtig in unsere 6:0-Abwehr gekommen, was uns eigentlich auszeichnet, wo wir uns austoben können und wo wir Stoppfouls machen können. Wir wurden, vor allem am Anfang überrannt und das ist, glaube ich, der größte Vorwurf, den wir uns machen müssen. Wir haben unsere Zweikämpfe nicht aggressiv genug geführt, um unseren Torleuten dann auch zu helfen. Dann hat es Bietigheim je auch clever gemacht, hat den Ball so laufen lassen, dass wir gar nicht erst in die Stoppfouls gekommen sind. Das waren so die Punkte, woran es am meisten gelegen hat.

CEVEN KLATT:

Wir verlieren heute verdient gegen sehr gute Bietigheimer. Leider laufen wir den verpassten Chancen aus der Anfangsphase des Spiels hinterher. Insgesamt finden wir immer wieder gute Chancen im Tempospiel, lassen aber zu viele freie Bälle liegen.

In der Abwehr bekommen wir zu wenig Zugriff und können auch nicht das Tempospiel von Bietigheim stoppen. Die Torhüter können uns heute auch nicht helfen, was aber auch daran liegt, das wir nicht gut genug verteidigen. Bietigheim war heute eine Nummer zu groß für uns. Daniel und Mattis haben das heute gut gemacht. Auch Soeren hatte wieder einige gute Aktionen.

MAXIM ORLOV:

Das Spiel fing eigentlich ganz ausgeglichen an. Beide Mannschaften haben direkt aufs Tempo gedrückt. Der TuS hatte dann aber ein bisschen Abschlusspech, ich meine, sie treffen zweimal den Pfosten, und Martin Tomovski hält zwei Gegenstöße, die eigentlich gut herausgespielt waren. Das ist natürlich ärgerlich und kann einem schon früh ein bisschen das Genick brechen.
Wenn der TuS diese Bälle macht, die ja eigentlich hochprozentige Chancen waren, läuft das Spiel vielleicht anders. So aber führen wir relativ früh mit drei, vier Toren. Und dann wird es für Ferndorf natürlich schwierig, wieder ranzukommen, weil wir weiter aufs Gas drücken und sehr breit wechseln können.
Am Ende ist es dann ein ungefährdeter Sieg.
Vorher und nachher habe ich noch mit einigen Ferndorfer Jungs gequatscht. Ein bisschen traurig bin ich schon, dass ich dieses Jahr nicht in der Stählerwiese spielen konnte, das wäre tatsächlich die einzige Mannschaft gewesen, bei der ich lieber ein Auswärtsspiel gemacht hätte.
Ich persönlich bin zufrieden mit meinem Abend. Ich habe nicht so viel gespielt, aber trotzdem meine Anteile bekommen und meine Aktionen gehabt. Und dadurch, dass es recht souverän lief, konnten wir die Spielanteile gut auf alle verteilen.

Anmerkung der Redaktion: Maxim erzielte 4 Treffer

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