Ein Nachmittag voller Seelenfarben: wirSiegen.de zu Besuch bei Juli Nickmann im 4Fachwerk Museum

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(wS/red) Freudenberg 19.03.2026 | Es sind oft genau diese Termine, von denen man vorher nicht weiß, wie sehr sie einen am Ende mitnehmen. Unser Besuch bei Juli Nickmann im 4Fachwerk Museum in Freudenberg war genau so ein Moment.

Schon der Weg dorthin hatte etwas Besonderes. Die Frühlingssonne lag über dem historischen Stadtkern, ließ die Fachwerkhäuser fast schon wie gemalt wirken. Eine ruhige, fast schon entschleunigte Atmosphäre – und genau die setzte sich im Museum fort.

Drinnen angekommen, wurde schnell klar: Diese Ausstellung ist keine, durch die man einfach „durchgeht“. Die Werke von Juli Nickmann fordern Aufmerksamkeit. Sie ziehen einen rein, ohne laut zu sein, und lassen einen nicht sofort wieder los.

Unter dem Titel „Intuitive Welten“ zeigt die Künstlerin Arbeiten, die sich bewusst jeder klaren Einordnung entziehen. Es geht hier nicht um klassische Porträts oder saubere Kompositionen. Vielmehr bewegen sich ihre Bilder in einem Spannungsfeld zwischen Figur und Auflösung, zwischen Kontrolle und Loslassen.

Intuition auf der Leinwand: Wenn Farbe laufen darf

Im Gespräch mit ihr wurde deutlich, dass genau das ihr Ansatz ist. Sie arbeitet nicht nach festen Vorlagen, nicht nach starren Konzepten. „Man muss den inneren Kritiker irgendwann ausschalten“, sagt sie. „Sobald man anfängt, alles kontrollieren zu wollen, verliert das Bild an Leben.“ Ein Satz, der hängen bleibt – weil man ihn in ihren Arbeiten direkt wiederfindet.

Was sofort auffällt, ist die besondere Technik. Viele ihrer Werke sind in Schichten aufgebaut. Erste Linien – oft Gesichter, Augen oder angedeutete Konturen – entstehen spontan, fast skizzenhaft. Teilweise wirken sie bewusst unruhig, fast nervös gesetzt. Genau das gibt den Bildern etwas Rohes, Unmittelbares.

Darüber hinaus entwickelt sich dann eine zweite Ebene: Farbe, die nicht einfach aufgetragen wird, sondern sich ihren eigenen Weg sucht. Sie verläuft, tropft, überlagert Strukturen. Diese sogenannten „Drippings“ wirken stellenweise wie Tränen, an anderen Stellen wie Regen, der über eine Oberfläche läuft. Es entstehen Verläufe, die nicht exakt planbar sind – und genau darin liegt der Reiz.

Besonders spannend ist dabei das Spiel mit Transparenz. Einige Farbschichten wirken fast wie Wasser, durch das man hindurch auf die darunterliegenden Strukturen blickt. Das Gesicht bleibt oft der Anker im Bild, während sich alles andere in Bewegung zu befinden scheint. Es ist ein ständiges Wechselspiel zwischen Festhalten und Loslassen.

Je länger man sich mit den Bildern beschäftigt, desto mehr Details treten hervor. Kleine Linien, überlagerte Flächen, Entscheidungen, die im ersten Moment kaum auffallen. Es sind keine Werke, die sich auf den ersten Blick komplett erschließen – und genau das macht ihren Reiz aus.

Juli Nickmann selbst beschreibt ihre Kunst nicht als klassisches Handwerk, sondern eher als einen Prozess. Als einen Dialog mit sich selbst. Und genau dieses Gefühl überträgt sich auch auf den Betrachter.

Im Laufe des Gesprächs wurde auch deutlich, dass sie noch lange nicht am Ziel ist – im Gegenteil. Sie steckt voller Ideen, voller Energie und hat sichtbar Freude daran, sich weiterzuentwickeln und Neues auszuprobieren. Ihre bisherige öffentliche Präsenz ist noch vergleichsweise jung, doch ihre Arbeiten zeigen bereits eine klare Handschrift.

Für uns steht fest: Ein Original von ihr ist weit mehr als nur ein dekoratives Element. Es trägt diese Energie in sich, diese Mischung aus Spontanität, Emotion und handwerklichem Können. In jedem Bild steckt Zeit, Material und vor allem ein Stück Persönlichkeit.

Wer die Gelegenheit hat, sollte sich die Ausstellung im 4Fachwerk Museum in Freudenberg unbedingt selbst anschauen. Sie läuft noch bis zum 19.04.2026 und bietet die Möglichkeit, diese besondere Art von Kunst live zu erleben – denn kein Foto kann das vollständig einfangen.

Und vielleicht endet der Besuch nicht dort. Im sogenannten „Haus 13“, einem historischen Fachwerkhaus in Freudenberg, hat sich Juli Nickmann ihren Traum vom eigenen Atelier erfüllt. Im obersten Stockwerk ist ein Raum entstanden, der mehr ist als nur ein Arbeitsplatz. Hier finden auch kleinere Veranstaltungen statt – Ausstellungen, musikalische Abende oder Treffen in entspannter Atmosphäre.

Gemeinsam mit ihrer Kollegin Kiria Bottenberg schafft sie dort einen Ort, an dem Menschen zusammenkommen, Kunst erleben und miteinander ins Gespräch kommen können – fernab von Hektik und Alltagsstress.

Was von diesem Nachmittag bleibt, ist mehr als nur ein Bericht über eine Ausstellung. Es ist ein Eindruck. Ein Gefühl. Und vielleicht auch ein kleiner Impuls, sich selbst wieder mehr auf Intuition einzulassen – statt immer alles bis ins Detail planen zu wollen.

Genau das macht die Begegnung mit Juli Nickmann am Ende aus: Sie inspiriert, ohne es aufzudrängen.

Ein Ort der Begegnung: Haus 13 und das 4Fachwerk

Fotos: wirSiegen.de

Unser Tipp: Folgt Juli Nickmann auf INSTAGRAM

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